Rednaxela, Eniluap oder Sanoj

Diese Strategie ist nicht neu in meinem Repertoire-Schatzkästchen, aber auf meinem Weg zu mehr Gelassenheit habe ich sie wieder hervorgeholt. Und will sie hier gerne teilen, weil sie sehr plakativ und für Kinder leicht nachzuvollziehen ist.

Meine Erfahrung ist: Wenn Kinder im Alltag „quer gehen“, gibt es meistens drei Ursachen dafür: Hunger, Müdigkeit oder Langeweile. Sicherlich gibt es noch weitere (z.B. jedwede Art von Stress), die vorherigen sind jedoch – zumindest bei meinen Kindern – die häufigsten.

Wenn ich in solchen „Quergänger“-Situationen vor mich hinsage: „Er hat halt Hunger.“ sagt mein Mann oft: „Das ist aber doch keine Entschuldigung.“ Da hat er recht. Aber es ist zumindest ein Ansatz für eine Erklärung.

Ich kenne das auch von mir selbst: Wenn ich hungrig, müde oder gelangweilt bin, bekomme ich auch schlechte Laune, werde meckerig und nerve bestimmt auch rum. Kurz: Ich bin in solchen Momenten einfach nicht ich selbst. Den Kindern geht es da wahrscheinlich nicht anders.

Ich wollte den Kindern gerne ein Zeichen geben, wenn sie ihre „andere“ Seite ausleben. Kein Unterbinden des Verhaltens, einfach nur ihr Bewusstsein dafür schärfen, wie sie sich in diesen Momenten verhalten. Also habe ich versucht, diesem „dunklen“ Teil der Persönlichkeit einen Namen zu geben.

Das kam so: Eines Abends saßen wir beim Essen und versuchten, unsere Namen rückwärts aufzusagen. Aus Mascha wurde zum Beispiel „Achsam“. Aus Alexander wurde „Rednaxela“, aus Pauline „Eniluap“ und aus Jonas wurde „Sanoj“ (Kinder-Namen von der Autorin geändert ;-)).

Was fällt auf?

Genau: Rückwärts gelesen klingen die meisten Namen holprig, kantig und irgendwie auch ein bisschen „quer“.

Und was als Spaß begann, wurde zu einer einfachen Idee. Wenn wir also wieder eine Quergänger-Situation zu Hause hatten, sagte ich nur: „Da ist ja der Sanoj? Wo hast Du denn den Jonas gelassen?“ Oder „Schick’ jetzt mal die Eniluap weg und hole die Pauline wieder. Die ist doch viel netter.“

Drei Effekte:

  1. Ablenkungs-Manöver.
    Die Quergänger-Situation wird für einen kurzen Moment durchbrochen. Die Kinder werden sanft aus der Situation genommen.
  1. Schärfung des Bewusstseins.
    Die Kinder lernen, dass es ganz normal ist, unterschiedliche Persönlichkeits-Facetten zu haben. Und dass auch die „dunkle“ Seite zum eigenen Charakter und Mensch sein dazugehört. Denn sie ist ganz nah mit dem eigenen Namen verknüpft.
  1. Respektvolles Signal.
    Die Kinder bekommen ein klares Zeichen dafür, dass die andere Seite der Persönlichkeit von uns zwar respektiert, aber nicht unbedingt akzeptiert wird.

Und das alles ohne Vorwürfe, ohne Ansage, ohne Gemecker.

Einmal ging unser Mittlerer nach einer Quergänger-Situation mit „Name rückwärts“-Hinweis zur Haustür, öffnete sie, ging einmal raus, kam wieder rein, schloss die Tür, lief zu mir und rief: „Ich habe den Rednaxela vor die Tür gestellt. Der kommt hier heute nicht mehr rein.“ Und für den Rest des Tages war er sehr friedlich und zufrieden.

Ich bin keine Psychologin, aber vielleicht entlastet es das Kind auch, wenn es weiß, es kann einen Teil des Ichs auch mal aktiv wegschicken.

Mein Tipp: Einfach mal ausprobieren.

Ein Manko hat die Sache leider: Bei Kindern mit Namen Anna oder Otto könnten obige Effekte ausbleiben.

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Puppen-Theater im Auto

Eigentlich sind unsere Kinder ganz gute Mitfahrer im Auto. Dennoch müssen wir längere Strecken schon mal mit Programm überbrücken: Wenn die sechste CD, die dritte Runde „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ oder das zwanzigste Kinderlied unsere Kleinen nicht mehr davon abhält „wann sind wir endlich daaaaaaaa?“ zu grölen.
Dann werde ich zum Puppenspieler. Natürlich nur, wenn ich auf dem Beifahrersitz bin.

