Abrechnung mit dem Trotz

Trotz, ich bin ehrlich zu Dir: ich habe Dich nicht vermisst. Eigentlich hatte ich Deine Existenz ganz vergessen … na ja wohl eher verdrängt. Aber ich hätte mir denken müssen, dass Du Dir das nicht bieten lässt.

Von einem Tag auf den anderen schleichst Du Dich in den Körper meiner Kleinsten ein. Ein Mädchen, das vor Fröhlichkeit, Glück und Liebe nur so strotzt. Und dann kommst Du. Überwältigst sie. Machst aus ihr etwas, dass sie mich nicht wiedererkennen lässt: eine Furie.

Trotz, es ist unfassbar, zu was Du in der Lage bist: Du lässt mein kleines Kind kreischen, schluchzen, wüten, toben, hinfallen, aufstehen, herumrennen, hinschmeißen, den Kopf anstoßen, verzweifeln … und das alles auf einmal.

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Es ist so hart für mich mitanzusehen, dass sie selbst nicht weiß, wie sie mit Dir umgehen soll. Aber genau dieses Gefühl genießt Du sicherlich.

Oh Trotz! Was kann ich nur gegen Dich tun? Du lässt sie mich nicht trösten. Du lässt mich aber auch nicht weggehen. Ihr „Nein, Mami, nicht!“ bricht mir das Herz.
Du zwingst mich dazu, einfach daneben zu sitzen und Dein Wirken mitansehen zu müssen. Du bist so gemein. Nicht nur zu mir. Auch zu ihren Brüdern. Sie verstehen die Welt nicht mehr, wenn sie ihre Schwester so sehen. Sie kennen Dich nämlich gar nicht mehr.

Ich weiß, dass meine Tochter Dich, Trotz, braucht: Um Grenzen auszuloten. Um ihren Willen auszutesten. Um ihre Persönlichkeit zu formen. Um zu wachsen.

Ich brauche Dich aber nicht. Mir kostest Du nur Zeit, Kraft und Nerven. Ich wünschte, ich wäre in der Lage, Dich zu vertreiben. Aber ich bin nur ein ganz normaler Mensch. Und mir bleibt nichts übrig als für meine Kleine da zu sein und zu warten. Bis Du keine Lust mehr an Deinem Schaffen hast. Bis Du Dich verziehst. Bis Du mein Kind endlich wieder in Frieden leben lässt.

Du bist wie ein Orkan, der über uns hinwegfegt. Du bist aber auch wie ein Feigling, der sich jedes Mal ganz still und heimlich wieder verzieht.

Trotz allem: eine Genugtuung habe ich schon jetzt. Diese stellt sich bei mir immer dann ein, wenn mein kleiner Spatz, von Deinem Treiben ganz erschöpft, in meinen Armen liegt:

Es ist das Wissen, dass Du eine begrenzte Lebenszeit hast. Und das bei allen Kindern auf dieser Welt.

Mach’ Dich auf den Zeitpunkt gefasst, wenn ihr Verstand größer ist als Du. Wenn sie verstehen, dass sie Dich nicht brauchen, um ihre Bedürfnisse zu äußern. Wenn sie begreifen, dass sie mit Worten mehr erreichen können. Wenn sie erkennen, dass ihr Umfeld für sie nachvollziehbarer reagiert.

Dann sind sie groß genug, um den Kampf gegen Dich anzutreten. Sie werden wissen, wie sie Dich abwehren können. Sie werden jeden Anflug deinerseits mit einer lapidaren Handbewegung wegwischen. Als wärst Du eine kümmerliche Fliege. Ein zu vernachlässigender Windhauch.

Na, hast Du jetzt schon ein bisschen Muffesausen vor den Kleinen? Du solltest mit ihnen rechnen.

Ich sage Dir Trotz: Bei jedem Kind ist es irgendwann Dein letzter Kampf, den Du kämpfst. Irgendwann kommt der Tag. Und dann bist Du Schnee von gestern.

#strategieneinermutter

Das Durchschlafwunder

Vor Weihnachten hat es nun auch meinen Mann und mich ereilt. Nach nunmehr sieben Jahren mit eins, zwei, drei Kindern konnten es die deutlichen Ringe unter unseren Augen nicht mehr leugnen: WIR KÖNNEN NICHT MEHR !!!!

