Windel ade !

Für den diesjährigen Sommerurlaub hatten wir uns fest vorgenommen: Die Windel unserer Jüngsten soll weg. Bei unseren damals zweieinhalbjährigen Jungs haben wir das jeweils auch im Urlaub erfolgreich umgesetzt. Diese Vorgehensweise hat sich also bei uns bewährt. Aus folgenden Gründen:

  1. Die Kinder können ganztägig nackig herum laufen und daher ein besseres Gefühl für ihre „Bedürfnisse“ entwickeln.
  2. Man hat als Eltern selbst genug Ruhe und Zeit, sich darum zu kümmern.

Und genau deshalb wollten wir es bei unserer Tochter auch wieder so machen. Aber, wie Kinder nun mal so sind: kein Interesse. Und das, obwohl sie in letzter Zeit zu Hause öfter auf Toilette wollte – leider ohne Erfolg.

Zur Motivation ist der Toilettengang bei uns mit einem kleinen Belohnungssystem verknüpft: Für Pipi machen auf Toilette gibt es ein Gummibärchen. Für das große Geschäft sogar zwei. Zur Verdeutlichung füllen wir die Gummibärchen in ein Glas und stellen sie ins Bad. Sichtbar, aber außer Kinderreichweite. Über die pädagogische Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme lässt sich an dieser Stelle sicherlich streiten, bei meinen Jungs hat es aber 1A funktioniert. Warum also bei der Kleinen nicht?

Aber sie blieb dabei: kein Interesse. Wir sind locker geblieben. Sie ist ja auch noch jung. Also haben wir die Sache nicht weiter verfolgt und die Gummibärchen aufgegessen.

Vor genau einer Woche – wieder zu Hause – steht die Kleine plötzlich vor mir und sagt: „Mama, is muss Pipi!“ Ich frage: „Willst Du Pipi auf Toilette machen?“ Sie: „Ja!“ Also sind wir ins Bad gehechtet. Ich habe schnell so einen Kindereinsatz unter die Brille geschoben, Hose runter, Body auf, Windel aus und sie drauf gesetzt. Und siehe da: es klappte.

Mann, hat sie sich gefreut. Sie saß da, schaute sich dabei zu und rief vor Stolz: „Guck ma’, is mach Pipi!“ Zur Belohnung gab es ein Gummibärchen. Zur Feier des Tages wollten die großen Jungs gleich auch eins. Und sie teilte geschwisterlich aus.

Damit wir schnell sind, habe ich ihr nun Unterhosen gekauft. Bodies sind einfach zu sperrig. Ich ziehe ihr momentan auch nur Kleidchen oder Hosen mit Gummizug an, damit wir sie schnell hochschieben bzw. runterziehen können. Für den Kindergarten ziehe ich ihr zusätzlich diese handelsüblichen Windelhosen an. Ich sage ihr: „Für den Notfall.“ Bei uns sind das nämlich keine „Windeln“ mehr, sondern „Notfallhosen“. Denn sie ist ja jetzt schon groß.

Ich bin mir sicher: In ein paar Wochen ist das Thema „Windel“ bei uns durch. Bei den Jungs war das nämlich auch so. Zumindest tagsüber. Bei der Nachtwindel haben wir gewartet, bis die „Notfallhose“ zehn Nächte am Stück trocken geblieben ist. Dann haben wir auch diese weggelassen. Das kann unter Umständen nochmal länger dauern. Aber das ist vollkommen in Ordnung.

Vom Töpfchen haben wir übrigens immer abgesehen. Aus zwei Gründen: Erstens wollten wir gleich den „richtigen“ Ort fürs Geschäft etablieren. Und zweitens wollte keiner von uns den Kram wegmachen müssen. Aber das bleibt ja zum Glück jedem selbst überlassen.

Belohnungs-Gummibärchen

Seitdem klappt es mit dem Toilettengang ziemlich gut. Natürlich gab es schon das ein oder andere Malheur. Mit großem Geschrei und enttäuschtem Geweine. Wichtig ist dann immer, das Kind zu bestärken. Beim ersten Mal sagte ich zu ihr: „Das ist nicht so schlimm. Das kann immer mal passieren. Wenn Du merkst, dass Du Pipi musst, sagst Du einfach Bescheid.“ Beim nächsten Mal stand sie vor mir: „Bescheid!“ Da musste ich erst einmal lachen. Aber dann mussten wir schnell los. Für einen Gummibär nehmen wir nämlich die Beine in die Hand.

