Was Clown, Lama und Frieden gemeinsam haben

Ich habe es ja schon so oft geschrieben, aber ich tue es noch ein weiteres Mal: Ich spreche sehr viel mit meinen Kindern, erkläre ihnen, wie unsere Welt und das Leben darin funktioniert. Und dazu gehört natürlich auch, zu erläutern, warum sich bestimmte Dinge einfach nicht gehören. Weil man sich dabei aber den Mund fusselig reden kann, haben wir zu Hause Codewörter eingeführt:

„Clown“ sagen wir, wenn beim gemeinsamen Essen der Lärm- und Quatschmachpegel einfach zu hoch werden. Bei uns ist es nämlich oft so, dass die Kinder sich bis ins Unermessliche hochschaukeln. Das Essen ist dann so laut und unruhig, dass es einfach keinen Spaß macht. Bei „Clown“ wissen alle: Das war jetzt zu viel, bitte einen Gang runterschalten.

„Lama“ ist ein Rudiment aus WM-Zeiten. Als die Jungs sahen, wie unsere deutschen Spieler, aber auch die Gegner dauernd auf den Platz rotzten, dachten sie, dass man das als cooler Mensch wohl so macht. Also wurde überall hingespuckt. Und das nicht nur draußen! Weil sie ihre Rotzerei schon gar nicht mehr merkten, und es mir in der Öffentlichkeit auch echt peinlich war, machte „Lama“ ihnen ohne viel Aufhebens deutlich, dass sie mal wieder ihren Speichel nicht unter Kontrolle hatten und das bitte lassen sollen.

„Frieden“ ist aus den unendlichen Machtkämpfen entstanden, die sich zwischen meinen Jungs abgespielt haben und immer noch abspielen. „Frieden“ sage nicht nur ich zu den Kindern, sondern sie sagen es sich auch mittlerweile gegenseitig. Dann weiß der andere: ich bin zu weit gegangen, lass‘ uns wieder vertragen.

Außerdem gibt es bei uns noch das Codewort „Stop“. Das heißt natürlich ganz klar, dass der andere sofort mit dem aufhören muss, was er gerade tut. An der sofortigen Wirkung dieses Wortes feilen wir aber noch.

Das tolle an Codewörtern: Man kann sie nahezu überall zum Einsatz bringen. Meine Yogalehrerin erzählte mir neulich, sie habe mit ihrer Tochter ein Codewort vereinbart, dass nur sie beide wissen. Und wenn das Mädchen mal von jemand anderes aus der Schule abgeholt werden muss, dann darf sie nur mit der Person mitgehen, wenn der- oder diejenige das Codewort äußern kann. Tolle Idee!

Wichtig dabei ist nur, den Kindern zu erklären, wofür die Codewörter stehen und welche Verhaltensänderung bei Aussprache gewünscht ist. Für die Kinder ist das ja auch spannend. Das ist ja quasi Geheimsprache!

Und so schließt sich wieder der Kreis: Auch wenn es manchmal anstrengend ist, Kinder müssen verstehen, um ihr Verhalten zu ändern oder der Situation bzw. den Gepflogenheiten anzupassen. Und das können sie nur, indem wir ihnen Erklärungen liefern. Davon bin ich fest überzeugt.

#strategieneinermutter

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Zwischenruf

Ich weiß nicht, ob man das als Blogger so macht, aber ich muss es einfach: einmal laut „Juchuhhhh“ rufen.

Meine Statistikfunktion hat mir nämlich zu 30.000 Aufrufen meiner Seite gratuliert. Ob das in der Blogosphäre als „erfolgreich“ einzustufen ist, kann ich nicht beurteilen. Mich freut es jedenfalls sehr! Weil ich Anfang diesen Jahres – als ich mit Strategien einer Mutter begonnen habe – nicht gedacht hätte, dass mein Blog überhaupt lesenswert ist.

Also ein ganz großes Dankeschön von mir an Euch, meine lieben Leser da draußen in der Welt!

#strategieneinermutter

Gescheitert: Die Familien-Regeln

Wenn ich so – nach exakt 50 Blogeinträgen – durch mein Archiv scrolle, könnte der ein oder andere denken: Die Frau hat ja echt immer alles im Griff. Die Kinder, den Mann, jede Situation. Meine beste Freundin beichtete mir neulich, dass ihr befreundete Eltern berichteten, sie selbst hätten immer, wenn sie meinen Blog gelesen haben, ein tierisch schlechtes Gewissen gegenüber ihren eigenen Kindern. Das ist natürlich nicht mein Bestreben.

Verständlicherweise will ich in erster Linie über die Strategien schreiben, die bei uns von drei Kindern erprobt und wirkungsvoll sind und waren. Aber damit Ihr seht, dass bei uns auch mal der Haussegen schief hängt, ich nicht mehr weiter weiß und vor allem auch Strategien einfach nicht funktionieren, schaffe ich hiermit und heute eine neue Kategorie. Diese heißt: Gescheiterte Strategien.

Sehr interessant ist dabei meine Erkenntnis, das eigentlich alle Strategien, die ich mir bei der Supernanny abgeguckt habe (ja, ich habe da ab und an mal reingezappt) immer den Bach runtergegangen sind. Eine davon sind „die Familien-Regeln“. Also die Manifestierung von festen Regeln, an die sich alle Familienmitglieder für ein friedliches Miteinander halten müssen. Klingt ja auf den ersten Blick sinnvoll. Gepaart habe ich dies – und vielleicht war das der Fehler – einerseits mit den Schulhof-Regeln meines Sohnes (damals Vorschule), die ich ziemlich gut fand. Vor allem hatten die so eindeutige Bilder, um auch Nichtlesern die Regeln verständlich zu machen. Und andererseits dem gelbe-rote-Kartensystem aus dem Fußball bzw. von der Vorschullehrerin (dass mein Sohn in einer ziemlich wilden und lauten Klasse war ist nachzulesen in meinem Post Kopfhörer gegen Klassenradau). So sahen unsere Familien-Regeln am Ende aus.

