Ist das noch normal?

Ich habe weder während meiner drei Schwangerschaften, noch in den Zeiten danach, viele Ratgeber oder „Mutter-Kind“-Bücher gelesen. Eigentlich habe ich von Anfang an versucht, auf mein Bauchgefühl zu hören. Und ich glaube, bislang hat das ganz gut funktioniert. Viele Ratgeber machen einen ja auch mehr verrückt und fördern die Verunsicherung, als das sie wirklich förderlich für das gute Gefühl der Mutter wären.

Nichtsdestotrotz gab und gibt es oft Momente in der Entwicklung meiner Kinder, wo ich mich gefragt habe und auch immer noch frage: „Ist das noch normal?“

Beispielsweise: Warum schreit das Baby immer abends zur gleichen Zeit? Wann hört das Mundeln auf? Wie lassen sich diese unglaublich intensiven Wutausbrüche unseres 4jährigen erklären? Warum sind Mädchen schneller trocken als Jungs? Was füttere ich meinem Kind ab welchem Lebensmonat? Ab wann dürfen Milchzähne ausfallen? ….

Immer, wenn mich solch eine Frage quält, schaue ich in einem sehr guten Buch nach. Es heißt „Babyjahre“ und ist von Remo H. Largo – einem Kinderarzt aus der Schweiz – geschrieben (erschienen im Piper-Verlag).

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Das Schöne an diesem Buch:
Es beschreibt den normalen Entwicklungsverlauf eines Kindes von seiner Geburt an bis zum vierten Lebensjahr. Und zwar thematisch kategorisiert: Beziehungsverhalten, Schreiverhalten, Schlafverhalten, Spielverhalten, Essen und Trinken, Motorik, Sprachentwicklung, Wachstum und Trocken und sauber werden.
Und: Es ist kein Erziehungsratgeber, das mir vorgibt, wie ich mit meinem Kind umzugehen habe, sondern vielmehr ein Nachschlagewerk, das mir das Verhalten meines Kindes erklärt bzw. mir aufzeigt, in welcher Spanne die Entwicklung meiner Kinder normal verläuft – oder eben nicht. Ganz wert- und vorurteilsfrei.

Ich bin mittlerweile so ein Freund von diesem Buch geworden, dass ich es zum Standardgeschenk für erstgebärende Freundinnen und Familienmitglieder gemacht habe. Es schenken ja sowieso alle immer nur dem Kind was. Neben fünf Spieluhren freuen sich die Eltern dann vielleicht auch mal über ein Geschenk für sie selbst.

20140618-214709-78429110.jpgMit dem gleichen Hintergedanken verschenkte ich neulich an meine frisch entbundene Schwägerin mein Lieblingsfamilienerk. Sie freute sich sehr darüber und sagte: „Ich liebe dieses Buch, aber leider haben wir das schon geschenkt bekommen.“ Ich entsetzt: „Von wem?“ Sie: „Von deinem anderen Schwager und seiner Frau. Die fanden Euer Buch auch so hilfreich, dass sie es uns auch geschenkt haben.“ Mit denen muss ich wohl noch ein Hühnchen rupfen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Auch wenn ich mir jetzt für meine liebe Schwägerin und ihren Mann ein neues Geschenk überlegen muss, sie besitzt dieses Buch. Das ist die Hauptsache. Denn mein abschließendes Urteil: Der Wälzer gehört in jedes Bücherregal – zumindest in das von jungen Familien. Wenn ihr es nicht schon besitzt, schaut in der Buchhandlung doch mal rein.

#strategieneinermutter

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„Ihr Großen habt keine Tränen mehr!“

Seit einigen Tagen schon, geht mir etwas nicht aus dem Kopf. Dazu folgender Hintergrund: Neulich las ich in dem Blog von Rike Drust „Muttergefühle. Gesamtausgabe“ von einer verzweifelten Mutter, die von ihrer 3jährigen Tochter gehauen, gebissen und an den Haaren gezogen wird. Gerne wohl auch in aller Öffentlichkeit. Die Mutter schilderte ihre Ratlosigkeit und dass sie den Tränen nah sei, wenn ihre Tochter das tue. Sie bat das Plenum um helfende Ratschläge.

