Der Putztag

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie meine Schwestern und ich als Schulkinder von meinen Eltern in die Pflicht genommen wurden im Haushalt mitzuhelfen: Schulbrote selber schmieren, Geschirrspüler abwechselnd ausräumen, Müll rausbringen, Dreckwäsche in die Waschküche bringen, später dann auch Wäsche zusammenlegen, bügeln, Bäder und eigene Zimmer putzen.

Ich fand das damals ziemlich ätzend und ich habe meine Eltern dafür verabscheut. Heute aber, wo ich selbst drei Kinder habe, verstehe ich den Hintergrund: Meine Eltern wollten uns beibringen, später selbst mit all dem klarzukommen. Sie wollten uns zeigen, dass sich die ganze Arbeit nicht von alleine macht. Und vor allem wollten sie uns deutlich machen, dass eine Familie zu sein bedeutet, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt. Alle müssen mit anpacken. Sonst funktioniert das System nicht.

Wie oft bemerke ich bei meinen Kindern – na gut, sie sind noch recht jung – wie selbstverständlich sie immer alles hinnehmen. Die Klamotten sind immer gewaschen, der Tisch immer gedeckt, das Haus (relativ) sauber… Und wenn man sie dann mal bittet, das herumliegende Spielzeug in das zugehörige Zimmer zu bringen, bekommt man nur Gemecker und Getöse als Antwort. Sie verstehen es halt nicht. Ich habe es damals ja auch nicht verstanden.

Trotzdem wollten wir, dass unsere Kinder sich stärker im Haushalt beteiligen. Wir haben ihnen erklärt: „Wir brauchen Eure Hilfe!“ Und helfen tun Kinder nun wirklich gerne. Wir haben den Putztag ins Leben gerufen. „An diesem Tag räumt ihr eigenständig Eure Zimmer auf, saugt den Fußboden und alle zwei Wochen wischt ihr in Eurem Zimmer Staub.“ Da haben die Kinder erst einmal blöd geguckt. Als sie dann aber gesehen haben, dass Mama und Papa auch putzen, haben sie tatkräftig mit angepackt. Sogar die Kleine hat mit Leidenschaft den Staubsauger geschwungen.

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Mittlerweile haben wir die Aufgaben ausgeweitet: Nach jedem Essen räumen die Kinder ihre eigenen Teller in die Spülmaschine, ab und zu helfen sie beim Tisch decken und Spülmaschine ausräumen. Der Große bringt sogar den Müll in die Tonne und hilft ja auch freiwillig gerne beim Kochen (nachzulesen in Kleine Küchenassistenten).

Die Kinder finden ihre Aufgaben zwar genauso ätzend wie ich damals. Aber sie machen es, wenn man sie darum bittet. So wie ich damals auch.

Und hoffentlich verstehen sie dann auch irgendwann einmal unsere Hintergründe, wenn sie mal auf eigenen Beinen stehen oder eigene Kinder haben. Ich habe die Hoffnung, dass sie dann vielleicht ein kleines bisschen Dankbarkeit verspüren. So blöd das klingt, aber im Grunde bin ich heute meinen Eltern auch ein kleines bisschen dankbar für ihre damalige Vehemenz. Danke Mama und Papa, ich habe es jetzt endlich verstanden.

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Kinderschnitzel, schnelle Bratkartoffeln & Gurkenblumen

Diese Mahlzeit lieben meine Kinder. Sie ist relativ schnell gemacht und die Kinder können prima bei der Zubereitung mithelfen. Das Rezept ist für ca. 4 Personen, aber Achtung, bei den Schnitzeln und Bratkartoffeln essen meine Kinder immer mehr als sonst. Also die Mengen vielleicht etwas großzügiger berechnen.

Für die Schnitzel:
2-3 Hähnchenbrustfilets (ich kaufe immer Bio-/Demeter-Qualität,
da schmeckt man einfach den Unterschied)
1-2 Eier
Semmelbrösel
mittelscharfer Senf
Salz, Pfeffer
Paprikapulver
Currypulver (nach Geschmack und Bedarf)
Olivenöl und Butter zum Braten

1. Hähnchenbrustfilets mit kaltem Wasser abwaschen, mit Küchenkrepp trockentupfen und in 4-5 gleichgroße Stücke schneiden.
Die Stücke dünn mit Senf bestreichen, salzen und pfeffern und mit etwas Paprikapulver bestreuen. Eine schöne Würze gibt es auch, wenn man noch etwas Currypulver darüber streut.

