Von allem das Gegenteil

Heute beim Abendessen eröffnete unser Mittlerer: „Ich sage von allem jetzt nur noch das Gegenteil!“ Wir nahmen die Herausforderung an. Mein Mann fragte: „Möchtest Du noch mehr Fisch?“ Er: „Auf keinen Fall!“ und hielt ihm grinsend den leeren Teller hin. Wir lachten und er bekam noch ein Fischfilet aufgeladen.

Unser Großer stieg mit einem breiten Grinsen ein: „Ich möchte heute auf gar keinen Fall einen Nachtisch haben.“ Wir lachten alle. Und es wurde nach dem Essen für jeden etwas Schokoloade ausgeteilt. Zwischendurch erfanden wir lustige Gegenteil-Sätze und -Situationen. Es war insgesamt eine sehr fröhliche Abendbrot-Runde.

Mein Mann und ich erkannten das Potenzial des Spiels. Er sagte nach dem Essen: „Ich möchte bitte, dass Ihr jetzt auf gar keinen Fall Zähne putzen geht. Und ich verbiete Euch, danach ins Bett zu gehen.“ Große Lacher auf allen Seiten.

Die Jungs rannten nach oben: „Okay Papa, wir gehen jetzt nicht die Zähne putzen.“ Sie verschwanden im Badezimmer. Dies übrigens ganz zu meiner Verwunderung, denn das passiert sonst nie freiwillig.

Weil es noch etwas Zeit bis zum Schlafen gehen war, wurde kurzerhand noch eine Lego-Bobbahn aufgebaut. Das machte die Stimmung noch besser. (Weil die Bobbahn wirklich spektakulär ist und viel Spielspaß bringt, hier ein Foto von dem Bauwerk. Die „Bobs“ kriegen wirklich Speed! Also falls vorhanden, Nachbauen sehr empfehlenswert!).

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Die Jungs hielten das Spiel die ganze Zeit durch. Unser Großer: „Bringt Ihr mich jetzt ins Bett? Bitte !“ Wieder Lacher auf allen Seiten. Mein Mann: „Auf gar keinen Fall.“ Und schmunzelte.

Dann sagte aber die Kleine: „Mama, ich bin jetzt müde. Bringst Du mich ins Bett?“ Die Jungs: „Na dann: Schlechten Morgen!“ Lacher! Und sie in ihrer Unbedarftheit einer Dreijährigen: „Nee, das heißt Gute Nacht!“

Am Ende lagen alle friedlich und zufrieden im Bett und sind ganz schnell und selig eingeschlafen. Ich kann mich nicht erinnern, wann das Zubettgehen so diskussionsfrei und lustig von statten gegangen ist.

Auf dem Weg wieder zu mehr Gelassenheit hier mein erstes Learning: Auf die „Spielchen“ der Kinder einzugehen kann Alltagssituationen sehr vereinfachen.

Spielbesuch: leicht oder lästig?

Seitdem unsere Jungs circa vier Jahre alt sind, verabreden sie sich nachmittags mal mit Freunden. Ohne meine Anwesenheit versteht sich. Wenn eins unserer Kinder den Nachmittag bei einem Freund oder einer Freundin verbringt, ist dies für mich sehr entspannend. Es entlastet mich. Mein Motto: „Ein Kind ist kein Kind.“ Die Kleine ist ja relativ pflegeleicht, die zählt noch nicht mit.

Wenn wir aber Spielbesuch nach Hause bekommen – und das muss gerechterweise auch stattfinden -, habe ich plötzlich vier Kinder. Drei, die potenziell miteinander spielen können und die Kleine noch dazu. Dies gestaltet sich zunehmend als schwierig. Denn der, der keinen Freund zu Besuch hat, ist immer ein bisschen außen vor. Der will aber mitmischen. Das führt bei meinen Kindern eigentlich immer zu Frust, Streit und Ärgereien – untereinander versteht sich. Das kann mehr oder weniger stark ausfallen – je nachdem, ob wir leichten oder lästigen Spielbesuch bei uns zu Hause haben.