Zwei Dinge fielen mir unter den Kommentaren auf:
1. Die meisten Tipps liefen darauf hinaus, die Machtstellung der Eltern klar zu machen: ins Zimmer sperren, das Kind ignorieren bzw. stehen lassen, ja sogar zurückhauen, -kratzen, -beißen, -an den Haaren ziehen.

2. Nur Wenige rieten der Mutter, sich auf Augenhöhe mit dem Kind zu begeben und es nach der Ursache für sein Handeln zu fragen bzw. ihm aus der Wut und dem Machtkampf herauszuhelfen.

Die Tipps der zweiten Kategorie befürworte ich. Dennoch frage ich mich, ob es nicht manchmal auch hilfreich sein kann, das Verhalten des Kindes zu ändern, indem man ihm zeigt, wie enttäuscht und traurig man von seinem Verhalten ist.

Als Fundierung dieser These zwei Geschichten, die ich am eigenen Leib erfahren habe:

Die Erste: Als ich vierzehn Jahre alt war und meine Pubertät mich zu einer frechen, zickigen Lügnerin machte, gaukelte ich – nach vielen anderen unerlaubten Vergehen – meinen Eltern vor, ich würde bei einer Freundin übernachten. Das tat ich auch. Das kleine Detail mit der Party im Nachbarort, die wir besuchen würden, habe ich natürlich ausgelassen. Aber irgendwie kommt ja immer alles raus. Mitten auf der Party klingelt es plötzlich und mein Vater steht vor der Tür. Er sagt nichts, schaut mir nur in die Augen. Ich gehe mit. Im Auto sagt er kein Wort. Zu Hause sagt er kein Wort. Er bringt mich ins Wohnzimmer, wo meine Mutter bereits am Esstisch wartet und bedeutet mir, Platz zu nehmen. Er sagt immernoch kein Wort. Er setzt sich selbst an einen Platz und schaut mich an. Sagt nichts, schaut nur. Und dann sehe ich plötzlich, wie Tränen über seine Wangen laufen. Mein Vater weinte vor meinen Augen. Und da war mir sofort klar – ohne Worte, ohne Machtdemonstration, ohne Wegsperren, ohne Gewalt – ich bin zu weit gegangen. Und meine Eltern waren so enttäuscht von mir, sie waren einfach nur noch ratlos. Ungelogen: Seit diesem Moment habe ich keinen pubertären Mist mehr gemacht. Und als ich ihr Vertrauen wieder gewonnen hatte (ich gebe zu, das hat seine Zeit gedauert), durfte ich auch auf die Parties meiner Freunde gehen.

Die Zweite: Als unser Ältester circa vier Jahre alt war – sein Bruder also zwei – hat er mich mal schier zur Weißglut getrieben. Dabei ging es um so etwas Banales wie Schlafanzug anziehen. Er hat einfach nicht gehört, ist durchs Zimmer getobt, ist auf mich drauf gesprungen … er war einfach superätzend drauf. In dem Moment hätte ich echt ausflippen können. Aber – und das habe ich, glaube ich, schon einmal geschrieben – Druck erzeugt bei meinen Kindern ganz oft Gegendruck. Soll heißen: sie werden noch schlimmer. Da kommt man mit Machtgehabe nicht weiter. Außerdem war ich an diesem Tag so müde, ich konnte einfach nicht mehr. Also bin ich mitten im Zimmer – ohne jeden strategischen Hintergedanken – kraftlos auf die Knie gefallen. Und habe gesagt: „Ich kann nicht mehr. Wenn Du so weiter machst, macht mich das so traurig, dass ich weinen muss.“ Und da antwortet mein vierjähriger Sohn verwundert: „Aber Mama, Du kannst doch gar nicht weinen. Ihr Großen habt doch gar keine Tränen mehr!“ Und da fiel mir auf, dass meine Kinder wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben einen weinenden Erwachsenen gesehen haben. Das ging mir so nah, dass es das Fass zum überlaufen brachte. Also saß ich weinend und niedergesunken im Zimmer meines Sohnes und was passierte? Mein Sohn wurde plötzlich ruhig, kam zu mir, setzte sich auf meinen Schoß und streichelte meine Wange. Er sagte nichts, sondern tröstete mich einfach. Das Schlafanzuganziehen und ins Bett bringen, ging danach wie von selbst. Ohne, dass wir noch einmal über sein Verhalten reden mussten.