2. Das Ei in einem tiefen Teller oder Schüssel zu  Rührei schlagen. In einen weiteren Teller Semmelbrösel streuen.
Mein Tipp: Semmelbrösel kann man auch super selber machen. Dafür alte Brötchen nicht wegschmeißen, sondern an der Luft ein paar Tage trocknen lassen. Dann zu feinen Bröseln reiben. Diese Brösel kann man gut lagern. Und sie schmecken noch einmal viel besser als die Brösel aus der Packung. Aber nun zurück zum Schnitzel.

3. Die Schnitzel zunächst im Ei ein paar Mal wenden, etwas abtropfen lassen und dann in den Semmelbröseln wenden bis die Schnitzel eine rundum schöne Panade haben. Die fertig panierten Schnitzel auf einen weiteren Teller legen und ruhen lassen (dann hält die Panade in der Pfanne besser).

Für die schnellen Bratkartoffeln:
mittelgroße, festkochende Kartoffeln (pro Person ca. 2-3 Stück)
Salz
Olivenöl zum Braten

4. Bratkartoffeln sind wirklich schnell zu machen und köstlich, wenn man sie direkt aus rohen Kartoffeln macht. Dafür die Kartoffeln schälen, in ca. 1 cm große Stücke schneiden, leicht salzen und direkt in einer Pfanne in etwas Olivenöl auf mittlerer Hitze ca. 20 Minuten braten bis sie gar und braun sind.
Eine leckere Kindheitserinnerung: Meine Eltern hobelten die rohen Kartoffeln in dünne Scheiben und brieten sie dann. Das schmeckt köstlich, weil sie auch richtig knusprig werden, ist aber etwas aufwändiger.

Für die Gurkenblumen:
1 Gurke
1 runde, blumenförmige Ausstechform

Die Idee mit den Gurkenblumen ist mir gekommen, als unser Mittlerer eines Tages die Gurkenrohkost ablehnte, weil er die Kerne  „eklig“ fand. Da er sonst nicht viel anderes Gemüse zu sich nimmt, musste eine pragmatische Lösung her. Seitdem isst er wieder Gurke. Und seine Geschwister in der kreativen Form umso lieber.

5. Die Gurke – wenn gewünscht – schälen und in ca. 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Mit der Ausstechform die Gurkenkerne ausstechen und beides auf einen Teller drapieren. Auf dem Foto hilft meine kleinste Küchenassistentin (siehe auch Kleine Küchenassistenten).

Nun müssen noch die Schnitzel gebraten werden:
6. Nach der Hälfte der Garzeit der Kartoffeln in einer weiteren Pfanne Olivenöl und etwas Butter erhitzen. Wenn das Öl heiß und die Butter geschmolzen ist, die Schnitzel hinzufügen und bei mittlerer Hitze ca. 3 Minuten je Seite knusprig-braun braten.
Mein Tipp: Die Schnitzel sind auf einer Seite gar und können gewendet werden, wenn auf der ungebratenen Seite roter Bratensaft austritt.

Alles zusammen servieren und sich schmecken lassen. Zu den Kartoffeln kann man Kräuterquark oder Ketchup reichen, denn die Bratkartoffeln von rohen Kartoffeln schmecken fast wie Pommes.

Begegnung mit dem inneren Schweinehund

Unser Ältester lebt nach dem Motto: „Wenn es anstrengend wird, lass’ ich es einfach.“ Er begibt sich also in Sachen Lernen gerne in eine Komfortzone. Das ist das optimale Gefühl zwischen Anstrengung und Entspannung. Würde ich theoretisch auch so machen. Das Problem ist nur: In der Praxis lässt sich das Prinzip nicht so einfach durchziehen.

In der Schule gibt es für ihn nun Aufgaben, die „ich schon kann“ und Aufgaben, die „sind zu schwer, kann ich nicht.“ Im Komfortzonen-Modus lässt unser Sohn beide Gruppen einfach liegen. Warum? Na, das eine ist „Baby-Eier-leicht“ und das andere „zu kompliziert“. Was nun dazu führt, dass der Berg an nicht gemachten Aufgaben wächst und wächst. Vor allem in Mathe.

Letzte Woche lag er abends im Bett und berichtete mir unter Bauchschmerzen von dem Mathe-Berg. Und dass seine Lehrerin sagt, er sei zu langsam.

Ich habe ihm genau zugehört. Aus seinem Bericht konnte ich lesen, dass der Mathe-Berg mittlerweile so groß geworden ist, dass er keinen Ausweg mehr sah, ihn allein in der Schule zu bewältigen. Das machte ihm Angst. Angst vor dem Berg und Angst vor der Lehrerin. Beides zeigte sich in schrecklichen Bauchschmerzen. Total nachvollziehbar.