Unsere Nächte mit den Dreien waren unfassbar unruhig. Jeder von uns musste des nächtens mindestens zwei bis dreimal zu einem der Kinder. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen: schlecht geträumt, gekotzt, gekackt, Schnullerverlust, Durst, Klo, Angst oder auch schön der Satz „Ist es schon morgens?“

Gründe hin oder her, wir waren beide nachts viel unterwegs. Der Schlafmangel mit kombiniertem Arbeiten und Familienbetreuung hat uns einfach fertig gemacht. Verständlicherweise, wie ich finde !

Aber manchmal regeln sich die Dinge einfach von selbst. Im Vorfeld muss ich sagen: Ich habe das ganze ohne jegliche Strategie gemacht. Es war die schiere Verzweiflung, die mich eines abends zu unseren Kindern sagen ließ: „Papa und ich können nicht mehr. Weil Ihr uns nachts so oft ruft, sind wir soooo müde, dass wir ganz schlapp sind. Das geht nicht mehr. Wir müssen schlafen. Und deswegen habe ich eine Idee: Wenn Ihr nachts wach werdet, kommt Ihr entweder selbst zu uns ins Bett geklettert oder Ihr dreht Euch einfach um und schlaft weiter.“
Die Kinder haben zugehört, aber das Gesagte nicht weiter kommentiert.

Und dann kam das Wunder: Ab dieser Nacht haben meine Jungs durchgeschlafen! Keiner hat gerufen, keiner wollte irgendwas. Die Kleine kam zwar irgendwann in unser Bett, aber das hat uns nichts ausgemacht.

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Am nächsten morgen fühlten mein Mann und ich uns so ausgeruht wie lange nicht mehr. Die Conclusio: Wir brauchen ruhige Nächte, um gestärkt und entspannt durch den trubeligen Tag zu kommen. Mittlerweile gab es natürlich wieder Nächte, wo wir zu dem ein oder anderen mussten. Aber nicht mehr so geballt. Und: lustigerweise schläft die Kleine seit Anfang des Jahres durch (auch ohne im Arm ihres größten Bruders zu liegen). Moment, ich muss mal eben auf Holz klopfen … das soll ja auch Wunder wirken.

#strategieneinermutter

Der Gedanken-Erinnerungs-Zettel

Die Angst vor den verlorenen Gedanken ist bei meinen Kindern wohl sehr ausgeprägt. Ihr Mitteilungsbedürfnis ist einfach zu groß. Drum eine weitere Strategie zu dem Thema, die ich seit Kurzem verfolge:

Der Hintergrund: Mein ältester Sohn verwickelt uns gerne, wenn er abends im Bett liegt und eigentlich schlafen soll, noch in ein Gespräch. Meine Theorie ist, dass er beim zur Ruhe kommen endlich die Zeit findet über Dinge nachzudenken, die ihn schon den ganzen Tag beschäftigen. Manchmal glaube ich aber auch, dass da System dahintersteckt: er will nämlich noch nicht schlafen. Das kennen wir nur zu gut von ihm (auch nachzulesen in Die Einschlafregel mit Einschlafhilfe). Oft setze ich mich dann noch einmal zu ihm und diskutiere mit ihm über Gott und die Welt. Das dauert oftmals auch so lange, bis es viel zu spät für ihn ist, um morgens ausgeruht aus dem Bett zu steigen.

Als wir letzte Woche wieder diese Situation hatten, fing er damit an, mir ein Spiel aus dem Sportunterricht bis ins kleinste Detail zu beschreiben. Da habe ich Folgendes gesagt: „Du Schatz, es ist schon spät und Du solltest jetzt besser schlafen. Weißt Du was, erzähle mir doch morgen beim Frühstück wie das Spiel geht.“ Er: „Aber dann habe ich wieder vergessen, was ich erzählen wollte.“ Ich: „Dann schreibe ich Dir einen Gedanken-Erinnerungs-Zettel und lege ihn auf Deinen Platz am Tisch. Was soll ich drauf schreiben?“ Er: „Sport und Spiel.“ Das habe ich gemacht.

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Weil er wohl das Gefühl hatte, dass seine wertvollen Gedanken nicht verloren gehen, ist mein Sohn zufrieden eingeschlafen. Und am nächsten Morgen haben wir beim Frühstück haarklein das Sportspiel erläutert bekommen.
Diesen hilfreichen Zettel werde ich jetzt wohl öfter schreiben.