Leichter Spielbesuch sind Kinder, die bei uns ankommen, mit den Jungs im Kinderzimmer oder Garten verschwinden und das Gespann nur zu mir kommt, wenn es Durst oder Hunger hat oder mal aufs Klo muss. Das klingt boshaft, ist es vielleicht auch, aber (1) mit drei Kindern habe ich tagtäglich schon genug zu tun und (2) Kinder sollten auch mal untereinander spielen und nicht immer das elterliche Bespaßungsprogramm in Anspruch nehmen müssen.
Witzigerweise schaffen das die Mädchen. Als ob sie die ersten Testosteron-Schübe unserer Jungs mildern, ja fast bezirzen können, werden sie in der Anwesenheit von Mädchen ruhig, spielen konzentriert und begeistert. Einfach wunderbar. Es gibt auch Jungs, mit denen meine Kinder tolle Spielnachmittage verbringen, allerdings kann ich die nur an drei Fingern abzählen.

Und damit leite ich zum eher lästigen Spielbesuch über: In der letzten Zeit habe ich oft beobachtet (gerade bei den Großen, also 6jährigen), dass unsere kleinen Besucher überhaupt nicht in der Lage waren, zu spielen. Und das, obwohl sich mein Großer wirklich darum bemüht hat, ein Spiel in Gang zu bringen: er präsentierte sämtliches Spielzeug oder schlug Spiele vor. Den ganzen Nachmittag kam nichts zwischen den Kindern zustande. Das überraschte mich, weil ich bisher angenommen hatte, dass Kinder immer irgendein Spiel für sich finden. Stattdessen hingen die Besuchs-Kinder an meinem Hosenbein und wichen mir nicht mehr von der Seite. Am besten noch mit dem Satz: „Was machst Du da?“ Ich: „Ich koche mir einen Tee.“ Das Kind: „Kann ich auch einen?“ Ich: „Ja klar, aber dann gehst Du wieder spielen.“ Das Kind bekommt den Tee, bleibt aber bei mir. Ich: „Willst Du nicht mit den Jungs spielen?“ Kind: „Nee.“ Ich: „Warum denn nicht?“ Kind: „Keine Lust.“ Die Folge: Ich habe einen anstrengenden Nachmittag und einen völlig frustrierten Sohn am Abend – gern auch mal vor Enttäuschung weinend. Komischerweise spielen diese Kinder mit meinem Sohn, wenn sie bei sich zu Hause sind, super miteinander.

Das hat mich so verwirrt, dass ich Ursachenforschung betrieben habe. Ich bin zwar zu keiner brauchbaren Lösung, jedoch zu einer Hypothese gekommen: Unser Haushalt ist nicht so mit Spielzeug ausgestattet, wie der anderer Kinder. Bei uns gibt es – meiner Meinung nach – genug zu spielen: unter anderem Lego duplo und Kleinlego, Eisenbahnsysteme, diverse Playmobil-Utensilien, Schleichtiere, Werkbank, Kinderküche, Gesellschaftsspiele etc. Damit muss ein Kind doch was anfangen können. Meine Kinder sind zwar auch manchmal uninspiriert, was ihr Spielen angeht, aber eigentlich brauchen sie gar nicht so viel – vielleicht mal einen ideenhaften Anstupser. Sie spielen gerne Rollenspiele. Sie schlüpfen in die Welten von Piraten, Wikingern, Cars Autos, Postboten, Köchen, Planes Flugzeugen, Bären- oder Hasenfamilien, Abenteurern, Forschern … Dafür brauchen sie nicht die zehnte Playmobil-Ritterburg (unser 150€-Modell steht seit Monaten unaufgebaut auf dem Schrank und wird nicht angefordert), sondern eher einen Kochtopf als Astronautenhelm. Wenn unser großer Sohn also bei seinen Freunden dem Spielzeug-Overload ausgesetzt ist (er berichtet gern davon: „Mama, ich habe gar kein richtig gutes Spielzeug!“), dann klappt das Spiel natürlich gut. Anders herum kann es dann aber gar nicht funktionieren. Wenn sie bei uns sind, ist diesen Kindern wahrscheinlich schlicht langweilig.

Eine weitere Hypothese kommt von der Cousine meines Mannes. Als ich mich neulich mit ihr über mein Problem unterhielt, sagte sie nur: „Du bist einfach zu nett.“ Da habe ich erst einmal gestutzt. Dann sagte sie noch: „Du musst den Kindern klipp und klar sagen, dass sie nicht bei Dir abhängen, sondern zu Deinen Kindern abdampfen sollen.“ Mag sein, dass sie recht hat. Aber das kann ich nicht, weil ich so nicht bin.

Hypothesen hin oder her. Bis ich der Sache auf den Grund gegangen bin, lautet meine Strategie: Meine Söhne dürfen die „Lästigen“ gerne bei sich zu Hause besuchen. Zu uns kommen bitte nur noch die, die mich entlasten. Ich will mich hier nicht als Kinderhasserin oder schlechte Gastgeberin hinstellen, aber diese Selektierung muss ich mir zum Schutze meines Seelenheils einfach erlauben.

