„Ich lese mich müde!“

Neulich: Unsere Kinder lagen schon längst im Bett und schliefen. Dachten wir. Denn als mein Mann einmal kurz in die „Schlafetage“ ging, um etwas zu holen, sah er noch Licht im Zimmer unseres Ältesten (8). Er schaute kurz rein. Und da lag unser Großer wach im Bett und las in einem Buch.

Mein Mann: „Warum liest Du denn noch? Ich dachte, Du schläfst.“ Er antwortete: „Ich lese mich müde!“ Da musste mein Mann schmunzeln und sagte: „Okay, aber dann machst Du selbständig das Licht aus und schläfst dann auch bald.“ Nuschelige Antwort: „Ist gut.“ Er durfte in Ruhe weiterlesen.

Da sich unser Großer schon immer mit dem Einschlafen schwer getan hat (siehe auch Die Einschlafregel mit Einschlafhilfe), finde ich seine eigene Strategie des sich „Müdelesens“ gut. Im Grunde machen wir Erwachsenen ja nichts anderes, wenn wir abends noch ein Kapitel im Bett lesen. Je nach Spannungsgrad des Buches passiert es mir regelmäßig, dass mir schon nach einer halben Seite die Augen zufallen. Eine sehr wirksame Methode, um abends runter zu kommen.

Und für unseren Sohn ist das gleich in dreierlei Hinsicht eine Win-Situation: 1. Er wird so müde, dass er in Ruhe einschlafen kann. 2. Er nutzt das Recht des Ältesten: noch etwas länger wach bleiben zu dürfen. Und 3. Er übt lesen. Und das ganz ohne Zwang und aus eigenem Antrieb.

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Und für uns Eltern? Wir können auch nur gewinnen. Denn seitdem er sich „müde liest“ haben die ständigen „Mama, ich kann nicht einschlafen“-Rufe aprubt aufgehört. Tja, wenn Kinder ihre eigenen Strategien entwickeln, sind sie meist am Wirkungsvollsten …

 

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Wenn nachts der Pavor kommt …

Manchmal haben wir – meist am späten Abend – einen völlig verschreckten, zittrigen und irgendwie irre guckenden 5jährigen im Bett sitzen. Er ist dann nicht wirklich wach, reagiert auch nicht auf uns. Er ruft auch nicht „Mama“, sondern knatscht eher so vor sich hin. Wenn man ihn anschaut, dann starrt der Schreck nur so aus seinen Augen. Und man bekommt einfach keinen Zugang zu ihm.

Diese Zustände hat er schon Zeit seines Lebens. Das kennen wir auch nur von ihm. Mir hat das immer Angst gemacht, weil ich nie wusste, was das ist oder wie wir unseren Sohn aus dieser Situation heraus holen können. Irgendwann habe ich dann aber in meinem Lieblings-Elternbuch „Baby-Jahre“ von Remo H.Largo (siehe auch „Ist das noch normal?“) gelesen, dass das bei Kindern ein ganz normales Vorkommen ist:

Es nennt sich „Pavor nocturnus“. Laut Largo handelt es sich dabei um „ein ganz normales Schlafphänomen. Dem Angsterschrecken liegt ein partielles Aufwachen aus dem tiefsten Non-REM-Schlafstadium zugrunde. Das heißt, das Kind wacht aus dem Tiefschlaf unvollständig auf, was sich in einer Art Verwirrtheitszustand äußert.“ (Kapitel Schlafverhalten, 25-48 Monate) Unser Kind ist also gar nicht richtig wach. Deswegen reagiert es auch nicht auf uns.

Woher dieser Zustand kommt, weiß keiner so genau. Largo sagt dazu: „Nach einem ereignisvollen Tag, zum Beispiel nach einem Familientreffen oder dem Besuch eines Rummelplatzes, neigen gewisse Kinder in der darauffolgenden Nacht zu einem Pavor nocturnus. Auslöser kann einerseits sein, dass die Kinder später zu Bett gehen und übermüdet sind. Dazu beitragen mag auch, dass die Kinder ungewöhnlich vielen Eindrücken ausgesetzt waren, deren Verarbeitung ihnen Mühe bereitet. Der Pavor nocturnus gehört zum normalen kindlichen Schlafverhalten, er ist keine Verhaltensauffälligkeit!“ Diesen Zusammenhang können wir eher nicht feststellen. Aber wir wissen ja auch nicht immer, wie gut oder schlecht unser Mittlerer seine alltäglichen Eindrücke verarbeiten kann.