Ich lasse mir die Kuscheltiere von den Kids geben und lege los. Die Mittelkonsole ist meine Bühne. Mein Mann meistens das Opfer. Schadenfreude zieht ja auch schon bei den Kleinsten. Und ich finde, im Theaterspiel ist sie auch erlaubt: Wenn ich beispielsweise „Mah“ – das Schaf unserer Tochter – nehme, mich heimlich an das Ohr vom Papa schleiche und dann plötzlich anfange ihn zu kitzeln, dann gickelt und gackelt es nur so auf der Rückbank. Vor allem, weil mein Mann mitspielt und ganz „überrascht“ tut: „Ahhhh, Hilfe, was kitzelt mich denn da?“

puppentheater

Auch gut: Die Tiere hüpfen oder Saltos machen lassen. Mit ein bisschen Übung sieht das mit Kuscheltieren verdammt echt aus. Manchmal landen sie auch vor der Windschutzscheibe oder stoßen mit dem Kopf an die Autodecke. Das finden die Kinder super. Jedes Tier muss natürlich mal drankommen. Die Tiere unterhalten sich auch, erzählen den Kindern Geschichten oder spielen Verstecken hinter meiner Nackenstütze.

Beim Puppentheater im Auto ist alles möglich. So lange ich ordnungsgemäß angeschnallt bleibe und mein Mann sich weiter auf die Straße konzentrieren kann. Auch wenn man sich ein bisschen was überlegen muss, Zeit überbrückt das Puppentheater sehr effektiv.

Und wenn ich keine Lust mehr habe den Puppenspieler zu geben? Dann sind die Tiere plötzlich gaaaaanz müde. Und wollen dringend wieder in den Arm des jeweiligen Kindes. Die kümmern sich dann meistens ganz süß um ihre Schützlinge. Da meckert garantiert keiner mehr !

#strategieneinermutter

Durch Ablenkung ans Ziel

Meine Jungs laufen nicht gerne längere Strecken. Kürzere eigentlich auch nicht. Immer gibt es nach ein paar Metern Gequengel und Gejammer: „Ich kann einfach nicht mehr laufen.“ Oder: „Ich bin zu schwach.“ Oder: „Kannst Du mich tragen?“

Das ist auf dem Weg zur Schule so, auf dem Weg zum Kindergarten, auf dem Weg zur Klavierlehrerin. Eigentlich immer.

Am Anfang hat mich das unheimlich genervt. Und ich habe zu den Kindern so etwas gesagt wie: „Jetzt kommt, es ist nicht mehr weit. Ihr schafft das schon.“ Zur Motivation hat das rein gar nichts beigetragen. Und der Weg war weiterhin nervig und anstrengend. Und vor allem: wir wurden immer langsamer.

Dann ist mir etwas eingefallen, was mein Vater mit uns als Kindern gemacht hat: Er hat uns abgelenkt: Und das mache ich jetzt auch. Indem ich den Kindern Fragen stelle: „Was hast Du heute in der Schule gemacht?“ Oder: „Was willst Du heute nachmittag spielen?“ Oder etwas zum Nachdenken: „Wieviel ist drei plus fünf?“ Oder etwas aus der nächsten Umgebung: „Warum ist die Pfütze weg, die gestern noch hier war?“
Oder ich erzähle ihnen eine Geschichte (auch gut bei langen Autofahrten): „Habe ich Euch schon einmal die Geschichte von den Schlümpfen erzählt, als sie auf große Abenteuerwanderschaft gegangen sind?“
Oder wir spielen ein Spiel: „Wer es schafft, nicht auf die Ritzen zwischen den Pflastersteinen zu treten, hat gewonnen.“
Oder ich texte sie einfach voll: „Wisst Ihr, was mir heute passiert ist? Also, da ist doch dieser Hund auf mich zugerannt gekommen und …“

Wenn die Kinder erst einmal abgelenkt sind – vom eigentlichen Weg und der Strecke, die ihre kleinen Beinen laufen müssen -, dann geht der Weg wie von selbst. Und die Kinder sind guter Dinge. Und: sie laufen normales Tempo.

Wenn wir dann am Ziel sind, sage ich gerne mal: „Guckt mal, Ihr habt es ja doch geschafft. Toll habt Ihr das gemacht. Ihr seid den ganzen Weg ganz allein gelaufen.“ Und dann sind sie immer gaaaanz stolz. Und zwar auf sich selbst.

#strategieneinermutter