Ich fragte ihn: „ Kennst Du den inneren Schweinehund?“ Er bekam große Augen und sagte: „Nein!“ Also habe ich ihm von dem Tier erzählt, das halb Schwein und halb Hund ist und gleichzeitig bellen und grunzen kann. Da musste er schon wieder lachen. Ich erzählte weiter: „Der innere Schweinehund ist wirklich hundsgemein. Er kommt immer dann, wenn man nicht so richtig Lust auf etwas hat. Und erst, wenn man gar keine andere Wahl mehr hat, dann muss man ihn überwinden und die Dinge dann eben doch machen. Auch wenn die Unlust noch so groß ist. Spürst Du auch so einen inneren Schweinehund?“ Er: „Ja: meiner ist gaaanz groß.“ Ich: „Ja. Und zwar so groß, dass er Dir Bauchschmerzen macht. Willst Du den inneren Schweinehund wieder loswerden? Er freudestrahlend: „Ja!“

Und dann haben wir einen Plan entwickelt: Zunächst sollte er zum Wochenende seinen Matheaufgaben-Berg mit nach Hause bringen. Damit ich sehen konnte: Wieviel ist das? Was ist das für Stoff? Ist das wirklich zu schwer für ihn?

Es stellte sich heraus: Der Berg war wirklich riesig. Die Aufgaben waren altersgerecht. Es hatte sich einfach nur unglaublich viel angesammelt. Also haben wir den Berg in drei gleichgroße Teile geteilt und an jedem Tag des Wochenendes ein Drittel des Berges abgearbeitet. Besser: er hat gearbeitet und ich saß daneben. Nur, wenn er nicht weiterwusste, habe ich ihm geholfen. Und man sah: mein Sohn hatte sogar Spaß daran. Er war sogar sehr dankbar und einfach nur erleichtert.

Am Montag ging unser Sohn – nun auf dem gleichen Stand wie seine Mitschüler – freudestrahlend in die Schule. Im Gepäck die ausgefüllten Arbeitsblätter, aber keinen Mathe-Berg mehr. Als ich ihn am Schultor verabschiedete zog er mich zu sich runter und flüsterte mir ins Ohr: „Den Mathe-Berg lasse ich nicht mehr so groß werden. Das habe ich mir fest vorgenommen.“ Ich fragte: „ Und was macht Dein innerer Schweinehund?“ Er: „Och, der ist weg.“ Küsst mich auf den Mund, dreht sich um und stolziert zur Klasse.

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Wir werden sehen.

#strategieneinermutter

Kleine Küchenassistenten

Im Grunde sind Kinder die hilfsbereitesten Menschen. Bittet man sie freundlich um ihre Hilfe oder Mithilfe, reagieren sie eigentlich immer prompt und gerne. Davon könnte sich manch Erwachsener eine Scheibe abschneiden.

Meine Kinder sind besonders hilfsbereit, wenn es ums Kochen geht. Bereits im Kleinstalter habe ich sie daran teilhaben lassen. Sobald sie sitzen konnten – momentan mache ich das mit unserer Kleinen -, habe ich sie auf die Arbeitsplatte in die Küche gesetzt, mich schützend davor gestellt und sie beim Schnippeln zugucken lassen. Ab und zu gibt es was zu probieren. Das lieben die Kinder. Unsere jüngste Tochter liebt die Küchenzeit sogar so sehr, dass sie einen Tobsuchtsanfall bekommt, wenn ich sie von der Ablage wieder herunternehme.

Unsere Jungs sind mittlerweile zu richtigen Kleinköchen herangewachsen. Wenn ich frage: „Wer will mein Küchenassistent sein?“ Oder: „Ich brauche Hilfe von einem guten Pizzabäcker!“ Dann sind sie sofort Feuer und Flamme, schieben ihre TripTrap-Stühle an die Arbeitsfläche in der Küche und können es kaum erwarten, dass es los geht. Anfangs ließ ich sie Kleinigkeiten machen, z. B. Salz und Pfeffer in die Salatsauce streuen, umrühren oder ähnliches. Heute schneiden sie das Gemüse, panieren Schnitzel, halten Mixer, reiben Parmesankäse und und und… Nur am Herd bin ich nach wie vor vorsichtig. Da darf der Große schon mal die Nudeln im kochenden Wasser umrühren. Aber nur unter meiner Aufsicht!
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Das macht nicht nur den Kindern einen Riesenspaß, sondern auch mir. Man schlägt nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe: 1. die Arbeit geht viel schneller, weil man sich in der Zwischenzeit um anderweitige Zubereitungen kümmern kann. Und 2. die Kinder lernen, wie man gutes Essen zubereitet ohne ein Fertiggericht aufzureißen und in die Mikrowelle zu stellen. Für mich ist das sehr wichtig. Ein weiterer guter Nebeneffekt: Die Kinder sind unendlich glücklich und entspannt dabei, weil sie sich ernst genommen und verantwortlich fühlen.

