Die Schimpfwort-Schlange

Seit dem Erfolg mit dem Zahnputzhamster (nachzulesen in Von Zahnputzhamster bis Vokalgesang) bin ich ein richtiger Freund von Stempelbrettern geworden. Und so bin ich folgendes „Problem“ wieder einmal mit einem Stempelspielchen angegangen:

Bei uns gibt es eine klare Schimpfwort-Regelung: Schimpfwörter und schlimme Wörter sind grundsätzlich verboten. Wer aber mal fluchen muss, darf sich des Vokabulars „Mist“, „Manno“ oder „Scheibenkleister“ bedienen (ausführlich beschrieben unter Mist, Manno und Scheibenkleister !). Klingt ganz einfach.

Die Realität ist leider eine andere. Unser 4jähriger hat es sich in letzter Zeit nämlich zum Sport gemacht, ausufernd mit den Worten „Scheiße“, „Blödmann“, „Scheißkopf“ und so weiter um sich zu schmeißen. Da half auch mein zensierend ausgerufenes „Pieeeeeep“ nicht mehr.

Also habe ich mir etwas überlegt, wie ich unseren Mittleren dazu anspornen kann, bewusster mit seiner Wortwahl umzugehen. Ich sagte zu ihm: „Ich möchte nicht mehr, dass Du diese schlimmen Wörter sagst. Ich möchte Dir helfen, diese schlimmen Worte zu vergessen. Wie wäre es mit einem Stempelbrett?“ Mein Sohn: „Och nööö!“ Ich denke: ‚Das läuft ja gar nicht gut an.‘ Ich lasse mich auf diese Lustlosigkeit nicht ein und erkläre weiter: „Die Spielregeln gehen so: An jedem Tag, wo Du kein schlimmes Wort sagst, darfst Du Dir einen Stempel machen. Wenn Du es auch noch schaffst, noch nicht einmal Mist, Manno und Scheibenkleister zu sagen, darfst Du Dir sogar zwei Stempel machen. Nach jedem zehnten Stempel bekommst Du eine Packung Fußballkarten.“ Diese Fußballkarten sind bei unseren Jungs gerade total hoch im Kurs. Obwohl ich der Meinung bin, dass diese Dinger reine Geldmacherei sind (1€ für fünf Spielerkarten!), finde ich sie als kleine Belohnung völlig adäquat. Aber zurück zum Thema: Was antwortet mein Sohn? „Och nöö, ich habe keine Lust.“

Mir doch egal. Ich versuche es trotzdem. Ich setze mich in sein Zimmer und bastele in seiner Anwesenheit ein Stempelbrett mit Dschungeltieren. Und als ich beginne, die Stempelkreise miteinander zu verbinden, kommt mir prompt der Name für dieses Brett in den Sinn. Als ich fertig bin, halte ich meinem zweitjüngsten Spross das Stempelbrett unter die Nase und rufe: „Tatatata, hier ist Deine Schimpfwort-Schlange.“ Da wurden die Augen schon größer.

Ich erkläre: „Die Tiere rund um die Stempelschlange wollen Dir die Schimpfwörter wegschnappen. Sie helfen Dir, mit jedem Stempel, den Du machst, die schlimmen Wörter zu vergessen.“ Der Kleine lacht und antwortet: „Ja, danke!“ Ich hänge die Schlange an seine Magnetwand und warte. Einen Tag, zwei Tage, drei Tage… Nichts passiert. Das Kind macht weiter. Jeden Tag sage ich zu ihm: „Heute kannst Du Dir leider wieder kein Stempel machen.“ Ich komme mir dabei ein bisschen vor wie Heidi Klum: „Ich habe heute leider kein Foto für Dich.“ Aber während die Top Model-Anwärterinnen dann reihenweise in Tränen ausbrechen, schert meine Abfuhr meinen Sohn herzlich wenig.

Aber dann: Nach fünf Tagen ungenutzter Schimpfwort-Schlange sagt mein Sohn abends zu mir: „So Mama, heute darf ich mir gleich zwei Stempel machen. Ich habe heute nämlich kein einziges Schimpfwort gesagt.“ Und er blickt dabei ganz stolz. So, als ob er mich damit überraschen wollte. Ich hätte es wissen müssen. So wie Nummer 2 momentan einfach alles selbst bestimmen will, bestimmt er auch in dieser Sache. Und ich dachte, meine Strategie wäre gescheitert. Aber nein, seit dem der kleine Mann sich dazu entschieden hat, bei dem Spiel mitzumachen, klappt es erstaunlich gut mit der Schlange. So nach und nach füllt sie sich. Und es gab auch schon eine Packung Fußballkarten.

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Ganz reibungslos geht die Schimpfwortabgewöhnung allerdings nicht von statten. Vorgestern sagt er zu mir im Frust: „Du Stinkstiefel!“ Und gleich hinterher: „Mama, das ist aber kein Schimpfwort.“ Ich glaube, ich muss mit ihm da nochmal ein paar Definitionen festlegen.

#strategieneinermutter

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