Die Schnullerregel mit -box

Ab Tag 1 seiner Geburt schrie unser Ältester unablässig. Noch im Krankenhaus versuchten wir alles, um ihn zu beruhigen: wir trugen ihn herum, schuckelten ihn im Arm, sangen Lieder … nichts half. Die Krankenschwestern kamen mit dem immer gleichen Tipp um die Ecke: „Das Kind anlegen.“ Aufgrund meiner bereits lädierten Brustwarzen war das für mich kein Zustand, den ich dauerhaft ertragen konnte und wollte.

Am fünften Lebenstag trafen wir – mittlerweile zu Hause – unsere Hebamme. Wir schilderten ihr unser Leid. Und sie sagte ganz pragmatisch: „Habt Ihr es schon mal mit einem Schnuller probiert?“ Ehrlich gesagt, waren wir – erstgebärend und verpeilt – darauf noch gar nicht gekommen.

Meine Mutter sagte mir: „Du musst nur abwarten, dann findet das Kind von alleine seinen Daumen.“ Doch ich wollte gar nicht, dass meine Kinder am Daumen lutschen. Denn das Daumen lutschen ist – meiner Meinung nach – schwer wieder abzugewöhnen. Einen Schnuller kann man verschwinden lassen, einen Daumen nicht. Ich spreche da aus eigener Erfahrung: Ich selbst habe am Daumen genuckelt, bis ich 10 Jahre alt war. Vier Jahre feste und zwei Jahre lockere Zahnspange inklusive.

Aber zurück zu unserem Erstgeborenen. Wir nahmen den Rat der Hebamme an und kauften einen Schnuller, den unser Sohn auch gleich gierig in sich rein saugte. Und: er war ruhig. Ein bisschen komisch sah das kleine Wesen mit diesem überdimensionalen, bunten Ding im Mund schon aus. Aber die Erleichterung oder besser Erlösung von dem quälenden Geschrei war für uns vorrangig.

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Wir hatten also ein Schnullerkind. Das störte uns nicht weiter. Zumindest nicht, bis zu dem Zeitpunkt, wo unser Sohn anfing sprechen zu lernen. Also mit ca. einem Jahr. Wo die ersten Laute kommen, Silben gebildet, Worte geübt werden. Da fängt der Sauger nämlich an zu stören.

Mein Mann war von Anfang an sehr bedacht darauf, dass wir dem Kind keinen Sprachfehler antrainieren. Also haben wir wieder einmal eine Regel aufgestellt und sie ungefähr so unserem Sohn mitgeteilt: „Du bist ja jetzt ein großer Junge. Da brauchst Du den Schnuller nur noch zum Schlafen.“ Wir haben die Regel konsequent umgesetzt. Unser Sohn gab auch freiwillig seinen Schnuller, wenn man ihn darum bat. Natürlich haben wir Ausnahmen gemacht. Wenn der Kleine sich weh getan hatte, krank oder hundemüde war, bekam er seinen „Schnulli“.

Allerdings liebte unser Sohn die Sauger so sehr, dass er vehement danach verlangte, sobald er sie erblickte. Es musste also eine Lösung her, um die Schnuller tagsüber verschwinden zu lassen. Ich nahm eine Holzschachtel und ließ sie von unserem Sohn nach seinem Geschmack anmalen. Danach legte ich die Kiste mit einem schönen Stoff aus und eröffnete ihm: „Das ist jetzt Deine Schnullerbox. Da schlafen Deine Schnuller solange, bis Du sie zum Schlafen brauchst.“ Wir stellten die Box ins Regal in seinem Zimmer. Also in Sicht-, aber außer Reichweite. Das hat gut funktioniert.

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Für seinen jüngeren Bruder haben wir – im adäquaten Alter – ebenfalls die Schnullerregel eingeführt. Wir brauchten aber keine Box, weil er nicht so stark hinter seinen „Nuni“s her war.

Unsere Jüngste schlägt nach ihrem ganz großen Bruder. Sie gibt den Schnuller zwar freiwillig ab (und das mit 14 Monaten!), wird aber nahezu wahnsinnig, wenn sie einen ihrer „Didi“s sieht. Da kippt auch schon mal die Stimmung. Deswegen habe ich mir fest vorgenommen, demnächst auch mit ihr eine Schnullerbox zu bemalen. Eine Schachtel habe ich schon zur Seite gestellt.

Übrigens: Die Box von unserem Großen dient mittlerweile als Aufbewahrungskiste für Sticker. Für ihn ist sie jedoch nach wie vor das, was sie mal war. Er nennt sie immernoch: Schnullerbox.

#strategieneinermutter

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