Eine Whats App voller Baby-Einschlaftipps

Neulich rief mich meine Schwester (Mutter von einem 3 Monate alten Mädchen) völlig erledigt an: „Die Kleine schläft immer nur so kurz. Und sie lässt sich überhaupt nicht weglegen. Hast Du einen Tipp für mich? Ich komme ja noch nicht einmal zum Duschen, obwohl mir das so wichtig ist.“ Weil die Kleine im Hintergrund schrie, versprach ich: „Ich schreibe Dir eine Whats App“. Meine Einschlaf-Tipp-Liste wurde recht lang:

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Und ich schrieb noch mehr in die nicht mehr so kurze Kurznachricht:

„Oberwichtig: Dein Kind muss sich nach Dir richten! Du kannst ihr nur eine gute Mutter sein, wenn Deine Bedürfnisse nicht zu kurz kommen: die Dusche am Morgen ist Dir heilig? Setz‘ sie in den MaxiCosi und nimm‘ sie mit ins Bad! Du willst frühstücken? Schmier‘ Dir ein Brot und nimm‘ sie dann erst auf den Arm – einarmig essen geht, einarmig schmieren nicht! Wenn sie fünf Minuten weint, weil sie mal eben warten muss, ist das nicht schlimm. Du kannst ihr ja gut zureden.“

Ich schloss meine Nachricht mit:

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Meine Schwester hat einiges davon ausprobiert, nicht immer mit Erfolg. Aber der Satz „Alles nur eine Phase!“ zählt auch hier. Mein Schwesterherz, es ist anstrengend für den Moment, aber es geht vorbei.

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Mittagspause für alle

Neulich am Wochenende ist bei uns zu Hause Folgendes passiert:

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Unfassbar! Mein Mann ist einfach so am Tisch eingeschlafen. Und das nicht nur für zehn Minuten.
Später sagte er zu mir: „Ich konnte nicht mehr!“ Ich kann dieses Gefühl der absoluten Erschöpfung sehr gut nachvollziehen, tue aber meistens nichts dagegen (außer vielleicht abends früher ins Bett zu gehen). Und mein Mann? Na ja, sieht man ja…

Meine Schwester – selbst Mutter von drei Jungs – praktiziert dagegen eine einfache und wirkungsvolle Strategie. Sie heißt Mittagspause für alle. Und das funktioniert so: Wenn ihr Jüngster nach dem Mittagessen zum Schlafen geht, dann legt sie sich auch hin und macht – wenn auch nicht ganz so lange – Mittagsschlaf. Die großen Jungs wissen das und sind derweil in ihren Zimmern, hören CD oder spielen leise.

Damit haben alle eine Lärm-, Tobe- und Ausruhphase. Und meine Schwester kann neue Kraft für die zweite Tageshälfte tanken.

Was banal klingt, ist eigentlich ein tolles System. Denn: Wenn die Kinder aufhören Mittagsschlaf zu machen, neigt man ja dazu, den Tag mit den Kindern „durchzuhalten“. Ich jedenfalls. Aber selbst wenn die Kinder in dieser Zeit nicht schlafen, eine Erholungspause tut auch ihnen gut. Und wenn man das frühzeitig ritualisiert und fest in den Tagesablauf einplant, ist die Pause und damit das Ausruhen für Mama und/oder Papa obligatorisch. Super!

Gestern nachmittag habe ich es ausprobiert. Und es war toll: Die Kleine schlief in ihrem Bett, ich kuschelte mich mit Decke aufs Sofa. Die Jungs haben das Pausen-Angebot dankend angenommen, sich eine CD angemacht und zu mir gekuschelt. Die beiden sind nach einer anstrengenden Woche eben auch einfach platt.

Wir haben uns fest vorgenommen: Bei uns wird es jetzt öfter Mittagspause für alle heißen. Und bei Euch vielleicht auch?! Ich kann es nur empfehlen.

