Begegnung mit dem inneren Schweinehund

Unser Ältester lebt nach dem Motto: „Wenn es anstrengend wird, lass’ ich es einfach.“ Er begibt sich also in Sachen Lernen gerne in eine Komfortzone. Das ist das optimale Gefühl zwischen Anstrengung und Entspannung. Würde ich theoretisch auch so machen. Das Problem ist nur: In der Praxis lässt sich das Prinzip nicht so einfach durchziehen.

In der Schule gibt es für ihn nun Aufgaben, die „ich schon kann“ und Aufgaben, die „sind zu schwer, kann ich nicht.“ Im Komfortzonen-Modus lässt unser Sohn beide Gruppen einfach liegen. Warum? Na, das eine ist „Baby-Eier-leicht“ und das andere „zu kompliziert“. Was nun dazu führt, dass der Berg an nicht gemachten Aufgaben wächst und wächst. Vor allem in Mathe.

Letzte Woche lag er abends im Bett und berichtete mir unter Bauchschmerzen von dem Mathe-Berg. Und dass seine Lehrerin sagt, er sei zu langsam.

Ich habe ihm genau zugehört. Aus seinem Bericht konnte ich lesen, dass der Mathe-Berg mittlerweile so groß geworden ist, dass er keinen Ausweg mehr sah, ihn allein in der Schule zu bewältigen. Das machte ihm Angst. Angst vor dem Berg und Angst vor der Lehrerin. Beides zeigte sich in schrecklichen Bauchschmerzen. Total nachvollziehbar.

Ich fragte ihn: „ Kennst Du den inneren Schweinehund?“ Er bekam große Augen und sagte: „Nein!“ Also habe ich ihm von dem Tier erzählt, das halb Schwein und halb Hund ist und gleichzeitig bellen und grunzen kann. Da musste er schon wieder lachen. Ich erzählte weiter: „Der innere Schweinehund ist wirklich hundsgemein. Er kommt immer dann, wenn man nicht so richtig Lust auf etwas hat. Und erst, wenn man gar keine andere Wahl mehr hat, dann muss man ihn überwinden und die Dinge dann eben doch machen. Auch wenn die Unlust noch so groß ist. Spürst Du auch so einen inneren Schweinehund?“ Er: „Ja: meiner ist gaaanz groß.“ Ich: „Ja. Und zwar so groß, dass er Dir Bauchschmerzen macht. Willst Du den inneren Schweinehund wieder loswerden? Er freudestrahlend: „Ja!“

Und dann haben wir einen Plan entwickelt: Zunächst sollte er zum Wochenende seinen Matheaufgaben-Berg mit nach Hause bringen. Damit ich sehen konnte: Wieviel ist das? Was ist das für Stoff? Ist das wirklich zu schwer für ihn?

Es stellte sich heraus: Der Berg war wirklich riesig. Die Aufgaben waren altersgerecht. Es hatte sich einfach nur unglaublich viel angesammelt. Also haben wir den Berg in drei gleichgroße Teile geteilt und an jedem Tag des Wochenendes ein Drittel des Berges abgearbeitet. Besser: er hat gearbeitet und ich saß daneben. Nur, wenn er nicht weiterwusste, habe ich ihm geholfen. Und man sah: mein Sohn hatte sogar Spaß daran. Er war sogar sehr dankbar und einfach nur erleichtert.

Am Montag ging unser Sohn – nun auf dem gleichen Stand wie seine Mitschüler – freudestrahlend in die Schule. Im Gepäck die ausgefüllten Arbeitsblätter, aber keinen Mathe-Berg mehr. Als ich ihn am Schultor verabschiedete zog er mich zu sich runter und flüsterte mir ins Ohr: „Den Mathe-Berg lasse ich nicht mehr so groß werden. Das habe ich mir fest vorgenommen.“ Ich fragte: „ Und was macht Dein innerer Schweinehund?“ Er: „Och, der ist weg.“ Küsst mich auf den Mund, dreht sich um und stolziert zur Klasse.

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Wir werden sehen.

#strategieneinermutter

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