Aber nicht nur meine Kinder helfen gerne in der Küche. Neulich war das Küchenassistentenspiel für mich eine gute Zeitüberbrückungsmaßnahme. Wir hatten nämlich die dreijährige Nachbarstochter bei uns zu Besuch und sie hatte etwas Heimweh nach ihrer Mama. Da habe ich sie einfach mit in die Küche genommen, sie auf die Arbeitsplatte gesetzt und sie gefragt, ob sie mir helfen will, die Kräuterbutter fürs Grillfleisch zuzubereiten. Sie sagte: „Au ja!“ Und dann ging die Zeit, bis ihre Mama sie abholte, dank Kräuterhackens ganz schnell vorbei.

#strategieneinermutter

Die Einschlafregel mit Einschlafhilfe

Uns war es von Anfang an wichtig, dass unsere Kinder ihr eigenes Bett als „ihren Ort des Einschlafens“ begreifen. Ich gebe zu, wir waren mit dieser Einstellung ein wenig beeinflusst von den vielen Ratgeber-Empfehlungen: Kinder haben in ihrem Bett zu schlafen und gehören nicht ins Bett der Eltern. Ganz so drastisch wollten wir es aber dennoch nicht handhaben.

Ich kann mich nämlich noch sehr gut daran erinnern, dass ich selbst als Kind sehr gerne bei meinen Eltern im Bett geschlafen habe. Ich bin zwar jeden Abend in meinem Bett eingeschlafen, die Zimmertür weit geöffnet, mit Licht im Flur und mit dem Wissen, dass meine beiden Schwestern im Zimmer nebenan schliefen. Wenn ich aber nachts wach wurde – und das wurde ich zuverlässigerweise jede Nacht – und ich im Dunkeln lag, bekam ich es mit der Angst. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen, packte meine Bettdecke und schlich zu meinen Eltern mit dem geflüsterten Satz: „Mama, ich kann nicht schlafen.“ Dann machten meine Eltern immer Platz zwischen sich und ich durfte mich in ihre sichere Mitte kuscheln. Diese Wärme, der gleichmäßige Atem und der von ihnen vermittelte Schutz sind mir heute noch sehr präsent und in schöner Erinnerung. War es doch ein Höchstmaß an gespürter Liebe und Nähe meiner Eltern zu mir (was nicht heißen soll, dass mir meine Eltern sonst keine Liebe entgegengebracht hätten). Ich glaube, ich war zehn Jahre alt, als ich das letzte Mal nachts zu meinen Eltern ins Bett gekrochen bin.

Mit dem Wissen um diese eigene Erfahrung, haben wir – nun selbst Eltern – daher folgende Regel aufgestellt: Jedes Kind schläft in seinem Bett ein. Wenn es aber nachts wach wird, darf es immer zu uns ins Bett kommen. Das hat auch schon mal zur Folge, dass wir nachts eingequetscht zu fünft im Ehebett liegen. Und obwohl ich heute die Schützende bin – als Rausfallschutz und nächtlicher Angstnehmer – fühle ich mich als Erwachsene genauso sicher, wie damals als Kind.

Leider klappt das mit dem Einschlafen im eigenen Bett bei uns gar nicht so gut. Das Baby ist momentan zu klein. Sie hat noch keine Angst vor dem nächtlichen allein sein. Sie macht das 1A.
Wenn es aber darum geht, dass ihre größeren Brüder in ihren Betten einschlafen sollen, hören wir täglich: „Kannst Du noch bei mir bleiben, bis ich eingeschlafen bin?“ Dann agieren mein Mann und ich als Einschlafhilfe. Wir kuscheln uns je zu einem Kind ins Bett. Die Tür weit auf, Licht im Flur und wachen über sie, bis sie eingeschlafen sind.