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Die Spielregeln dazu:
– Alle Familienmitglieder dürfen Karten geben: Kinder an Eltern, Eltern an Kinder, Eltern an Eltern, aber nicht Kinder an Kinder !
– Gelbe Karte für Vergehen der rechten Seite.
– Rote Karte für Vergehen der linken Seite.

– Bei 0-1 gelben Karte darf man sich am Ende des Tages einen Stempel machen (dafür hatten wir so ein tolles Wochenstempelbrett).
– Ab 1 roten Karte kein Tagesstempel (bei mehreren roten Karten wurde die Schwachsinnigkeit dieses System bereits deutlich).

– Bei 4-5 Tagesstempeln pro Woche darf an beiden Wochenendtagen nutella gefrühstückt werden (siehe Die nutella-Regel).
– Bei 2-3 Tagesstempeln pro Woche darf an einem frei wählbaren Wochenendtag nutella gefrühstückt werden.
– Bei <2 Tagesstempeln pro Woche darf keine nutella am Wochenende gefrühstückt werden.

Sonderregeln für Mama:
– Bei 4-5 Tagesstempeln/Woche muss Mama keine nutella essen.
– Bei 2-3 Tagesstempeln/Woche muss Mama an einem Wochenendtag nutella frühstücken.
– Bei <2 Tagesstempeln/Woche muss Mama an beiden Wochenendtagen nutella frühstücken.

Meine drei Jungs fanden das wirklich witzig, weil ich das Zeug wirklich nicht runterkriege, aber das hat mich auch angespornt.

Was ging schief?
1. Die Kinder verpetzten sich gegenseitig bei uns Eltern für Vergehen, die wir nicht beobachten konnten. Ergo: Wir hatten das alles nicht unter Kontrolle (Was ist Wahrheit, was ist Lüge?). Und: Der Gerechtigkeitskampf zwischen den beiden war größer als vorher.

2. Die Karten waren schnell gezeigt und damit die Situation auch vermeintlich schnell geregelt.
Aber gerade unser Mittlerer (noch 4 Jahre), der aufgrund seines Alters sehr emotional statt berechnend getrieben ist, war sich der Tragweite seines Handelns überhaupt nicht bewusst. Und schon gar nicht von Montag bis zum Wochenende. Das führt zu

3. Die Zeitspanne zwischen „Vergehen“ und Konsequenz (nutella-Entzug) waren so weit auseinander, dass auch kein Lerneffekt entstand.

Also haben wir uns über Kurz oder Lang von den Familien-Regeln verabschiedet und sie wieder abgehängt. Dass wir uns als Familie lieb haben wollen und sollen, das wissen wir alle. Und wir reden mit unseren Kindern wieder mehr über ihr Verhalten, was geht und was eben nicht (auch wenn man sich dabei manchmal den Mund fusselig redet). Und die Kinder reden mit uns auch über unser Verhalten als Eltern. So geht meiner Meinung nach die wahre Wertevermittlung einer Familie.
So ein „Bestrafungssystem“ wie auf dem Fußballplatz kommt mir auf jeden Fall nicht mehr ins Haus.

#strategieneinermutter

Der Seifen-Riech-Test

Es mag vielleicht ein bisschen banal klingen, weil es eigentlich so selbstverständlich ist, aber dieses sehr alltägliche Thema ‚Hände waschen‘ kann einem schon den Nerv rauben. Mir zumindest.

Meine beiden Jungs befinden sich ja mittlerweile in einem Alter, wo sie sich durchaus selbst die Hände waschen können. Und, obwohl es so alltäglich ist, gibt es bei uns ständig Diskussionen darüber. Sobald ich die Kinder ans Waschbecken bitte, hören wir: „Ich will aber nich!“ Oder: „Hände waschen ist blöd, da kriegt man nasse Hände.“ Ach nee, das ist ja auch der Sinn der Sache. Oder ganz clever: „Ich mach das oben.“ Und schon sind sie weg.

Da ich aber keine Lust habe, ständig mit erhobenem Zeigefinger den Kontrolletti zu machen, habe ich irgendwann verkündet: „Wascht Euch bitte selbständig die Hände, ich vertraue Euch, aber bitte gründlich und mit Seife!“ Was folgte, waren ein auf volle Kanne laufender Wasserhahn und lustig gickelnde Kinder davor. Wenn sie dann zu mir kamen und sagten: „Fertig!“ und sich dabei aber einen verschwörerischen Blick zuwarfen, wusste ich, dass ich hier gerade mächtig übers Ohr gehauen werde.

Also habe ich gesagt: „Dann zeigt mir mal Eure Hände!“ Das wurde dann auch bereitwillig gemacht. Und als ich aber daran roch und feststellte, dass diese Hände alles, nur keine Seife gesehen haben, da sind sie dann ganz kleinlaut geworden. Der Große ist sofort nochmal losgegangen und hat sich richtig die Hände gewaschen, beim Kleineren brauchte es etwas mehr Überzeugungsarbeit.

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Mittlerweile hat sich der Seifen-Riech-Test so bei uns eingebürgert, dass mir die Kinder freiwillig die Hände unter die Nase halten und vor lauter Stolz verkünden: „Mama, mach mal den Seifen-Riech-Test, ich habe die Hände ganz sauber.“ So ist aus einem absolut nervigen Thema ein durchaus spaßiges Spielchen geworden, das sich nur weiterempfehlen lässt.

#strategieneinermutter