Das Ausnahme-Abendbrot

Heute morgen fing es an. Unser Ältester wachte auf und guckte ziemlich schlapp aus seinem Schlafanzug. Oh je, denke ich, er wird krank. Also hole ich das Fieberthermometer aus dem Schrank und messe. Kein Fieber. Okay, dann hat er bestimmt Hunger, diagnostiziere ich weiter und flöte in meinem aufmunterndsten Ton: „Komm Schatz, wir ziehen Dich jetzt an und dann isst Du mal was. Danach geht es Dir bestimmt besser.“ Das Kind antwortet matt: „Okay.“ Nach dem Frühstück, auf dem Weg zur Schule frage ich ihn: „Und, geht es Dir schon besser?“ Er: „Nein.“ Nach einer Pause: „Mama, heute habe ich keinen guten Tag.“ Ich antworte beschwichtigend: „Ach komm, es ist ja noch ganz früh, da kannst Du das doch noch gar nicht sagen.“ Als ich ihn von der Schule abhole, kommt mir allerdings ein völlig bedröppelter Junge durch den strömenden Regen entgegen gelaufen. An seinen Füßen die völlig durchnässten Hausschuhe, die eigentlich für den Klassenraum bestimmt sind. Als er mich sieht, fängt er an zu weinen und sagt: „Meine Schuhe sind weg.“ Ich fühle nur noch Mitleid und bin froh, dass ich heute aufgrund des Mistwetters mit dem Auto zum Abholen gefahren bin. Also verfrachte ich das frustrierte und klatschnasse Kind ins Auto. Da sagt er: „Mama, ich bin heute ein richtiger Pechvogel. In der Schule bin ich nämlich auch noch gegen die Badtür geknallt.“

Er hat es am Morgen ja bereits gespürt, heute ist wirklich nicht sein Tag. Das sage ihm dann auch: „Och Spätzchen, heute ist wirklich nicht dein Tag.“ Und dann noch: „Ich habe eine Idee. Wir machen einen Wiedergutmachungsnachmittag. Wenn wir deinen Bruder von der Kita abgeholt haben, spielen wir erst gemeinsam und dann darfst Du Dir was zum Glotzen aussuchen und dazu gibt es eine Ausnahme-Abendbrot.“ Seine Augen hellen sich auf. Und mir scheint dies – angesichts so viel Pechs an einem Tag – ein adäquates Sonder-Programm zu sein. So wichtig mir unser gemeinsames Essen am Tisch ist, so schön ist es, auch mal eine Ausnahme von der Regel zu machen. Nicht nur an Pechvogel-Tagen, sondern manchmal auch an Freitagen zum feierlichen Start des Wochenendes. Oder auch an Tagen, an denen ich selbst einfach nicht mehr kann und nur noch die Füße hochlegen möchte.

Ausnahme-Abendbrot geht bei uns so: Während die Kinder im Schlafanzug und in eine Decke gekuschelt auf dem Sofa sitzen und ihren altersgerechten Film schauen, nehme ich die Bestellung auf, bereite zwei Teller mit den gewünschten Broten zu, ergänze noch Rohkost und setze alles mit Hilfe eines Frühstückstischchens fürs Bett auf den Schoß meiner Kinder.

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Ich selbst setze mich – ebenfalls mit meinem Brotteller auf dem Schoß – daneben und wir essen genauso wie es jede Supernanny ablehnen würde. Dessen bin ich mir bewusst. Aber Ausnahme-Abendbrot findet bei uns so selten statt, dass ich es durchaus vertreten kann. Der Vorteil an so einem Ausnahme-Abendbrot: man muss nicht aufwändig den Tisch decken und für die Kinder bleibt es etwas absolut Besonderes. Der Nachteil? Jede Menge Krümel auf dem Sofa.

#strategieneinermutter

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