Die Schnuckebox

Als wir noch keine Kinder hatten, erzählte mein Mann einmal davon, wie er eine Mutter zu ihrem Kind sagen hörte: „Du darfst keinen Keks, von Zucker wirst Du immer so unruhig.“ Damals haben wir über diesen – aus unserer Sicht – Quatsch lauthals gelacht. Die Erfahrung hat uns eines Besseren belehrt.

Immer, wenn unsere Kinder etwas Zuckerhaltiges zu sich nehmen, werden sie komisch. Ja sie werden so richtig wild. Mein Mann sagt dann immer: „Jetzt ist der Zucker im Kopf angekommen.“ Getoppt wird das Ganze, wenn der Blutzuckerspiegel wieder sinkt. Dann werden die Kleinen nämlich übellaunig, knatschig und böse. Und zwar so doll, dass man es fast nicht mehr aushalten kann. Ich bereue dann immer, ihnen überhaupt oder zu viel Nascherei erlaubt zu haben.

Ein Gegenexperiment hat mir den Beweis geliefert, dass dieses Verhalten tatsächlich dem Zuckerkonsum zuzuschreiben ist: Ich habe mal einen ganzen Tag darauf geachtet, dass die Kinder nichts zu sich nehmen, wo nicht schon von Natur aus Zucker drin ist (soll heißen: Obst durften sie, Schokomüsli, Eis, Kekse, Gummibärchen etc. nicht). Die Kinder haben das gar nicht gemerkt, aber ich. Es war friedlich bei uns zu Hause. Die Jungs waren fröhlich, richtig gut drauf. Und sie haben zu jeder regulären Mahlzeit so richtig reingehauen.

Theoretisch gesagt: Für mehr Frieden zu Hause müsste man also „nur“ dem Zuckerkonsum rigoros ein Ende setzen. In der Praxis ist das nicht durchführbar. Selbst wenn ich selbst nichts kaufe, die Kinder bekommen Unmengen an Süßigkeiten geschenkt. Und Kinder neigen verständlicherweise dazu, diese Gaben sofort und in einer Geschwindigkeit in sich einzuverleiben, dass man quasi von Inhalation sprechen könnte.

Eigentlich ist dagegen nichts einzuwenden, wenn sich so ein Schokoladen-Gummibärchen-Massaker auf ein paar wenige Tage im Jahr beschränken würde: Geburtstag, Ostern, Nikolaus, Weihnachten, fertig. Aber dabei bleibt es ja nicht: je 20 Geburtstage in Kindergarten und Schule, Tütchen auf Kindergeburtstagen, bei Familienfesten und -besuchen und zwischendurch und als Belohnung und und und …

Letztes Weihnachten hatten wir unseren Süßigkeiten-Rekord: die Jungs haben summa summarum 2kg Süßigkeiten geschenkt bekommen. Ich habe es aus Neugier gewogen. Selbst unser Baby (damals 8 Monate alt) hat von der Ur-Oma einen riesengroßen Schokoladen-Weihnachtsmann bekommen. Als ich ihr sagte, dass ich dem Mädchen diesen bestimmt nicht zu essen geben würde, sagte die Ur-Oma nur: „Ich konnte sie ja nicht ausschließen!“ Ja warum denn nicht? Es ist ein Baby verdammt nochmal.

Lange Rede, kurzer Sinn: diese ewigen Süßigkeitendiskussionen gehen mir tierisch auf den Zeiger. Und deswegen haben unsere Jungs beide eine „Schnuckebox“. Da wo ich ursprünglich herkomme, sagt man zu naschen nämlich „schnucken“. Und in diese Boxen kommt alles, was sie geschenkt bekommen. Ab und zu dürfen sie sich dann etwas daraus aussuchen. Als Nachtisch oder Belohnung oder einfach nur so.

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Was ich an den Schnuckeboxen gut finde: Wir Eltern haben die Kontrolle über die Frequenz und die Menge. Und ich brauche nie Sorge zu haben, dass ein Kind weinend vor einer leeren Dose sitzt, denn der nächste Anlass füllt die Box bestimmt.

#strategieneinermutter

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