Die Einschlafregel mit Einschlafhilfe

Uns war es von Anfang an wichtig, dass unsere Kinder ihr eigenes Bett als „ihren Ort des Einschlafens“ begreifen. Ich gebe zu, wir waren mit dieser Einstellung ein wenig beeinflusst von den vielen Ratgeber-Empfehlungen: Kinder haben in ihrem Bett zu schlafen und gehören nicht ins Bett der Eltern. Ganz so drastisch wollten wir es aber dennoch nicht handhaben.

Ich kann mich nämlich noch sehr gut daran erinnern, dass ich selbst als Kind sehr gerne bei meinen Eltern im Bett geschlafen habe. Ich bin zwar jeden Abend in meinem Bett eingeschlafen, die Zimmertür weit geöffnet, mit Licht im Flur und mit dem Wissen, dass meine beiden Schwestern im Zimmer nebenan schliefen. Wenn ich aber nachts wach wurde – und das wurde ich zuverlässigerweise jede Nacht – und ich im Dunkeln lag, bekam ich es mit der Angst. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen, packte meine Bettdecke und schlich zu meinen Eltern mit dem geflüsterten Satz: „Mama, ich kann nicht schlafen.“ Dann machten meine Eltern immer Platz zwischen sich und ich durfte mich in ihre sichere Mitte kuscheln. Diese Wärme, der gleichmäßige Atem und der von ihnen vermittelte Schutz sind mir heute noch sehr präsent und in schöner Erinnerung. War es doch ein Höchstmaß an gespürter Liebe und Nähe meiner Eltern zu mir (was nicht heißen soll, dass mir meine Eltern sonst keine Liebe entgegengebracht hätten). Ich glaube, ich war zehn Jahre alt, als ich das letzte Mal nachts zu meinen Eltern ins Bett gekrochen bin.

Mit dem Wissen um diese eigene Erfahrung, haben wir – nun selbst Eltern – daher folgende Regel aufgestellt: Jedes Kind schläft in seinem Bett ein. Wenn es aber nachts wach wird, darf es immer zu uns ins Bett kommen. Das hat auch schon mal zur Folge, dass wir nachts eingequetscht zu fünft im Ehebett liegen. Und obwohl ich heute die Schützende bin – als Rausfallschutz und nächtlicher Angstnehmer – fühle ich mich als Erwachsene genauso sicher, wie damals als Kind.

Leider klappt das mit dem Einschlafen im eigenen Bett bei uns gar nicht so gut. Das Baby ist momentan zu klein. Sie hat noch keine Angst vor dem nächtlichen allein sein. Sie macht das 1A.
Wenn es aber darum geht, dass ihre größeren Brüder in ihren Betten einschlafen sollen, hören wir täglich: „Kannst Du noch bei mir bleiben, bis ich eingeschlafen bin?“ Dann agieren mein Mann und ich als Einschlafhilfe. Wir kuscheln uns je zu einem Kind ins Bett. Die Tür weit auf, Licht im Flur und wachen über sie, bis sie eingeschlafen sind.

Bei dem 4jährigen ist das eine Sache von original drei Minuten. Der kuschelt sich ein, macht die Augen zu und ist ratzfatz im Land der Träume. Der Große aber übt sich, sobald das Nachttischlämpchen verlischt, in Wachhaltestrategien: da wird sich rumgewälzt, mit den Augen geklimpert, mit den Fingern „Klavier gespielt“, an der Tapete gekratzt, ein Gespräch angefangen und und und … er kriegt dann einfach nicht die Kurve. Und das, obwohl er hundemüde ist. Wir haben vieles versucht, um ihn da raus zu holen: Geschichte auf CD hören. Hat nicht geholfen, weil er nicht dabei einschläft, sondern bis zum Schluss zuhört und dann noch drüber reden möchte. Ruhige, klassische Musik hören. Hat nicht geholfen, weil ihn die Musik so berührt hat, dass er weinen musste. Einen weichen Ball kneten (Tipp, von der Erzieherin aus dem Kindergarten). Hat nicht geholfen, weil er den Ball durchs Bett geworfen hat. Alleine noch ein Buch angucken/lesen. Hat nicht geholfen, weil er davon nicht müde, sondern nur aufgekratzter wurde und sich das Einschlafen noch mehr verzögerte.

Das einzige, was bei ihm einigermaßen gegen das systematische Wachhalten hilft, ist tatsächlich unsere elterliche Einschlafhilfe. Dann zappelt er zwar trotzdem, aber dann halte ich ihn im Arm, lasse ihn gegen das ständige Hände bewegen die langen Schlappohren seines Kuschelhasen festhalten und rede ruhig und leise in Yoga-Sprache auf ihn ein: „Augen zu, lass los, es gibt nichts zu tun, Dein Körper will sich jetzt ausruhen, lass den Schlaf kommen, Augen zu …“

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Es dauert dann zwar zwischen zehn und dreißig Minuten bis er eingeschlafen ist, aber es geht deutlich schneller als zu sagen: „Gute Nacht, träum schön! Wir sind ja da!“ und das Zimmer zu verlassen. Das haben wir natürlich auch immer wieder versucht. Denn auch wir haben nicht immer Lust dazu die Einschlafhilfe zu geben.

Manch einer könnte jetzt sagen: „Sind die Eltern denn verrückt? Man will ja auch noch was vom Abend haben.“ Das stimmt. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Kinder mit uns an ihrer Seite viel schneller einschlafen als ohne Einschlafhilfe. Dann haben wir mehr vom Abend als im Zehn-Minuten-Takt ins Kinderzimmer zu gehen und auf das Kind einzureden.

Ich denke oft an diesen Satz: Alles hat seine Zeit. Das mit dem alleine Einschlafen wird schon irgendwann klappen. Wir bleiben dran. Und sind offen für Vorschläge, wie wir den Wachhaltestrategien unseres Ältesten begegnen können. Und so lange genießen wir die abendliche und nächtliche Kuschelzeit mit unseren Kindern. Denn auch die wird – aus dem eigenen Willen der Kinder heraus – irgendwann vorbei sein.

#strategieneinermutter

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Ein Gedanke zu “Die Einschlafregel mit Einschlafhilfe

  1. Wunderschön, wie euer Großer einschlafen darf! Die Mühe ist es wert, ihr gebt ihm so viel für sein Leben mit!!! Die 3 werden bestimmt mal ganz tolle Persönlichkeiten, wenn sie mit so viel Liebe, Geduld, Freude, Motivation und Kreativität aufwachsen dürfen. Ich hoffe, dass ich meinem Kleinen auch all das weitergeben kann. Hoffe dh auf viele weitere Anregungen von dir! 🙂

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