Übrigens: Meine Schwester schützt ihr Seelenheil, indem sie ihren Kindern – sie hat auch drei – nur einen Spielbesuch pro Woche zugesteht. „Anders ertrage ich das nicht,“ sagt sie. Ich kann sie sehr gut verstehen.

#strategieneinermutter

Im Trüben toben

Dass ich mal das Wetter als Aufhänger für einen meiner Artikel nutzen muss, hätte ich selbst nie gedacht. Doch die letzten drei, vier oder vielleicht auch sechs verregneten und verstürmten Wochen haben nicht nur mir, sondern sogar meinen zumeist fröhlich gestimmten Kindern die Laune verhagelt. Vor die Tür gehen? Auf keinen Fall!

Ich gehöre ja nicht zu den Müttern, die mit ihren Kindern bei Wind und Wetter rausgehen. Den schon oft gehörten Satz „Es gibt kein falsches Wetter, nur die falsche Kleidung!“ kann ich persönlich nämlich nicht unterschreiben. Wenn es regnet, regnet es und dann gehen wir nur raus, wenn es wirklich sein muss. Damit ich meinen Sohn trockenen Fußes zur Schule begleiten kann, habe ich mir kürzlich Gummistiefel und Regenjacke besorgt. So etwas habe ich noch nie besessen bzw. besitzen müssen. Aber rentiert haben sich diese beiden Stücke schon nach so kurzer Zeit.

Zurück zum Thema: Auch wenn das Wetter wochenlang weder Gartenspiele noch Fahrrad oder Inliner fahren zulässt, brauchen meine Jungs ihre tägliche Tobezeit. Denn unausgetobt sind die beiden unausstehlich. Nicht nur zueinander, sondern auch zu ihrem Umfeld. Dann fangen sie sogar an, ihre kleine, sonst so geliebte Schwester zu piesacken.

Also muss eine Lösung her, wie wir drinnen toben können, ohne dabei das gesamte Mobiliar zu zerstören oder alles durcheinander zu bringen. Als sehr effektiv haben sich bei uns diese drei Möglichkeiten erwiesen:

1 (sehr wenig Aufwand): Das elterliche Ehebett wird zur Tobe-Arena. Einfach alle Kissen und Decken vom Bett schmeißen und als weichen Fallschutz rund ums Bett verteilen. Dann kann man sich mit den Kindern herrlich auf dem Bett rangeln: Hüpfen, aufs Bett schmeißen, Purzelbäume machen und und und …. Wenn sich die Lattenroste in der Höhe verstellen lassen, kann man auch wunderbar eine „Halfpipe“ bauen, von der die Kinder sich gerne runterkullern lassen oder einfach von ganz oben auf den Boden springen können.
Babies kugeln sich übrigens auch gerne auf so einer großen, weichen Fläche. Da kann man sich auch schön dazu legen und verschnaufen.

2 (mittlerer Aufwand): Wenn es der Platz zulässt, das Wohnzimmer oder ein Kinderzimmer in einen Fußballplatz verwandeln. Den Boden freiräumen, alle störenden Möbel beiseite schieben, zwei Tore aus Kisten, Hockern oder ähnlichem bauen und gegenüber aufstellen, einen weichen Ball zurechtlegen und los geht das Fußballspiel. Da kommen die Kinder sicher auf ihre Kilometer. Jungs im WM-Fieber auf jeden Fall.

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3 (höherer Aufwand, weil man viel aufräumen muss): Einen Parcours aufbauen. Vorhandene Möbel wie Sofa, Stühle, Tisch, Hocker … mit Bobby Cars, Teppichen, Yoga-Matten, Wolldecken, Kissen, Bällen, Seilen und was es sonst noch so im Haushalt gibt zu einem Parcours verbinden. Dann können die Kinder hintereinander weg diesen Parcours laufen, klettern, kriechen, hüpfen, fahren so oft sie wollen. Meine Jungs räumen dann auch gerne mal um und bauen ihren eigenen Parcours.
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Mit diesen drei Optionen bin ich ganz gut durch den Regen gekommen. Zum Glück soll das Wetter jetzt wieder schöner werden. Und ich freue mich auf die Abwechslung an der frischen Luft. Das ist ja doch am Schönsten. Aber (habe ich schon erwähnt, dass ich gerne mal schwarz male?): Das nächste Tiefdruckgebiet kommt bestimmt. Wenns dann draußen trüb ist, toben wir wieder drinnen.