Nachtgespenst

Was tue ich also, wenn unser Kind mal wieder einen „Pavor nocturnus“ hat?
Ich rede ruhig mit ihm: „Schhhhhhh, ich bin ja da. Mama ist bei Dir.“ Dann nehme ich ihn meistens auf meinen Schoß, lege ihn in meinen Arm, halte ihn fest, wärme ihn und mache leise „schhhhhh“. Meistens hört er dann relativ schnell auf zu zittern. Und die Augen gehen auch wieder zu. Ab und an kommt dann nochmal so eine Art „Einschlafzucken“. Und dann ist die Sache nach spätestens zehn Minuten wieder vorbei. Ich lege ihn wieder in sein Bett. Er schläft ruhig weiter. Und kann sich am nächsten morgen an nichts erinnern.

Fakt ist: Je älter unser Sohn wird, desto seltener kommt bei ihm der Pavor nocturnus. Aber leider wird er immer intensiver. Das Zittern hatte er zum Beispiel früher nicht. Das kam erst im letzten Jahr hinzu.

Mittlerweile gehen mein Mann und ich relativ gelassen damit um. Früher waren wir nach einem solchen „Anfall“ immer völlig erschöpft und sorgenvoll. Heute kommt einer von uns aus dem Zimmer und der andere fragt: „Was war denn?“ „Ach, war nur ein Pavor.“ So kann man sich auch an sehr ungewöhnliche Dinge gewöhnen.

Quelle: Largo, R.H. (2007), Baby Jahre – Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren, Piper Verlag GmbH, München

#strategieneinermutter

3 Tipps: ruhigerer Schlaf bei Erkältung

Der Frühling steht zwar bevor, aber es ist nach wie vor Erkältungszeit. Unsere Kleine hat es neulich ziemlich schlimm erwischt. Mit ihrer Schnupfennase konnte sie nachts gar nicht gut schlafen. Ständig brachte der in den Rachen fließende Rotz sie zum Husten. Zum Glück haben wir mittlerweile (neben Nasenspray) ein paar Hilfsmittel, um dem wenigstens ein bisschen Abhilfe zu schaffen.

1. Feuchte Tücher ans Bett hängen.
Um die Raumluft zu befeuchten, hängen wir mit Wasser angefeuchtete Tücher (z.B. Mullwindeln) über die Balustrade des Gitterbettchens. Die feuchte Luft lindert Reizhusten. Man kann auch zusätzlich noch ein 1-2 Tropfen ätherisches Öl (z.B. Lavendel) auf die Tücher tropfen.

2. Kopf höher lagern.
Damit der Schleim gut abfließen kann, nützt es, den Kopf der Kleinen höher zu lagern. Da man kleinen Kindern kein Kissen o.ä. ins Bett legen sollte (Erstickungsgefahr !), legen wir der Kleinen am Kopfende ihres Bettchens zwei Ablage-Ordner nebeinander  (je nach Matratzenbreite) unter die Matratze. Das sieht dann so aus:

3. Für große Kinder: Auf dem Bauch schlafen.
Unseren großen Jungs (5 und 7 Jahre) empfehlen wir bei lästigem Fließschnupfen auf dem Bauch zu schlafen. Dann kann der Schleim nämlich nicht in den Rachen fließen. Und der Schlaf wird ruhiger.

Zum Glück sind bei uns alle wieder genesen. Und das wünsche ich Euch auch: kommt gesund in den Frühling.

#strategieneinermutter

Das Durchschlafwunder

Vor Weihnachten hat es nun auch meinen Mann und mich ereilt. Nach nunmehr sieben Jahren mit eins, zwei, drei Kindern konnten es die deutlichen Ringe unter unseren Augen nicht mehr leugnen: WIR KÖNNEN NICHT MEHR !!!!

Unsere Nächte mit den Dreien waren unfassbar unruhig. Jeder von uns musste des nächtens mindestens zwei bis dreimal zu einem der Kinder. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen: schlecht geträumt, gekotzt, gekackt, Schnullerverlust, Durst, Klo, Angst oder auch schön der Satz „Ist es schon morgens?“

Gründe hin oder her, wir waren beide nachts viel unterwegs. Der Schlafmangel mit kombiniertem Arbeiten und Familienbetreuung hat uns einfach fertig gemacht. Verständlicherweise, wie ich finde !