#strategieneinermutter

„Behalte Deinen Gedanken!“

Kennt Ihr das auch? Eins der Kinder möchte erzählen: „Heute in der Schule, da hat die Luisa Limo in ihrer Fl…“ weiter folgen kann man der Geschichte nicht, weil dem Bruder just in diesem Moment eine ebenso wichtige Information in den Sinn gekommen ist, die er auch sofort von sich geben möchte. Aber, anstatt abzuwarten, plappert er dem bereits Erzählenden dazwischen. Nur ein bisschen lauter: „ALSO HEUTE IM KINDERGARTEN SIND WIR MIT DEM BUS GEFAHREN UND DA …“ Der erste Erzähler lässt sich diese Rücksichtslosigkeit nicht bieten und erzählt weiter, ebenfalls mit der Erhebung seiner Stimme „…ASCHE. UND DA HABE ICH IHR GESAGT, DASS DAS VERBOTEN IST. UND …“ Der Pegel wird also immer lauter bis einem die Ohren klingeln.
Meine Meinung: Typisches Machtgehabe zwischen Brüdern.

Weil ich diesen Krach einfach nicht aushalten konnte, bin ich anfangs ebenso laut dazwischen gegangen: „NICHT SO SCHREIEN KINDER. KANN HIER DER EINE MAL DEN ANDEREN AUSREDEN LASSEN!“ Mit dem Effekt, dass das Gespräch unterbrochen war und keiner seine Geschichte zu Ende erzählt hat. Sehr unbefriedigend.

Die Kinder sollen ja ihr Erlebtes mit allen Familienmitgliedern teilen können. Nur eben nacheinander! Also habe ich damit angefangen, das Gespräch zu „moderieren“. Tatsächlich komme ich mir dabei manchmal wie Günther Jauch vor, der in seiner Sonntagabendsendung versucht, mehrere gewiefte Politiker in Schach zu halten.

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Wenn die Kinder sich also mal wieder ihre Geschichten gleichzeitig zuschreien, reagiere ich ruhig, aber bestimmt. Und sage zum Ersterzählenden: „Warte mal kurz!“ Und zum Dazwischenschreier sage ich: „Dein Bruder ist jetzt dran, behalte Deinen Gedanken. Danach bist Du dran.“ Zum Ersten gewandt: „So erzähle bitte weiter.“ Ist der Erste fertig, gebe ich das Wort an den anderen: „So, jetzt darfst Du Deine Geschichte erzählen.“ Und siehe da, es klappt. Jeder bekommt seine Aufmerksamkeit, nur eben nacheinander.

Manchmal passiert dem Zweiterzähler aber auch das: „Manno, jetzt habe ich vergessen was ich erzählen wollte.“ Das ist für den Jeweiligen sehr frustrierend. Darum bin ich auch hier ganz Moderator und merke mir von der Dazwischenschreiergeschichte ein Stichwort: „Du wolltest erzählen, dass Ihr heute Bus gefahren seid.“ Prompt folgt ein „Ach ja!“
Und wir lauschen ganz in Ruhe einer weiteren spannenden Geschichte.

#strategieneinermutter

Frisch ins Neue Jahr

Ich wünsche Euch allen ein frohes Neues Jahr!

Da bin ich wieder. Ich gebe zu: ich brauchte eine kurze Sendepause. Und zwar von allem. Familie, Arbeit und Bloggen – das hat mich in letzter Zeit viel Kraft gekostet.

Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass ich mit Strategien einer Mutter online gegangen bin. Und ich habe noch einiges vor. Mit mir. Und auch mit Euch! Es bleibt spannend.

Und weil ich mich nicht anständig von Euch in meine Weihnachtsferien verabschiedet habe, möchte ich dies nun nachholen. Mit dem Mauslied, das liebe Menschen aus meiner musikalisch talentierten, angeheirateten Familie höchstselbst geschrieben und vertont haben.

/home/wpcom/public_html/wp-content/blogs.dir/551/61445921/files/2015/01/img_0769.pngEine wahre Freude für alle Erwachsene und Kinder, die noch in Weihnachtsstimmung sind. Und wenn nicht jetzt, dann vielleicht für die kommende Weihnachtszeit.
Viel Spaß damit!

#strategieneinermutter