Was ich damit sagen will: Ich glaube schon daran, dass man Kindern Regeln und Grenzen setzen muss. Und das konsequent. Aber bitte nicht über den Machthebel. Eltern müssen nicht immer die Stärkeren sein, die Gewinner über diese kleinen Wesen. Denn damit wird das elterliche Verhalten für das Kind nur salonfähig gemacht. Dazu fällt mir dieser Spruch ein: „Was Du willst, das man Dir tu, das füge keinem anderen zu.“ Wem dieser Wert wichtig ist, sollte ihn seinen Kindern auch vorleben.

Um den Kreis wieder zu schließen: Vielleicht hätte es der ratsuchenden Mutter geholfen, wenn sie den Mut gehabt hätte, in der Öffentlichkeit und – vor den Augen der gewalttätigen Tochter – die Tränen laufen zu lassen, die ja sowieso schon da waren. Nicht, um Schwäche zu zeigen oder Überforderung, sondern ihrer Trauer und Enttäuschung Ausdruck zu verleihen. Einen Versuch wäre es jedenfalls wert.

#strategieneinermutter

Gegen die kulinarische Frustration

Würstchen mit Bratkartoffeln, Fisch mit Kartoffelbrei, Nudeln mit Gehacktessoße, Reis mit Klopsen … Das alles seit sechs Jahren immer wieder kochen und essen zu müssen hängt mir so zum Hals raus. Ich kann es anders gar nicht sagen:
Ich bin kulinarisch frustriert!
Kinderessen ist ja schön und gut. Weil man weiß, man macht den Kleinen damit eine Freude. Und man hat die Sicherheit, dass sie sich zufrieden und satt essen. Aber man selbst bleibt dabei echt auf der Strecke – was die Gaumenfreuden angeht.

Ach, wie sehne ich mich nach den alten Zeiten, in denen ich als Hobbyköchin Leckereien wie Schweinefilet mit Kräuterkruste, Involtini, Bandnudeln mit Waldpilzen oder Lammragout zubereitet habe. Auch wenn meine Kinder all diese Köstlichkeiten ablehnen (sie probieren nicht einmal), hat mein ältester Sohn sogar mal zu mir gesagt: „Mama, Du hättest besser Koch werden sollen.“ Er lobte zwar damit „nur“ meine Nudeln mit Butter, aber es war doch ein schönes Kompliment.

So gerne ich wieder öfter „gehobenere“ Küche machen würde, ich komme ja gar nicht mehr dazu. Oder besser gesagt: ich habe momentan weder die Zeit, noch die Kraft und Muße, mich abends nochmal in die Küche zu stellen.

Zwei kleine Lichtblicke haben mir jedoch neulich meine besten Freundinnen verschafft. Und das unabhängig voneinander: Während mein Mann den Babysitter machte, lud mich die eine Freundin zum gemeinsamen kochen zu sich nach Hause ein. Wir machten gebackene Forellen mit Salat. Und danach sind wir pappsatt auf ihr Sofa geplumpst und haben den Abend gemütlich ausklingen lassen.
Die andere Freundin war letztens für ein paar Tage zu Besuch (wir sehen uns circa zweimal im Jahr). Als ich ihr mein Leid klagte, sagte sie so etwas wie: „Ich wollte Dich eh am Samstag ausführen und zum Essen einladen.“ Und ich war ihr so dankbar. Also reservierte sie uns einen Tisch in einem kleinen, aber feinen Tapas-Restaurant und wir hatten es richtig schön. Wir saßen bei Wein und saftiger Entenbrust auf Avocadocréme, feurig gewürzten Garnelen, interessant gewürztem Oktopus, knusprig gegrillten Sardinen und und und … und quatschten und lachten und waren am Ende vollgegessen und die letzten Gäste.