#strategieneinermutter

Zwei Baby-Einschlaf-Tricks

Das „Augen zu“ machen beim abendlichen Einschlafen fiel meinen drei Kindern schon immer schwer. Auch bereits im frischen Babyalter. Obwohl sie hundemüde waren, schauten sie in der Gegend umher. Nach dem Motto: „Wenn ich jetzt die Augen zu mache, könnte ich ja was verpassen.“ Damit unsere Babies loslassen konnten, um in Ruhe in den Schlaf zu finden, haben wir zwei Tricks angewandt:

1. Das Augenzustreicheln.
Im abgedunkelten Raum, mit dem Baby im Wiegegriff, in einen gemütlichen Sessel setzen. Dann mit vier Fingern der freien Hand immer wieder sanft und langsam vom Haaransatz des Kindes bis zu den Augenbrauen (also quasi senkrecht) streichen. Die Handfläche spendet den Kindsaugen dabei Schatten. Wer möchte, kann dabei auch leise „schhhhh“-Laute von sich geben.

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Vorteil: Sehr wirkungsvoll. Das Kind macht seine Augen automatisch auf „halbmast“ und schläft währenddessen friedlich ein.
Nachteil: Das Augen-zu-streicheln kann mitunter etwas länger dauern und für das zuständige Elternteil mühsam sein. Auch Gewöhnungseffekte können eintreten. Bei unserem ältesten Sohn haben wir diese Technik fast das gesamte erste Lebensjahr anwenden müssen.

2. Der „Augen zu“-Nachahmungseffekt.
Dieser Trick ist mehr oder weniger per Zufall entstanden und er ist ganz einfach: Sitzposition wie beim ersten Punkt einnehmen. Wer das nicht möchte, kann sich auch ans Gitterbettchen setzen. Dann dem Kind das Gesicht zuwenden und die Augen schließen. So als ob man selbst schläft. Dabei ruhig verhalten. Man glaubt es kaum, aber die Kinder schlafen dabei ein. Meine zumindest. Meine These: Das Kind merkt, dass Mama oder Papa zwar da sind, aber dem Kind nur noch passive Aufmerksamkeit schenken. Das scheint für die Kinder dann auch irgendwie langweilig zu sein. Wichtig ist jedoch, dass das Kind die geschlossenen Augen des Elternteils sehen kann.
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Vorteil: Mit wenig Aufwand zum Ziel. Entspannungsmoment bzw. kleines Nickerchen für die Eltern.
Nachteil: Kann mitunter lange dauern, bis das Kind tatsächlich schläft. Auch hier können Gewöhnungseffekte auftreten: „Ohne Mama oder Papa kann ich nicht einschlafen.“

#strategieneinermutter

Urlaub erster Teil: Fünf über den Wolken

Wir sind gerade im Urlaub. Das hatten wir Fünf dringend nötig. Die letzten Wochen lagen bei uns allen nur noch die Nerven blank: Vollzeitjob, Elternzeit, Vorschule und Kita sind für uns alle schwere Arbeit. Zeit also, endlich die Sachen zu packen und wegzufahren. Oder besser gesagt: zu fliegen.

Ja genau, wir sind geflogen. Und ich muss sagen, mit ein wenig Organisation im Vorfeld geht das eigentlich ganz gut. Hier die – aus meiner Sicht – 10 wichtigsten Dinge (nicht sortiert!), wenn man mit Kindern möglichst entspannt eine so aufregende Reise antritt:

1. Sitzplätze im Flieger reservieren.
Wenn man mit der rot-weißen Airline fliegt, die nach unserer Hauptstadt benannt ist, kann man kostenlos Sitzplätze für die ganze Familie reservieren. Ich habe gleich nach der Buchung bei der Service-Hotline angerufen und Plätze in der 1. Reihe bekommen. Für eine Familie die besten Plätze: Beinfreiheit, Schlafkörbchen für Babies, Nähe zur Toilette (und dem Cockpit), Flugbegleiter gut ansprechbar, schnelles Ein- und Aussteigen. Bei anderen Fluglinien geht das bestimmt auch.

2. Spielzeug einpacken.
Jedem Kind einen kleinen Rucksack mit flugzeugfreundlichem Spielzeug (keine Kleinteile oder lärmende Utensilien; eher Bücher, Kartenspiel, Schleichtiere) und Kuscheltier packen. Schon zwei Stunden Flug können für ein Kind seeeehr laaaaang werden.

