Hasenbrot zum Abendbrot

Hasenbrote einer Schulwoche

Dies sind die Hasenbrote meines Sohnes einer Schulwoche.
Und zwar die, die er nach der Schule wieder mit nach Hause gebracht hat.

Da frage ich mich doch: Was hat das Kind während seiner fünf Schulstunden überhaupt gegessen? Denn, den liebevoll geschälten und in Ringe geschnitzten Apfel bringt er meistens auch noch mit nach Hause.

Ich suche zur Klärung die Vorschullehrerin auf. Die sagt, er sei beim CD hören während der Essenszeiten so sehr in die Geschichten vertieft, dass er vergesssen würde zu essen. Na toll. Warum muss man überhaupt die Kinder vom Essen ablenken?

Um meinem Sohn einmal diese Essensmengen deutlich zu machen, habe ich seine Brotmitbringsel die Woche über gesammelt, Freitag abend auf einen Teller gelegt und ihm gezeigt: „Weißt Du, was das ist?“ Er zuckt mit den Schultern. „Das sind Deine Pausenbrote von dieser Woche.“ Er bekommt große Augen: „Wirklich?“ Ich: „Ja, ganz schön viel, oder? Hast Du denn gar keinen Hunger in der Schule?“ Er zuckt wieder mit den Schultern. Ich: „Mäuschen, das geht nicht. Du musst in der Schule etwas essen. Kann es sein, dass die Geschichten während der Essenszeit so spannend sind, dass Du vergisst in Dein Brot zu beißen?“ Er nickt und sagt: „Ich höre da immer zu. Und wenn ich dann essen will, ist die Essenszeit vorbei.“ Ich: „Essen ist aber wichtig, damit Du Kraft hast zum Spielen und Rumtoben.“ Er nickt. Ich: „Versuch mal beim Geschichte hören zu essen. Und was machen wir jetzt mit den vielen Broten?“ Er: „Wegschmeißen.“ Ich: „Ja, diese schon. Weil sie zu alt sind. Aber in Zukunft machen wir das so: Wenn Du ein Pausenbrot wieder mit nach Hause bringst, bekommst Du es abends als Hasenbrot zum Abendbrot. Essen, was noch gut ist, schmeißen wir nämlich nicht einfach weg.“ Er: „Okay.“ Bravo, sehr schnell einsichtig, mein Sohn.

Und so machen wir’s. Hasenbrote bringt er immernoch genügend mit nach Hause. Die bekommt er dann zum Abendessen auf seinen Teller gelegt. Und den Apfel? Den isst er nach dem Mittagessen zum Nachtisch.

#strategieneinermutter

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2 Gedanken zu “Hasenbrot zum Abendbrot

  1. Ja, das muss einmal gesagt werden von einem knapp 70-jährigen Vater (drei Töchter) und Großvater von nunmehr 5 Enkeln und 1 Enkelin: die Themenauswahl ist so bunt wie das Leben mit Kindern selbst und kommt direkt aus den Untiefen des Alltags. Die Lösungsangebote sind am Machbaren orientiert und weitab von jeder Form der „Besserwisserei“! Der Stil ist locker und humorvoll und verrät in seiner Art die Liebe und die Verantwortung zu den Kindern und gegenüber sich selbst als Mutter (und Vater). Die Kunst der Mitteilung liegt in der Beschränkung auf das Wesentliche und schafft so die Möglichkeit, sich als Leser darauf einzulassen oder sich aus eigenen Gründen abzugrenzen. Man fühlt sich bei der Lektüre so, als säße man bei Mascha am Frühstückstisch und plaudere über die kleinen Probleme des Familienlebens.

    Es ist eben kein „Ratgeber“, sondern ein „Dialogsucher“ und der Blog möge möglichst viele gute und hilfreiche Kontakte ermöglichen; bis die Kinder groß genug sind, zu sagen: jetzt reicht’s, wir können über alles selber miteinander reden. Schließlich haben wir genau das von euch Eltern gelernt: miteinander zu reden und dabei ernst genommen zu werden.

    Con stima
    Gherardo Passero

  2. Wir haben das gleiche Problem mit den Hasenbroten. Oft gibt es sie auch abends und richtig lecker werden die Brote, wenn man sie kurz in der Pfanne oder im Backofen anröstet. Kann natürlich sein, dass meine Kinder deswegen ihre Brote lieber mit nach Hause bringen ;o)

    Liebe Grüße
    Anja

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