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Diese Abende haben nicht nur meiner kulinarischen Frustration entgegengewirkt, sondern waren für mich die vollkommensten Abende seit Langem. So unbedarft und schwerelos wie es früher mit uns Mädels war. Ich hatte vergessen, wie sehr mir das fehlt. Drum leide ich jetzt unter einem weiteren Syndrom: Soziale Dekompensation. Die werde ich als nächstes verschärft therapieren.

#strategieneinermutter

Vier Hände sind mehr als zwei.

Letzte Woche musste mein Mann auf eine viertägige Dienstreise. Da unser Großer momentan Schulferien hat, und ich dem Mittleren – der Gerechtigkeit wegen – ebenfalls Kindergarten-Ferien zugesagt hatte, war mir klar: ich bin vier Tage und Nächte lang mit drei Kindern allein zu Hause. Darauf hatte ich weder Nerv noch Lust.

Ferien heißt für unsere Kinder auch mal wegzufahren. Eine Luftveränderung tut uns allen gut, dachte ich. Und habe uns – ganz mutig und spontan – für zwei Nächte in einem coolen, neuen Hotel an der Nordsee eingebucht. Und ich wäre auch – ganz mutig – allein gefahren, wenn mein Mann nicht gesagt hätte: „Nimm‘ Dir doch jemanden mit. Das macht doch vieles leichter.“ Etwas blauäugig dachte ich: ich schaffe das auch allein. Ich muss ja nichts machen, außer für die Kinder da sein. Aber aus irgendeiner Eingebung heraus, habe ich dann doch meine Schwester gefragt, ob sie nicht mitkommen möchte. Und sie wollte.

Also fuhren wir zu zweit mit den drei Kleinen an die Nordsee. Und ich war von der ersten Sekunde an froh, dass sie dabei war. Mit dem Auto packen fing es schon an. Das Baby müde und um seinen Vormittagsschlaf bettelnd (also knatschend) auf dem Arm, hätte ich das Gepäck gar nicht im Kofferraum verstauen können. Meine Schwester fuhr unsere Familienkutsche souverän, während ich dem Baby die Einschlafmilch verabreichte und die Jungs mit CDs und Nahrung versorgte.

Im Hotel angekommen ging es weiter. Das Gepäck musste aufs Zimmer in den ersten Stock ohne Fahrstuhl. Ohne meine Schwester wäre ich wahrscheinlich fünfzehn Mal (mit Baby auf dem Arm) vom Parkplatz ins Zimmer und zurück gelaufen.

Und so zog sich das durch den ganzen Urlaub: meine Schwester ging mit den Jungs im Restaurant aufs Klo; sie schnitt ihnen die Pizza in Stückchen; sie ging mit ihnen spielen, während ich das Baby im Familienzimmer ins Bett brachte; sie versorgte die Jungs am Frühstücksbuffett; sie schuckelte den Kinderwagen mit dem schlafenden Baby; sie besorgte an der Rezeption einen Wasserkocher; sie half den Kids beim Anziehen; sie spielte mit ihnen am Strand und und und …

Beim Dünenklettern

Kurz: Meine Schwester war mein dritter und vierter Arm, vielleicht auch mein zweiter und dritter, denn einer meiner beiden Arme ist ja zur Zeit ständig vom mamafixierten Baby okkupiert.

Ich muss mir eingestehen, ohne meine Schwester hätte ich diese drei Tage Urlaub nicht geschafft. Zumindest nicht ohne Nervenzusammenbruch. Und ich kann nur jedem empfehlen, sich immer jemanden mitzunehmen. Denn es war auch schon so sehr anstrengend mit den Dreien. Denn im Hotel müssen sie sich einigermaßen benehmen.

Trotzdem hatten wir auch mal Zeit für uns: Als wir die Bande endlich im Bett hatten und das komplett entladene Babyphon mit von der Rezeption geliehenen Batterien wieder in Gang gesetzt war, schlichen wir uns aus dem Zimmer in die Lounge und haben den Abend beim Aperol Spritz ausklingen lassen. Das war wertvolle und schöne Redezeit mit meiner Schwester, die ich viel zu selten sehe und allein um mich habe. Und das ist doch das Schönste daran.

Danke, meine Liebe !

