Die pawlowsche Eieruhr

Kennt Ihr das auch? Abends, wenn die Luft schon so langsam aus uns allen – Kinder inklusive mir – raus ist, und die Kinder jammern irgendwas zwischen: „Ich habe Hunger!“ und „Ich bin schlapp!“. Dann denke ich oft: ‚Super, jetzt den Dreien schon den Schlafanzug an, dann noch Abendessen. So habe ich die drei ganz früh, ganz schnell und unkompliziert im Bett.‘ Falsch gedacht. Denn wenn nach dem Abendessen die Kohlenhydrate im Blut angekommen sind, drehen die Jungs nochmal richtig auf. „Mama, können wir im Bett toben?“ „Komm, wir spielen noch ne Runde Fußball.“ Und ich merke, wie sich mein Plan von einem entspannten und ruhigen Ins-Bett-geh-Ritual in Luft auflöst. Puff!

Sollen sie sich kurz noch austoben, die Laune ist ja wieder gut. Aber man muss die Drehzahl bei den Kindern auch wieder runterkriegen. Also versuche ich, die Tobezeit zeitlich zu begrenzen. Ich mache eine Ankündigung: „Okay, Jungs, Ihr dürft jetzt noch so lange spielen, bis ich den Abendbrottisch abgeräumt habe. Dann gehen wir zusammen Zähne putzen und dann ab ins Bett und Geschichte lesen.“ Die Jungs: „Okay!“ Ich räume den Abendbrottisch ab, und bitte dann meine Kinder, sich jetzt bettfein zu machen. Aber Pustekuchen. Mit hochroten, verschwitzten Köpfen eröffnen sie mir: „Och nö, Mama, wir haben noch gar nicht richtig gespielt.“ Oder: „Es ist noch viel zu früh. Kannst Du noch kurz mitspielen?“ Mein Blick wandert zur Uhr, die 19 Uhr anzeigt: „Na gut, noch fünf Minuten, dann gehen wir aber und machen Euch bettfein.“ „Super!“ Nach geschätzten fünf Minuten improvisiere ich einen Abpfiff. „So, Spielschluss, ab ins Bad und Zähne putzen.“ „Och nö, Mama, das war noch viel zu kurz.“ So langsam schwillt meine Halsschlagader an. Diese Spielzeit-Verhandlungen zehren echt an den Nerven. Zumindest bei mir.

Drum habe ich eines Tages unsere Eieruhr aktiviert und zu den Jungs gesagt: „Ihr dürft jetzt noch eine Viertelstunde spielen. Ich stelle die Eieruhr. Aber wenn es klingelt, geht ihr Euch ohne Diskussionen bettfein machen.“ Und, ich weiß nicht warum, das hat geklappt. Dass das monotone Gebimmel einer Eieruhr für meine Kinder mehr Autorität verkörpert als die Stimme nebst Ansagen ihrer Mutter, gibt mir zu denken. Die Psychologie dahinter würde ich ja zu gerne kennen.
Nichtsdestotrotz, seitdem stelle ich öfter mal die Eieruhr. Der Einsatz ist auch in anderen Situationen ganz hilfreich: Beispielsweise, wenn beide ein bisschen Computer spielen dürfen und sie sich verständlicherweise nicht abwechseln wollen, stelle ich die Uhr auf fünf Minuten. Und wenn es klingelt, wird getauscht. Oder wenn sie beide mal wieder nicht aus der Wanne raus wollen. Wenn es klingelt, kommen sie raus. Und und und …
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Heute war mir die Eieruhr auch wieder einmal eine Hilfe: Wir waren lange unterwegs und kamen am späten Nachmittag erst nach Hause, aber die beiden wollten noch ein bisschen im Garten spielen. Ich dagegen wollte eigentlich Abendbrot machen. Also habe ich die Eieruhr auf zwanzig Minuten gestellt und gesagt: „Wenn die Eieruhr klingelt, kommt ihr aber rein zum Essen.“ Kaum hat das Ding gerappelt, standen die beiden vor mir. Ich: „Ups, das ging aber schnell. Ich bin noch gar nicht so weit.“ Mein jüngerer Sohn zu seinem älteren Bruder: „Okay, Mama braucht noch zehn Minuten. Wir können noch spielen. Stell mal die Uhr.“ Und weg waren sie.

#strategieneinermutter

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