Aber manchmal regeln sich die Dinge einfach von selbst. Im Vorfeld muss ich sagen: Ich habe das ganze ohne jegliche Strategie gemacht. Es war die schiere Verzweiflung, die mich eines abends zu unseren Kindern sagen ließ: „Papa und ich können nicht mehr. Weil Ihr uns nachts so oft ruft, sind wir soooo müde, dass wir ganz schlapp sind. Das geht nicht mehr. Wir müssen schlafen. Und deswegen habe ich eine Idee: Wenn Ihr nachts wach werdet, kommt Ihr entweder selbst zu uns ins Bett geklettert oder Ihr dreht Euch einfach um und schlaft weiter.“
Die Kinder haben zugehört, aber das Gesagte nicht weiter kommentiert.

Und dann kam das Wunder: Ab dieser Nacht haben meine Jungs durchgeschlafen! Keiner hat gerufen, keiner wollte irgendwas. Die Kleine kam zwar irgendwann in unser Bett, aber das hat uns nichts ausgemacht.

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Am nächsten morgen fühlten mein Mann und ich uns so ausgeruht wie lange nicht mehr. Die Conclusio: Wir brauchen ruhige Nächte, um gestärkt und entspannt durch den trubeligen Tag zu kommen. Mittlerweile gab es natürlich wieder Nächte, wo wir zu dem ein oder anderen mussten. Aber nicht mehr so geballt. Und: lustigerweise schläft die Kleine seit Anfang des Jahres durch (auch ohne im Arm ihres größten Bruders zu liegen). Moment, ich muss mal eben auf Holz klopfen … das soll ja auch Wunder wirken.

#strategieneinermutter

Der Gedanken-Erinnerungs-Zettel

Die Angst vor den verlorenen Gedanken ist bei meinen Kindern wohl sehr ausgeprägt. Ihr Mitteilungsbedürfnis ist einfach zu groß. Drum eine weitere Strategie zu dem Thema, die ich seit Kurzem verfolge:

Der Hintergrund: Mein ältester Sohn verwickelt uns gerne, wenn er abends im Bett liegt und eigentlich schlafen soll, noch in ein Gespräch. Meine Theorie ist, dass er beim zur Ruhe kommen endlich die Zeit findet über Dinge nachzudenken, die ihn schon den ganzen Tag beschäftigen. Manchmal glaube ich aber auch, dass da System dahintersteckt: er will nämlich noch nicht schlafen. Das kennen wir nur zu gut von ihm (auch nachzulesen in Die Einschlafregel mit Einschlafhilfe). Oft setze ich mich dann noch einmal zu ihm und diskutiere mit ihm über Gott und die Welt. Das dauert oftmals auch so lange, bis es viel zu spät für ihn ist, um morgens ausgeruht aus dem Bett zu steigen.

Als wir letzte Woche wieder diese Situation hatten, fing er damit an, mir ein Spiel aus dem Sportunterricht bis ins kleinste Detail zu beschreiben. Da habe ich Folgendes gesagt: „Du Schatz, es ist schon spät und Du solltest jetzt besser schlafen. Weißt Du was, erzähle mir doch morgen beim Frühstück wie das Spiel geht.“ Er: „Aber dann habe ich wieder vergessen, was ich erzählen wollte.“ Ich: „Dann schreibe ich Dir einen Gedanken-Erinnerungs-Zettel und lege ihn auf Deinen Platz am Tisch. Was soll ich drauf schreiben?“ Er: „Sport und Spiel.“ Das habe ich gemacht.

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Weil er wohl das Gefühl hatte, dass seine wertvollen Gedanken nicht verloren gehen, ist mein Sohn zufrieden eingeschlafen. Und am nächsten Morgen haben wir beim Frühstück haarklein das Sportspiel erläutert bekommen.
Diesen hilfreichen Zettel werde ich jetzt wohl öfter schreiben.