3. Reiseapotheke an Bord haben.
Für die Kinder: Nasenspray gegen Druck auf den Ohren, am Besten vor dem Start und vor der Landung verabreichen. Babies beim Start eine Milchflasche oder Schnuller geben, damit durch das kontinuierliche Schlucken kein Druck entsteht.
Und auch wichtig: Zäpfchen gegen Übelkeit.

4. Proviant einpacken.
Der „Imbiss“ im Flieger ist ja eher ein Knetschbrot mit Krautsalat. Kein Vergnügen für Kinder. Ich schmiere unseren Kindern immer extra-Brote mit dem Aufschnitt, den sie mögen. Außerdem haben wir immernoch ein paar Kekse und Obst im Handgepäck. Kinder dürfen übrigens auch gefüllte Trinkflaschen mit zum Flughafen nehmen. Auch heißes Wasser zur Zubereitung von Babymilch ist bei der Sicherheitskontrolle erlaubt.

5. Jedem seinen Koffer.
Kinder lieben es, wenn sie ihr eigenes Gepäck haben. Und: sie dürfen sich am Geschleppe ruhig beteiligen. Unsere Jungs besitzen beide einen kleinen Kindertrolley, den sie gut hinter sich herziehen können.

6. Auf sperriges Gepäck verzichten.
Einmal hatten wir bei einer Flugreise einen Buggy dabei. Dieser verschwand aber im Flugzeug aus unerklärlichen Gründen und tauchte nie wieder auf. Seitdem verzichten wir im Urlaub auf die Karre. Als die Kleine letztes Jahr gerade mal drei Monate alt war, haben wir sie einfach in die Bauchtrage gepackt. Damit hatten wir dann auch beide Hände frei – je eine für einen Koffer und eine für ein Kind. Mit dieser guten Erfahrung haben wir es dieses Jahr wieder so gemacht. Der Kleinen hat es mit ihren 15 Monaten zwar nicht mehr so gut gefallen, aber für die kurze Zeit auf dem Flughafen, war es völlig ausreichend.
Hierzu folgende Anekdote: der Flieger ist gerade gelandet, da spricht mich die Flugbegleiterin an: „Ihr Kinderwagen wird Ihnen gleich gebracht.“ Ich: „Das ist nett, aber wir haben keinen dabei.“ Die Mutter in der Reihe hinter mir antwortet perplex: „Aber das geht doch gar nicht. Mit so einem kleinen Kind.“ Ich antworte zurück: „Doch das geht. Man muss nur den Mut dazu haben.“ Und es geht wirklich.

7. Bei frühen Flügen: Kinder in Anziehsachen schlafen legen.
Unser Flieger ging morgens um 6 Uhr. Das hieß für uns Eltern: 3 Uhr aufstehen, die Kinder haben wir bis 4 Uhr schlafen lassen. Dennoch für die Kleinen ein Albtraum, mitten in der Nacht geweckt zu werden. Damit das Gejammer und der Stress nicht zu groß werden, die Kinder am Vorabend bereits in ihren Reiseklamotten ins Bett gehen lassen. Dann kann man sie aus dem Bett holen und gleich ins Auto oder Taxi setzen.

8. Mut zum kleinen Mietauto.
Wir sind im Urlaub gerne autark. Deswegen buchen wir uns immer einen Mietwagen. Die großen Modelle sind uns aber zu teuer. Deswegen buchen wir immer einen Kleinwagen und sind jedes Mal aufs Neue überrascht, dass alle fünf Personen inklusive Gepäck (zwei große, zwei kleine Koffer und Handgepäck) und Kindersitze da rein passen. Aber es passt. Dieses Mal haben wir für die Jungs allerdings eine Sitzerhöhung statt Kindersitz, sonst hätten die drei Kinder nicht auf der Rückbank nebeneinander gepasst.

9. Mut zur kleinen Unterkunft.
Wer braucht schon in der Hauptsaison ein überteuertes Riesenappartement? Um Geld zu sparen, haben wir die letzten beiden Urlaube in der kleinen Version verbracht: Die Kinder teilen sich das einzige Schlafzimmer und mein Mann und ich nächtigen auf der Ausziehcouch. Die Kleine schläft ja noch im Babybett. Das heißt, wenn sie es tut und nicht als schwitzendes Knäuel zwischen uns liegt. So wie dieses Jahr.