Bei dem 4jährigen ist das eine Sache von original drei Minuten. Der kuschelt sich ein, macht die Augen zu und ist ratzfatz im Land der Träume. Der Große aber übt sich, sobald das Nachttischlämpchen verlischt, in Wachhaltestrategien: da wird sich rumgewälzt, mit den Augen geklimpert, mit den Fingern „Klavier gespielt“, an der Tapete gekratzt, ein Gespräch angefangen und und und … er kriegt dann einfach nicht die Kurve. Und das, obwohl er hundemüde ist. Wir haben vieles versucht, um ihn da raus zu holen: Geschichte auf CD hören. Hat nicht geholfen, weil er nicht dabei einschläft, sondern bis zum Schluss zuhört und dann noch drüber reden möchte. Ruhige, klassische Musik hören. Hat nicht geholfen, weil ihn die Musik so berührt hat, dass er weinen musste. Einen weichen Ball kneten (Tipp, von der Erzieherin aus dem Kindergarten). Hat nicht geholfen, weil er den Ball durchs Bett geworfen hat. Alleine noch ein Buch angucken/lesen. Hat nicht geholfen, weil er davon nicht müde, sondern nur aufgekratzter wurde und sich das Einschlafen noch mehr verzögerte.

Das einzige, was bei ihm einigermaßen gegen das systematische Wachhalten hilft, ist tatsächlich unsere elterliche Einschlafhilfe. Dann zappelt er zwar trotzdem, aber dann halte ich ihn im Arm, lasse ihn gegen das ständige Hände bewegen die langen Schlappohren seines Kuschelhasen festhalten und rede ruhig und leise in Yoga-Sprache auf ihn ein: „Augen zu, lass los, es gibt nichts zu tun, Dein Körper will sich jetzt ausruhen, lass den Schlaf kommen, Augen zu …“

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Es dauert dann zwar zwischen zehn und dreißig Minuten bis er eingeschlafen ist, aber es geht deutlich schneller als zu sagen: „Gute Nacht, träum schön! Wir sind ja da!“ und das Zimmer zu verlassen. Das haben wir natürlich auch immer wieder versucht. Denn auch wir haben nicht immer Lust dazu die Einschlafhilfe zu geben.

Manch einer könnte jetzt sagen: „Sind die Eltern denn verrückt? Man will ja auch noch was vom Abend haben.“ Das stimmt. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Kinder mit uns an ihrer Seite viel schneller einschlafen als ohne Einschlafhilfe. Dann haben wir mehr vom Abend als im Zehn-Minuten-Takt ins Kinderzimmer zu gehen und auf das Kind einzureden.

Ich denke oft an diesen Satz: Alles hat seine Zeit. Das mit dem alleine Einschlafen wird schon irgendwann klappen. Wir bleiben dran. Und sind offen für Vorschläge, wie wir den Wachhaltestrategien unseres Ältesten begegnen können. Und so lange genießen wir die abendliche und nächtliche Kuschelzeit mit unseren Kindern. Denn auch die wird – aus dem eigenen Willen der Kinder heraus – irgendwann vorbei sein.

#strategieneinermutter

Die 2-Minuten-Anzieh-Hilfe

Was habe ich mir schon den Mund fusselig geredet. Und das allein, wenn es ums Anziehen geht: Könnt Ihr Euch bitte anziehen?“ Nichts passiert. „Ich möchte bitte, dass Ihr Euch jetzt anzieht.“ Nichts passiert. „Ich kann Euch auch beim Anziehen helfen.“ Ich knie mich hin, halte ein Klamottenteil in der Hand. Nichts passiert. Man kann sich vorstellen, dass eine noch so geduldige Mutter sich bei solch einer geballten Ignoranz irgendwie verkaspert vorkommt. Also reichts mir. Mir bleiben zwei Möglichkeiten:

1. Komplett ausflippen und mit Sanktionen drohen: „Wer sich jetzt nicht anzieht, bekommt ein nutella-Verbot am Wochenende!“
(siehe Die Nutella-Regel)
In solchen Momenten liegt mir diese Reaktion sehr nah. Doch Druck erzeugt bei unseren Kindern nur Gegendruck. Es folgt die Antwort – vor allem vom Großen: „Das ist Erpressung!“ Und: es passiert nichts.

Also kommt 2. zum Einsatz:
Tief durchatmen, Ruhe bewahren und die Kinder vor eine Entscheidung stellen: „Okay Jungs, Ihr habt jetzt zwei Minuten, in denen ich Euch beim Anziehen helfe. Wenn die zwei Minuten vorbei sind, müsst Ihr Euch alleine weiter anziehen. Die Zeit läuft jetzt.“ Und dann zähle ich laut von 120 rückwärts. 120, 119, 118 … Manchmal passiert erst nichts, als ob sie es so richtig ausreizen wollten. Wenn ich dann aber bei den 50ern angelangt bin, kommen sie plötzlich angelaufen und sind turboschnell dabei. Das Anziehen geht ratzfatz und ohne Gejaule und Gejammer von statten. Den Wettlauf mit der Zeit wollen sie nämlich unbedingt gewinnen. So wie jedes andere Spiel auch.

#strategieneinermutter