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„Warum steht das nicht in Deinem Blog?“

Das fragte mich neulich ein guter Freund, als ich an einem schönen Sonntagnachmittag folgende Geschichte zum Tischgespräch beitrug:

Es war an einem Freitag im Frühsommer. Das Wochenende stand vor der Tür. Die Sonne schien, es war warm. Und ich musste mit den Kindern Zeit überbrücken. Zeit zwischen die-Kleinen-von-der-Kita-abholen und den-Großen-zum-Klavierunterricht-bringen. Was bietet sich da an? Erst einmal ein Eis essen gehen und dann noch auf den Spielplatz. Als ich den Kindern mein Vorhaben vorschlug, erntete ich ein freudiges „Au ja!“ Die Laune war dem Wetter entsprechend, die Eisdiele knackevoll mit vielen Mamas mit noch mehr Kindern.

Wir setzten uns auf eine Bank vor den Eisladen und aßen genüsslich unser Gefrorenes. Die Jungs deutlich schneller als ihre kleine Schwester. Als die Großen fertig waren, standen sie auf und lungerten vor einem Kiosk-Schaufenster herum. Plötzlich sah ich, wie die beiden aus heiterem Himmel anfingen sich zu prügeln. Und zwar so richtig.

Der Kleinere, aber nicht gerade schwächere, schmiss sich auf den Großen und kloppte mehrmals mit geballter Faust auf dessen Ohr. Ich war so überrascht und geschockt von dem Anblick, dass ich erst einmal gar nicht reagieren konnte (deswegen gibt es zu diesem Beitrag auch kein Foto ;-)). Ich war wie gelähmt. Ich sah nur dieses Kinderknäuel auf dem Großstadtasphalt und dachte… gar nichts.

Dann regte sich in mir etwas: Angst und Scham. Angst davor, dass meinem Großen bei dem Übergriff seines kleinen Bruders etwas zugestoßen sein könnte. Und Scham darüber, dass meine (!) Kinder sich auf offener Straße prügelten.

Ich musste handeln: Ich sprang auf, rannte zu den beiden Ringern, zog sie auseinander und holte tief Luft. In dem Moment hätte ich sie gerne angeschrien: Habt ihr noch alle Tassen im Schrank? Aber macht man das vor so vielen fremden Leuten … Ich korrigiere: vor so vielen fremden Eltern?

Alle Augen ruhten auf uns. Also atmete ich tief aus und begann, den Streit einigermaßen ruhig zu klären. Ich hielt beide am Arm fest, ein Auge auf die recht unbeeindruckt Eis essende Kleine gerichtet, das knallrote Ohr pustend. Mein Großer weinte. Der Kleine guckte frech aus der Wäsche. Ich fragte: „Warum hast Du das gemacht?“ Aber er wollte sich nur von mir losreißen. Ich hielt ihn noch fester.

Mir fiel nichts ein. Ich wollte nur noch weg. Weg von den Blicken der Mütter. Ich gebe zu: In diesem Moment habe ich mich wirklich für meine Kinder geschämt. Und ich war wütend darüber, dass ich spontan keine adäquate Reaktion parat hatte: Ich packte die drei und habe den zweiten Programmpunkt gestrichen. Mit den Worten: „Mit so zwei Streithammeln wie Euch gehe ich nicht auf den Spielplatz.“ Ich verfrachtete die drei ins Auto und fuhr mit ihnen zum Fahrradladen. Dort mussten sie dann darauf warten, dass ich mein niegelnagelneues Fahrrad mitnehmen durfte. Für die Kids seeehr langweilig. Danach sind wir zum Klavier gefahren. Es war beängstigend ruhig im Auto.

Später musste sich der Kleine noch bei seinem großen Bruder entschuldigen.

Meine Antwort auf die Frage meines Freundes „Warum steht das nicht in Deinem Blog?“ geht ganz schnell: Weil der Blog „Strategien einer Mutter“ heißt und ich in dieser Situation einfach keine Strategie parat hatte. Aber vielleicht ist es auch mal eine Strategie, keine zu haben. Ich bin ja auch nur ein Mensch.

So mein lieber Stefan. Ich hoffe, Du bist jetzt zufrieden! 😉

#strategieneinermutter