10. Nach Möglichkeit drei Wochen verreisen.
Nach unserer Erfahrung ist die langfristig erholsamste Form von Urlaub drei statt zwei Wochen lang wegzufahren. In der Regel läuft es bei uns nämlich so: Mein Mann und die Kinder brauchen locker eine Woche, um abschalten zu können und „angekommen“ zu sein. Wir nennen das Akklimatisierung. Die zweite Woche ist dann toll. Alle sind super drauf und entspannt. Wenn wir dann eigentlich schon wieder die Koffer packen müssten, können wir ruhig sagen: zum Glück haben wir noch eine Woche. Es soll nicht dekadent klingen, sondern eine Empfehlung an all diejenigen sein, die es sich beruflich und natürlich auch finanziell leisten können. Drei Wochen Urlaub tuen allen unheimlich gut. Zeit bekommt dann auch für einen selbst eine ganz andere Dimension.

Und hier noch eine Idee für weitere, kompliziertere Anreisen:
Die Reise in Etappen aufteilen.
Letztes Jahr sind wir auf unsere Lieblingsinsel geflogen, die aber nur per Schiff erreichbar ist. Da kleine Kinder ja kein Zeitgefühl haben, haben wir die Anreise zur „Expedition“ ernannt und in Etappen aufgeteilt:
1. Etappe: Mit Auto zum Flughafen
2. Etappe: Mit Flugzeug zur Nachbarinsel
3. Etappe: Mit Taxi zum Hafen
4. Etappe: Mit Schiff auf die Insel
5. Etappe: Mit Mietauto zum Urlaubsdomizil
So hatten die Kinder immer einen Anhaltspunkt, wie lange die Reise noch dauern wird.

Mehr aus dem Urlaub folgt, jetzt erst einmal Füße hoch und abschalten!

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#strategieneinermutter

Gastauftritt: „Vegan“ ist nichts für Kinder !

Vorneweg: Ich bin Oberarzt in einer großen Kinderklinik. Mascha hat mich gebeten, einen Gastbeitrag zu einem Gesundheitsthema zu verfassen, das mir persönlich am Herzen liegt. Auch wenn mir diesbezüglich viele Themen einfallen, fällt mir dies nicht ganz leicht, da Gesundheitsthemen häufig Kontroversen hervorrufen – ganz besonders wenn es um Kindergesundheit geht. Meine Erfahrung ist jedoch, dass es nicht hilfreich ist, diese Themen emotional anzugehen. Ich halte vielmehr einen kritischen Rationalismus für die beste Art, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen – besonders, wenn es die Gesundheit der eigenen Kinder betrifft. In diesem Sinne möchte ich meine persönlichen Erfahrungen aus meinem Klinikalltag weitergeben und meinen Gastauftritt bei „Strategien einer Mutter“ dafür nutzen, neutral und rational zu informieren.

Mit diesem Beitrag möchte ich einem Trend entgegentreten, der sich – zumindest in den Medien – derzeit zunehmend verbreitet: die vegane Ernährung. In meiner Wohngegend gibt es kaum einen Buchladen oder Kiosk mehr, in dem es nicht vor Kochbüchern, Ratgebern und Zeitschriften zum veganen Kochen und Essen nur so wimmelt. Zu diesem Thema besteht aber – meinem Eindruck nach – vor allem viel Unkenntnis darüber, wie gefährlich und nachhaltig schädlich sich eine vegane Ernährung auswirken kann. Denn: Erwachsene und Kinder reagieren sehr unterschiedlich darauf. Daher liegt mir dieses Thema im Zusammenhang mit Kindergesundheit besonders am Herzen.