#strategieneinermutter

An Gammel-Tagen wie diesen

Am Wochenende war ich allein zu Hause. Mit drei kleinen Kindern. Mein Mann durfte mit seinen Kumpels auf Abenteuertour (Übernachtung im „Lavo“ am Lagerfeuer und auf Rentierfellen). Zum Ausgleich werde ich im September beim Yoga-Wochenende mit meiner Freundin ausspannen. Aber zurück zum Thema: Ich war allein zu Hause. Mit drei kleinen Kindern !

Um mir den Tag möglichst entspannt zu gestalten, ernannte ich den Samstag zum offiziellen Gammel-Tag. Und das ging ungefähr so: Erstmal kamen alle Kinder im Schlafanzug inklusive einer Tasse Kaffee für mich und ausreichend Spielzeug fürs Baby ins elterliche Bett und ich habe Bücher vorgelesen bis ich einen Knoten in der Zunge hatte. Am späten Vormittag gab es Frühstück. Natürlich im Schlafanzug. Dann haben wir eine riesige Lego-Landschaft aufgebaut. Thema dieses Mal: „Mama, lass uns einen Zoo bauen, wo man mit dem Zug durchfahren kann.“ Gesagt, getan. Die Kinder immernoch im Schlafanzug, ich mittlerweile im gemütlichen Hausanzug und nach einer Dusche. Die ist mir heilig ! Fast schon am Nachmittag haben wir zu Mittag gegessen. Und dann, welch Wunder, die Kinder wollten in den Garten. Weil das Wetter so schön mild war, waren wir dann noch fast zwei Stunden draußen. Das Baby machte zufrieden sein Schläfchen in der Karre. Und ich hatte genug Zeit, mit den Jungs zu spielen: sie übten sich im Speer werfen, ich sollte die Zielplanke nach jeder Runde ein Stück weiter nach hinten rücken. Keine sehr anspruchsvolle Aufgabe für mich, aber irgendwie passend zum Gammel-Tag. Abends nochmal essen – wieder im Schlafanzug – und dann haben wir uns ein Räuberlager im elterlichen Bett gebaut. Heißt: die Jungs durften bei mir im Bett schlafen.

Und am Sonntag? Da fing der Tag ähnlich an. Nur, dass ich den ganzen Vormittag gar nicht gebraucht wurde. Die Großen waren ganz toll mit sich beschäftigt. Dieses Mal waren sie Postboten und haben ganz viele Briefe geschrieben und gemalt und verteilt. Und ich habe mit dem Baby wieder rumgegammelt.

Kurz: Am Gammel-Tag ist alles entspannt. Am Gammel-Tag gibt es keine Zeitvorgaben. Am Gammel-Tag dürfen die Kinder entscheiden. Am Gammel-Tag bleibt der Haushalt liegen. Am Gammel-Tag gibt es keine Diskussionen. Am Gammel-Tag ist alles egal.
Und aufgeräumt wird morgen.

#strategieneinermutter

Briefe vom Weihnachtsmann

Es war zur Weihnachtszeit vor zwei Jahren, als unsere beiden Jungs ein Etagenbett geschenkt bekommen sollten. Wir haben ein Schönes ausgesucht und es zu uns nach Hause liefern lassen. Dummerweise kam die Lieferung just an dem Tag, wo beide Kinder verhustet und verschnupft zu Hause bleiben mussten. Und noch unvorteilhafter war, dass der Bettenhersteller ein schönes Foto vom Bett außen auf das Paket geklebt hatte. Die Kinder also: „Juchhuhh, wir kriegen ein Hochbett !“ Und ich: „Nein, das ist bestimmt für die Nachbarn.“

Wir haben das Paket dann heimlich weggeräumt. Aus den Augen aus dem Sinn. Dennoch wollten wir sicher gehen, dass unsere Kinder unbedingt weiter an den Weihnachtsmann glauben. Und nicht an im Internet surfende Eltern, die in den verschiedensten Portalen auf „Bestellen“ klicken.