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Zwei Baby-Einschlaf-Tricks

Das „Augen zu“ machen beim abendlichen Einschlafen fiel meinen drei Kindern schon immer schwer. Auch bereits im frischen Babyalter. Obwohl sie hundemüde waren, schauten sie in der Gegend umher. Nach dem Motto: „Wenn ich jetzt die Augen zu mache, könnte ich ja was verpassen.“ Damit unsere Babies loslassen konnten, um in Ruhe in den Schlaf zu finden, haben wir zwei Tricks angewandt:

1. Das Augenzustreicheln.
Im abgedunkelten Raum, mit dem Baby im Wiegegriff, in einen gemütlichen Sessel setzen. Dann mit vier Fingern der freien Hand immer wieder sanft und langsam vom Haaransatz des Kindes bis zu den Augenbrauen (also quasi senkrecht) streichen. Die Handfläche spendet den Kindsaugen dabei Schatten. Wer möchte, kann dabei auch leise „schhhhh“-Laute von sich geben.

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Vorteil: Sehr wirkungsvoll. Das Kind macht seine Augen automatisch auf „halbmast“ und schläft währenddessen friedlich ein.
Nachteil: Das Augen-zu-streicheln kann mitunter etwas länger dauern und für das zuständige Elternteil mühsam sein. Auch Gewöhnungseffekte können eintreten. Bei unserem ältesten Sohn haben wir diese Technik fast das gesamte erste Lebensjahr anwenden müssen.

2. Der „Augen zu“-Nachahmungseffekt.
Dieser Trick ist mehr oder weniger per Zufall entstanden und er ist ganz einfach: Sitzposition wie beim ersten Punkt einnehmen. Wer das nicht möchte, kann sich auch ans Gitterbettchen setzen. Dann dem Kind das Gesicht zuwenden und die Augen schließen. So als ob man selbst schläft. Dabei ruhig verhalten. Man glaubt es kaum, aber die Kinder schlafen dabei ein. Meine zumindest. Meine These: Das Kind merkt, dass Mama oder Papa zwar da sind, aber dem Kind nur noch passive Aufmerksamkeit schenken. Das scheint für die Kinder dann auch irgendwie langweilig zu sein. Wichtig ist jedoch, dass das Kind die geschlossenen Augen des Elternteils sehen kann.
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Vorteil: Mit wenig Aufwand zum Ziel. Entspannungsmoment bzw. kleines Nickerchen für die Eltern.
Nachteil: Kann mitunter lange dauern, bis das Kind tatsächlich schläft. Auch hier können Gewöhnungseffekte auftreten: „Ohne Mama oder Papa kann ich nicht einschlafen.“

#strategieneinermutter

Das Kinderwagenbett

Ich behaupte: je mehr Kinder man sein Eigen nennt, desto pragmatischer wird man. So auch in Bezug auf die Schlafgewohnheiten von Babies.

Ach was wird einem von den Ratgebern eingetrichtert: immer schön alle Schläfchen im eigenen Bettchen machen. Damit das Kind immer im gleichen Umfeld und zur gleichen Uhrzeit und nach dem gleichen Ritual ins Reich der Träume entlassen wird. Nur so findet es zu „seinem“ Schlafrhythmus.

Beim ersten Kind, habe ich das noch befolgt. Da hatte ich auch noch die Zeit dazu. Ganz ehrlich, beim zweiten Kind habe ich die Sache schon etwas lockerer gesehen. Das Kind sollte dort schlafen, wo wir gerade waren. Im Auto, im Kinderwagen, im Bettchen, in der Bauchtrage … Es blieb ihm gar nichts anderes übrig.

Unsere jüngste Tochter lege ich – ja auch jetzt im Winter – in den Kinderwagen zum Schlafen. Auch wenn wir zu Hause sind. Denn in ihrem Zimmer hat sie – bei Anwesenheit ihrer beiden Brüder – überhaupt keine Chance zur Ruhe zu kommen. Wenn ich merke, dass sie müde ist, packe ich sie warm ein, lege sie in die Karre auf die Terrasse (in mein Blickfeld), gebe ihr ein Milchfläschchen und die Kleine schläft in aller Seelenruhe an der frischen Luft. Und abends geht sie trotzdem bedenkenlos in ihr Bettchen.

Ehrlich gesagt, so ist es mir lieber als alle fünf Minuten zur Beruhigung ins Zimmer zu gehen. Da haben wir nämlich alle nichts von.

#strategieneinermutter