Es gilt zu unterscheiden: Gegen eine ausgewogene vegetarische Mischkost unter Einbeziehung von Ei- und Milchprodukten ist nicht nur nichts einzuwenden, sondern dies ist sicher eine der Ernährungsformen, die mit Fug und Recht als gesund zu bezeichnen sind. Gefährlich ist jedoch vielmehr eine streng vegane Kost, bei der weder Fisch, Ei- noch Milchprodukte aufgenommen werden. Eine vegane Ernährung ist immer eine Mangelernährung, bei der viele Nahrungsbestandteile in zu geringer Menge aufgenommen werden, so wie beispielsweise essentielle Aminosäuren, bestimmte Mineralstoffe und Spurenelemente und Vitamine. Besonders kritisch ist jedoch die Versorgung mit Vitamin B12. Nach aktuellen Studien haben 90% der Menschen, die sich dauerhaft vegan ernähren, einen Vitamin B12-Mangel.

Fakt ist: In den kinderneurologischen Sprechstunden größerer Kinderkliniken oder als niedergelassene Kinderneurologen sehen wir leider immer öfter folgendes, leider fast schon „klassisches“ Krankheitsbild: ein Kind wird, meist gegen Ende des ersten Lebensjahres, bei uns zur Diagnostik vorgestellt. Es besteht der Verdacht auf eine „Entwicklungsverzögerung“: das Kind erreicht normale Meilensteine der Entwicklung (freies Sitzen, Krabbeln, erste Wörter) nicht.
Befragen wir die Eltern, hören wir typischerweise folgende Vorgeschichte: langes Stillen durch langjährig vegan lebende Mutter (wobei wir Kinderärzte das Stillen grundsätzlich sehr begrüßen und fördern!) und anschließend Einführung einer veganen Beikost für das Kind. In der genauen kinderneurologischen Untersuchung zeigt sich dann meist eine erschreckende globale Entwicklungsstörung, verursacht durch einen schwerwiegenden Vitamin B12-Mangel.

Was viele nicht wissen: Erwachsene haben in ihrer Leber genügend Vitamin B12 gespeichert, um damit etwa 3 Jahre auszukommen. Stellt also ein Erwachsener seine Ernährungsweise auf vegane Kost um, treten erste Symptome eines Vitamin B12-Mangels im Allgemeinen frühestens 3 Jahre später auf.

Ein Vitamin B12-Mangel kann sich bei Erwachsenen auf sehr unterschiedliche Art äußern: Das Spektrum reicht von Blutarmut über Kribbeln in Händen und Füßen bis hin zu einem fortschreitenden Funktionsausfall der peripheren Nerven (z.B. Taubheitsgefühle der Haut) und zu schweren neuropsychiatrischen Beschwerden. Der Verlauf ist dabei aber meist schleichend. Stellen diese Menschen ihre Ernährung wieder um, bilden sich die Symptome meist zurück.

Bei Kindern ist der Verlauf jedoch komplett anders: Kinder sind, wenn sie auf die Welt kommen, für die Entwicklung und Reifung ihres Gehirns von Beginn an auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 angewiesen. Bei strengen Veganerinnen fehlt das Vitamin B12 in der Muttermilch, so dass betroffenen Kindern von Beginn an eines der wichtigsten Vitamine für die Hirnentwicklung fehlt. Das Hauptproblem: diese Entwicklungsstörung ist in diesem Stadium nicht mehr umkehrbar! Das Kind trägt diesen Schaden für den Rest seines Lebens mit sich herum.

Wir Kinderärzte sehen dieses vermeidbare Krankheitsbild leider mit zunehmender Häufigkeit: Während dies früher eine typische Armuts-Erkrankung war, wächst die „Entwicklungsstörung durch alimentären frühkindlichen Vitamin B12-Mangel“ heute typischerweise in den wohlhabenden Vierteln deutscher Großstädte.

Als Erwachsene handeln wir eigenverantwortlich. Wer sich also vegan ernähren möchte, entscheidet dies für sich selbst – und trägt auch selbst die Konsequenzen. Anders bei unseren Kindern. Sie können sich nicht aktiv für (oder eben gegen) eine bestimmte Ernährungsform entscheiden und sind abhängig davon, dass wir Eltern verantwortungsbewusst für sie die richtige Entscheidung treffen. Natürlich wollen wir stets das Beste für unsere Kinder, auch (und vielleicht besonders) diejenigen Eltern, die ihr Kind vegan ernähren möchten.