#strategieneinermutter

Die pawlowsche Eieruhr

Kennt Ihr das auch? Abends, wenn die Luft schon so langsam aus uns allen – Kinder inklusive mir – raus ist, und die Kinder jammern irgendwas zwischen: „Ich habe Hunger!“ und „Ich bin schlapp!“. Dann denke ich oft: ‚Super, jetzt den Dreien schon den Schlafanzug an, dann noch Abendessen. So habe ich die drei ganz früh, ganz schnell und unkompliziert im Bett.‘ Falsch gedacht. Denn wenn nach dem Abendessen die Kohlenhydrate im Blut angekommen sind, drehen die Jungs nochmal richtig auf. „Mama, können wir im Bett toben?“ „Komm, wir spielen noch ne Runde Fußball.“ Und ich merke, wie sich mein Plan von einem entspannten und ruhigen Ins-Bett-geh-Ritual in Luft auflöst. Puff!

Sollen sie sich kurz noch austoben, die Laune ist ja wieder gut. Aber man muss die Drehzahl bei den Kindern auch wieder runterkriegen. Also versuche ich, die Tobezeit zeitlich zu begrenzen. Ich mache eine Ankündigung: „Okay, Jungs, Ihr dürft jetzt noch so lange spielen, bis ich den Abendbrottisch abgeräumt habe. Dann gehen wir zusammen Zähne putzen und dann ab ins Bett und Geschichte lesen.“ Die Jungs: „Okay!“ Ich räume den Abendbrottisch ab, und bitte dann meine Kinder, sich jetzt bettfein zu machen. Aber Pustekuchen. Mit hochroten, verschwitzten Köpfen eröffnen sie mir: „Och nö, Mama, wir haben noch gar nicht richtig gespielt.“ Oder: „Es ist noch viel zu früh. Kannst Du noch kurz mitspielen?“ Mein Blick wandert zur Uhr, die 19 Uhr anzeigt: „Na gut, noch fünf Minuten, dann gehen wir aber und machen Euch bettfein.“ „Super!“ Nach geschätzten fünf Minuten improvisiere ich einen Abpfiff. „So, Spielschluss, ab ins Bad und Zähne putzen.“ „Och nö, Mama, das war noch viel zu kurz.“ So langsam schwillt meine Halsschlagader an. Diese Spielzeit-Verhandlungen zehren echt an den Nerven. Zumindest bei mir.

Drum habe ich eines Tages unsere Eieruhr aktiviert und zu den Jungs gesagt: „Ihr dürft jetzt noch eine Viertelstunde spielen. Ich stelle die Eieruhr. Aber wenn es klingelt, geht ihr Euch ohne Diskussionen bettfein machen.“ Und, ich weiß nicht warum, das hat geklappt. Dass das monotone Gebimmel einer Eieruhr für meine Kinder mehr Autorität verkörpert als die Stimme nebst Ansagen ihrer Mutter, gibt mir zu denken. Die Psychologie dahinter würde ich ja zu gerne kennen.
Nichtsdestotrotz, seitdem stelle ich öfter mal die Eieruhr. Der Einsatz ist auch in anderen Situationen ganz hilfreich: Beispielsweise, wenn beide ein bisschen Computer spielen dürfen und sie sich verständlicherweise nicht abwechseln wollen, stelle ich die Uhr auf fünf Minuten. Und wenn es klingelt, wird getauscht. Oder wenn sie beide mal wieder nicht aus der Wanne raus wollen. Wenn es klingelt, kommen sie raus. Und und und …
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Heute war mir die Eieruhr auch wieder einmal eine Hilfe: Wir waren lange unterwegs und kamen am späten Nachmittag erst nach Hause, aber die beiden wollten noch ein bisschen im Garten spielen. Ich dagegen wollte eigentlich Abendbrot machen. Also habe ich die Eieruhr auf zwanzig Minuten gestellt und gesagt: „Wenn die Eieruhr klingelt, kommt ihr aber rein zum Essen.“ Kaum hat das Ding gerappelt, standen die beiden vor mir. Ich: „Ups, das ging aber schnell. Ich bin noch gar nicht so weit.“ Mein jüngerer Sohn zu seinem älteren Bruder: „Okay, Mama braucht noch zehn Minuten. Wir können noch spielen. Stell mal die Uhr.“ Und weg waren sie.

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