Gescheitert: Die Familien-Regeln

Wenn ich so – nach exakt 50 Blogeinträgen – durch mein Archiv scrolle, könnte der ein oder andere denken: Die Frau hat ja echt immer alles im Griff. Die Kinder, den Mann, jede Situation. Meine beste Freundin beichtete mir neulich, dass ihr befreundete Eltern berichteten, sie selbst hätten immer, wenn sie meinen Blog gelesen haben, ein tierisch schlechtes Gewissen gegenüber ihren eigenen Kindern. Das ist natürlich nicht mein Bestreben.

Verständlicherweise will ich in erster Linie über die Strategien schreiben, die bei uns von drei Kindern erprobt und wirkungsvoll sind und waren. Aber damit Ihr seht, dass bei uns auch mal der Haussegen schief hängt, ich nicht mehr weiter weiß und vor allem auch Strategien einfach nicht funktionieren, schaffe ich hiermit und heute eine neue Kategorie. Diese heißt: Gescheiterte Strategien.

Sehr interessant ist dabei meine Erkenntnis, das eigentlich alle Strategien, die ich mir bei der Supernanny abgeguckt habe (ja, ich habe da ab und an mal reingezappt) immer den Bach runtergegangen sind. Eine davon sind „die Familien-Regeln“. Also die Manifestierung von festen Regeln, an die sich alle Familienmitglieder für ein friedliches Miteinander halten müssen. Klingt ja auf den ersten Blick sinnvoll. Gepaart habe ich dies – und vielleicht war das der Fehler – einerseits mit den Schulhof-Regeln meines Sohnes (damals Vorschule), die ich ziemlich gut fand. Vor allem hatten die so eindeutige Bilder, um auch Nichtlesern die Regeln verständlich zu machen. Und andererseits dem gelbe-rote-Kartensystem aus dem Fußball bzw. von der Vorschullehrerin (dass mein Sohn in einer ziemlich wilden und lauten Klasse war ist nachzulesen in meinem Post Kopfhörer gegen Klassenradau). So sahen unsere Familien-Regeln am Ende aus.

IMG_0634.JPG
Die Spielregeln dazu:
– Alle Familienmitglieder dürfen Karten geben: Kinder an Eltern, Eltern an Kinder, Eltern an Eltern, aber nicht Kinder an Kinder !
– Gelbe Karte für Vergehen der rechten Seite.
– Rote Karte für Vergehen der linken Seite.

– Bei 0-1 gelben Karte darf man sich am Ende des Tages einen Stempel machen (dafür hatten wir so ein tolles Wochenstempelbrett).
– Ab 1 roten Karte kein Tagesstempel (bei mehreren roten Karten wurde die Schwachsinnigkeit dieses System bereits deutlich).

– Bei 4-5 Tagesstempeln pro Woche darf an beiden Wochenendtagen nutella gefrühstückt werden (siehe Die nutella-Regel).
– Bei 2-3 Tagesstempeln pro Woche darf an einem frei wählbaren Wochenendtag nutella gefrühstückt werden.
– Bei <2 Tagesstempeln pro Woche darf keine nutella am Wochenende gefrühstückt werden.

Sonderregeln für Mama:
– Bei 4-5 Tagesstempeln/Woche muss Mama keine nutella essen.
– Bei 2-3 Tagesstempeln/Woche muss Mama an einem Wochenendtag nutella frühstücken.
– Bei <2 Tagesstempeln/Woche muss Mama an beiden Wochenendtagen nutella frühstücken.

Meine drei Jungs fanden das wirklich witzig, weil ich das Zeug wirklich nicht runterkriege, aber das hat mich auch angespornt.

Was ging schief?
1. Die Kinder verpetzten sich gegenseitig bei uns Eltern für Vergehen, die wir nicht beobachten konnten. Ergo: Wir hatten das alles nicht unter Kontrolle (Was ist Wahrheit, was ist Lüge?). Und: Der Gerechtigkeitskampf zwischen den beiden war größer als vorher.

2. Die Karten waren schnell gezeigt und damit die Situation auch vermeintlich schnell geregelt.
Aber gerade unser Mittlerer (noch 4 Jahre), der aufgrund seines Alters sehr emotional statt berechnend getrieben ist, war sich der Tragweite seines Handelns überhaupt nicht bewusst. Und schon gar nicht von Montag bis zum Wochenende. Das führt zu

3. Die Zeitspanne zwischen „Vergehen“ und Konsequenz (nutella-Entzug) waren so weit auseinander, dass auch kein Lerneffekt entstand.

Also haben wir uns über Kurz oder Lang von den Familien-Regeln verabschiedet und sie wieder abgehängt. Dass wir uns als Familie lieb haben wollen und sollen, das wissen wir alle. Und wir reden mit unseren Kindern wieder mehr über ihr Verhalten, was geht und was eben nicht (auch wenn man sich dabei manchmal den Mund fusselig redet). Und die Kinder reden mit uns auch über unser Verhalten als Eltern. So geht meiner Meinung nach die wahre Wertevermittlung einer Familie.
So ein „Bestrafungssystem“ wie auf dem Fußballplatz kommt mir auf jeden Fall nicht mehr ins Haus.

#strategieneinermutter

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