Mein Appell also: Eine vegane Ernährung ist für Kinder ungeeignet ! Wer sein Kind trotzdem, aus welchen Gründen auch immer, vegan ernähren möchte, sollte unbedingt für eine zusätzliche Zufuhr an künstlichem Vitamin B12 sorgen, und zwar von Geburt an, und die Versorgung mit Vitamin B12 (und natürlich auch allen anderen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen) regelmäßig vom Kinderarzt kontrollieren lassen. Ihr Kind wird es Ihnen danken !

Nachtrag des Autors: Einige Kommentatoren haben Interesse an weiterführender Literatur bekundet. Dazu gibt es eine Fülle an wissenschaftlichen Publikationen, als Beispiele seien genannt:
– Herrmann W, Obeid R (2008): Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin-B12-Mangel. Deutsches Ärzteblatt 2008, 105:680-685
– Koletzko et al. (2013): Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Monatsschrift Kinderheilkunde 2013, 161:237-246
– Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Ernährungskommission: Empfehlungen zur Ernährung gesunder Säuglinge.
http://www.dgkj.de

Anmerkung: Der Autor gibt an, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Insbesondere bestehen keine geschäftlichen oder sonstigen Verbindungen zu Pharmaunternehmen oder Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln.

Gastautor: habilitierter Oberarzt eines großen Kinderkrankenhauses, selbst Vater von drei Kindern
Ich habe ihn um einen Gastartikel gebeten, weil er als Kinderarzt meines Vertrauens immer einen sehr klaren und realistischen Blick auf die Dinge rund um Kindergesundheit hat.

Mehr Informationen über diese Rubrik findet ihr in der Navigationsleiste unter “Gastauftritt”

#strategieneinermutter

„Du bist aber well-equipped!“

Nein, zu mir hat das noch keiner gesagt. Diesen Satz habe ich selbst laut ausgerufen. Und zwar vor lauter Bewunderung. Denn es gibt Menschen in meinem Umfeld (zwei im Speziellen), die in Sachen Baby immer bestens ausgestattet sind. Mit „ausgestattet“ meine ich originelles Equipment, was das Leben mit Baby durchaus praktischer machen soll – ich würde vor allem sagen: professioneller. Ja, das sind für mich richtige Baby-Profis, obwohl – oder vielleicht auch weil – sie ihr erstes Kind haben.

Da gibt es schicke wasserfeste Wickeletuis, Stillschürzen, Schnullerreinigungstücher, Kinderwagen-befestigungsfähige Schnullertäschchen, Milchflaschenthermometer, Milchpulvervordosierboxen, ja ganze Vaporisator-Maschinen werden angeschafft.
Neulich bin ich aus allen Wolken gefallen, als meine Freundin im Café folgendes Equipment auspackte: Breithermobecher, Löffel- und Zwiebackbox.
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Das soll gar nicht abwertend klingen, aber ich frage mich manchmal: Braucht man das? Muss das sein? Und vor allem: Was das alles kostet.

Bei mir geht es eher etwas improvisierter, aber nicht weniger praktisch zu: Ich packe Windeln und Feuchttücher einfach so in meine Handtasche, ich habe meine Brust und mein trinkendes Baby mit einem Spucktuch vor Blicken geschützt, ich fülle Breipulver in eine Plastikdose und rühre bei Bedarf frisch an, ich rolle meinen Breilöffel in ein Stück Küchenrolle, ich spüle sandige Schnuller mit Trinkwasser ab, ich teste am Handgelenk die Temperatur der Flasche, ich dosiere das Milchpulver im Fläschchen selbst vor, ich koche Flaschen und Schnuller im Kochtopf auf dem Herd ab … Ehrlich gesagt, hatte ich noch nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Auch nicht, seitdem ich weiß, dass es sie gibt, diese Dinge.

Während meine Freundinnen ihr Equipment ungemein praktisch finden, kommt mein Pragmatismus eher daher, vorhandene Alltagsgegenstände zu nutzen. Das einzig wirklich Praktische, was wir uns angeschafft haben, war ein Flaschen- und Gläschenwärmer mit Stecker fürs Auto. Der hat sich bei langen Autofahrten wirklich rentiert.