Also hat mein Mann – inspiriert von J.R.R. Tolkiens „Briefe vom Weihnachtsmann“ (übrigens sehr lesenswert, auch für Kinder ab ca. 6 Jahre) – sich abends hingesetzt und den Kindern ein Brief vom Weihnachtsmann geschrieben. In diesem erklärte er, dass das Bett so schwer war, dass er es mit dem Schlitten nicht transportieren konnte und es daher mit der Post vorgeschickt hat. Außerdem – das Päckchen war leicht lädiert – sei der Polarbär mit dem Paket ausgerutscht und hingeschlagen, so dass jetzt ein Loch im Karton sei. Dafür möchte er sich auch noch einmal von Herzen entschuldigen und und und … Dieser Brief lag dann unter dem Weihnachtsbaum. Die Kinder fanden es super. Und haben dem Weihnachtsmann die Geschichte natürlich geglaubt.

Letztes Jahr zur Adventszeit berichtete mir eine sehr gute Freundin, dass ihre Tochter (6 Jahre) sich einen Kaufmannsladen wünscht, weil sie bei ihrer Freundin mit einem ebensolchen gern gespielt hat. Die Eltern waren nicht sehr erfreut darüber, weil sie das Mädchen für zu groß hielten. Mit Sorge sahen die beiden ein enttäuschtes Gesicht unterm Weihnachtsbaum. Also sagte ich: „Schreib ihr doch einen Brief vom Weihnachtsmann und erkläre ihr, warum sie keinen Kaufmannsladen bekommt.“ Diesen Vorschlag setzte meine Freundin um. Die Eltern waren erleichtert. Und der Kaufmannsladen? Der war wegen der anderen schönen Geschenke sowieso gar kein Thema mehr.

Warum ich das jetzt schreibe, wo der Frühling doch fast vor der Tür steht? Na ja, vielleicht muss der Osterhase ja auch mal einen Brief schreiben. Und der kommt ja bald.

#strategieneinermutter

Die Baby-Warn-Anlage

Mit ihren neuneinhalb Monaten wird unsere Tochter immer mehr zum Gefahrensucher: Sie zieht sich überall hoch, erklimmt Treppen (wir können zwei Stück leider nicht mit Gittern sichern), Sitzkissen, Sofaecken etc. Und sie stopft alles in sich rein, was nicht niet- und nagelfest ist. Neulich habe ich ihr sogar schon eine Trottel aus dem Mund gefischt, die wohl von meinem Halstuch abgefallen war.
Also schleppe ich das Kind aus Sicherheitsgründen immer mit mir herum, wenn ich die Räumlichkeiten wechseln muss. Obwohl unsere Tochter schlanke 8,5 kg auf die Waage bringt, ist – glaube ich – mein linker Oberarm mittlerweile doppelt so dick wie der rechte. Zumindest gefühlt.

Da ich wenigstens für kurze Momente mal ohne Baby aus dem Raum gehen möchte, habe ich bei uns zu Hause eine Baby-Warn-Anlage eingerichtet. Die funktioniert prächtig. Und zwar so: Ich bringe das Baby zu meinen Jungs ins Zimmer, räume alle Babymund gerechten Kleinteile in unerreichbare Höhen, versorge sie mit Baby-Spielzeug und sage dann zu den großen Brüdern: „Jungs, ich muss kurz Wäsche aufhängen. Passt Ihr bitte auf die Kleine auf? Und wenn sie sich in Gefahr begibt, dann macht Ihr bitte die Alarmanlage.“ Es kommt: „Ja, Mama!“ Die beiden lieben zum Glück ihre Schwester, so dass sie gerne auf sie aufpassen. Und sie sind sehr gewissenhaft und vor allem schnell in der Reaktion. Kurz darauf höre ich einen zweistimmigen, durchdringenden Kindergesang: „Niuniuniuniuniuniuniuniu“, eben wie eine Alarmanlage. Ich sprinte zu den Jungs und tatsächlich, das Baby hat sich am Regal hochgezogen und kommt aus der Situation irgendwie nicht mehr raus. Sie sieht auch so aus, als ob sie die Kräfte gleich verlassen. Dahinter kniet ein besorgter 6-jähriger und versucht, sie festzuhalten. Ich nehme die Kleine schnell hoch.

Das hat super geklappt. Gut gemacht, Jungs!

#strategieneinermutter