Der Gedanken-Erinnerungs-Zettel

Die Angst vor den verlorenen Gedanken ist bei meinen Kindern wohl sehr ausgeprägt. Ihr Mitteilungsbedürfnis ist einfach zu groß. Drum eine weitere Strategie zu dem Thema, die ich seit Kurzem verfolge:

Der Hintergrund: Mein ältester Sohn verwickelt uns gerne, wenn er abends im Bett liegt und eigentlich schlafen soll, noch in ein Gespräch. Meine Theorie ist, dass er beim zur Ruhe kommen endlich die Zeit findet über Dinge nachzudenken, die ihn schon den ganzen Tag beschäftigen. Manchmal glaube ich aber auch, dass da System dahintersteckt: er will nämlich noch nicht schlafen. Das kennen wir nur zu gut von ihm (auch nachzulesen in Die Einschlafregel mit Einschlafhilfe). Oft setze ich mich dann noch einmal zu ihm und diskutiere mit ihm über Gott und die Welt. Das dauert oftmals auch so lange, bis es viel zu spät für ihn ist, um morgens ausgeruht aus dem Bett zu steigen.

Als wir letzte Woche wieder diese Situation hatten, fing er damit an, mir ein Spiel aus dem Sportunterricht bis ins kleinste Detail zu beschreiben. Da habe ich Folgendes gesagt: „Du Schatz, es ist schon spät und Du solltest jetzt besser schlafen. Weißt Du was, erzähle mir doch morgen beim Frühstück wie das Spiel geht.“ Er: „Aber dann habe ich wieder vergessen, was ich erzählen wollte.“ Ich: „Dann schreibe ich Dir einen Gedanken-Erinnerungs-Zettel und lege ihn auf Deinen Platz am Tisch. Was soll ich drauf schreiben?“ Er: „Sport und Spiel.“ Das habe ich gemacht.

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Weil er wohl das Gefühl hatte, dass seine wertvollen Gedanken nicht verloren gehen, ist mein Sohn zufrieden eingeschlafen. Und am nächsten Morgen haben wir beim Frühstück haarklein das Sportspiel erläutert bekommen.
Diesen hilfreichen Zettel werde ich jetzt wohl öfter schreiben.

#strategieneinermutter

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Das Wunschbuch

Bevor ich Mutter wurde, gehörte ich zu den Menschen, auf die man sich verlassen konnte: stets pünktlich, gut organisiert, jeden Geburtstag auf dem Zettel, fast keinen Gefallen ausschlagend … Kurz: total tolle Hirnleistung.

Seitdem ich aber meine drei Kinder ausgetragen habe, ist dieses spezielle „Ich-kann-mir-alles-Alltägliche-merken“-Hirnareal anscheinend auf ein Minimum geschrumpft: Was wollte ich eben nochmal holen? Ach Mist, der Geburtstag vom Schwiegervater war ja bereits vorgestern! Au weia, wir müssen dringend los, ich habe aber bisher nur die Hälfte eingepackt! Ach, hatte ich wirklich versprochen, Dir heute mein Bolero-Jäckchen für Deine Firmenfeier morgen auszuleihen? Sorry, das habe ich vergessen.

Es ist schrecklich, dieses ständige Vergessen. Und da unsere Jüngste nun auch schon über ein Jahr alt ist, kann ich es auch nicht mehr auf die Stilldemenz schieben. Sogar das Familien- inklusive Geburtstagskalender führen, hilft nicht wirklich.

In der Hoffnung, dass ich meinen alten Zustand irgendwann wiedererlange, bin ich neulich in einer Zeitschrift über eine tolle Idee gestolpert, wie man sich wenigstens die Wünsche seiner Lieben merken kann. Das ist ja auch immer so eine Sache. Kinder wünschen sich ja dauernd was, Ehemänner dagegen nur selten (meiner zumindest). Da ist es wichtig, die Masse bzw. die wenigen Dinge irgendwo zu vermerken. Damit sie im geeigneten Moment Ostern, Weihnachten, Geburtstag .. wieder präsent sind.

Die Idee heißt: Wunschbuch.
Man kauft einfach eine nett aussehende Kladde und eröffnet der Familie: „Ich habe eine Überraschung für Euch. Wir haben jetzt ein Wunschbuch. Da dürfen wir alle unsere Wünsche reinschreiben.“ Mein Mann: „Aha!“ Der Sechsjährige: „Wirklich jeden Wunsch?“ Ich: „Ja! Das heißt aber nicht, dass jeder Wunsch in Erfüllung geht. Nur, damit wir nichts vergessen.“ Der Vierjährige enttäuscht: „Und ich dachte, Du hast etwas Süßes für uns!“ Und die Einjährige: „Tsüss!“ (Einjährigen-Slang für „Tschüss“).

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Ehrlich gesagt, hatte ich mir die Reaktion meiner Familie etwas euphorischer vorgestellt. Aber jetzt gibt es das Buch. Und es liegt an einem Ort, wo jeder jederzeit dran kann: Auf der Ablage in der Küche.

Am ersten Tag der Existenz des Wunschbuches blieb es einfach liegen. Am Zweiten auch. Aber am dritten Tag konnte ich meinen Ältesten dabei beobachten, wie er heimlich an das Buch ging und etwas reinschrieb. Nachdem er das Buch wieder verschlossen und heimlich hingelegt hatte, war ich so neugierig, dass ich – ebenfalls heimlich – im Buch nachschaute.

Erwartet hatte ich so etwas wie: Lego Cars 2 Bohrinsel. Aber dort stand einfach nur in seiner süßen Krakelschrift: Urlaub.
Das unterschreibe ich sofort.

#strategieneinermutter