Meine Freundin hat ihre vor Geburt gekaufte Stillschürze übrigens nie benutzt. Sie sagt: „Das Preisschild ist immernoch dran.“ Das hat mich dann doch beruhigt.

#strategieneinermutter

Vier Hände sind mehr als zwei.

Letzte Woche musste mein Mann auf eine viertägige Dienstreise. Da unser Großer momentan Schulferien hat, und ich dem Mittleren – der Gerechtigkeit wegen – ebenfalls Kindergarten-Ferien zugesagt hatte, war mir klar: ich bin vier Tage und Nächte lang mit drei Kindern allein zu Hause. Darauf hatte ich weder Nerv noch Lust.

Ferien heißt für unsere Kinder auch mal wegzufahren. Eine Luftveränderung tut uns allen gut, dachte ich. Und habe uns – ganz mutig und spontan – für zwei Nächte in einem coolen, neuen Hotel an der Nordsee eingebucht. Und ich wäre auch – ganz mutig – allein gefahren, wenn mein Mann nicht gesagt hätte: „Nimm‘ Dir doch jemanden mit. Das macht doch vieles leichter.“ Etwas blauäugig dachte ich: ich schaffe das auch allein. Ich muss ja nichts machen, außer für die Kinder da sein. Aber aus irgendeiner Eingebung heraus, habe ich dann doch meine Schwester gefragt, ob sie nicht mitkommen möchte. Und sie wollte.

Also fuhren wir zu zweit mit den drei Kleinen an die Nordsee. Und ich war von der ersten Sekunde an froh, dass sie dabei war. Mit dem Auto packen fing es schon an. Das Baby müde und um seinen Vormittagsschlaf bettelnd (also knatschend) auf dem Arm, hätte ich das Gepäck gar nicht im Kofferraum verstauen können. Meine Schwester fuhr unsere Familienkutsche souverän, während ich dem Baby die Einschlafmilch verabreichte und die Jungs mit CDs und Nahrung versorgte.

Im Hotel angekommen ging es weiter. Das Gepäck musste aufs Zimmer in den ersten Stock ohne Fahrstuhl. Ohne meine Schwester wäre ich wahrscheinlich fünfzehn Mal (mit Baby auf dem Arm) vom Parkplatz ins Zimmer und zurück gelaufen.

Und so zog sich das durch den ganzen Urlaub: meine Schwester ging mit den Jungs im Restaurant aufs Klo; sie schnitt ihnen die Pizza in Stückchen; sie ging mit ihnen spielen, während ich das Baby im Familienzimmer ins Bett brachte; sie versorgte die Jungs am Frühstücksbuffett; sie schuckelte den Kinderwagen mit dem schlafenden Baby; sie besorgte an der Rezeption einen Wasserkocher; sie half den Kids beim Anziehen; sie spielte mit ihnen am Strand und und und …

Beim Dünenklettern

Kurz: Meine Schwester war mein dritter und vierter Arm, vielleicht auch mein zweiter und dritter, denn einer meiner beiden Arme ist ja zur Zeit ständig vom mamafixierten Baby okkupiert.

Ich muss mir eingestehen, ohne meine Schwester hätte ich diese drei Tage Urlaub nicht geschafft. Zumindest nicht ohne Nervenzusammenbruch. Und ich kann nur jedem empfehlen, sich immer jemanden mitzunehmen. Denn es war auch schon so sehr anstrengend mit den Dreien. Denn im Hotel müssen sie sich einigermaßen benehmen.

Trotzdem hatten wir auch mal Zeit für uns: Als wir die Bande endlich im Bett hatten und das komplett entladene Babyphon mit von der Rezeption geliehenen Batterien wieder in Gang gesetzt war, schlichen wir uns aus dem Zimmer in die Lounge und haben den Abend beim Aperol Spritz ausklingen lassen. Das war wertvolle und schöne Redezeit mit meiner Schwester, die ich viel zu selten sehe und allein um mich habe. Und das ist doch das Schönste daran.

Danke, meine Liebe !

#strategieneinermutter