Die Milchflaschen-Selbsthalte-Vorrichtung

Am Esstisch nimmt unsere mittlerweile 10 Monate alte Tochter ohne Umschweife und völlig professionell ihre Wasserpulle in die Hand, trinkt und beendet den Vorgang mit einem geflüsterten „Ahhhhh“. Sie macht es uns eben nach. Und da ihre Brüder sie meist mit einem Riesenapplaus belohnen, ist sie diesbezüglich sehr motiviert.
Ihre Milchflasche jedoch will sie partout nicht selbst halten. Da kann ich versuchen, was ich will: Gebe ich ihr die Milchflasche in die Hand, nimmt sie sie nicht an. Führe ich ihre Hände zur Flasche, zieht sie sie weg. Zu ihrem Ritual des Milchtrinkens gehört anscheinend, dass Mama die Flasche minutenlang in ihren Mund steckt. Wenn wir dabei gemütlich irgendwo sitzen und sie liegt auf meinem Schoß, ist das ja kein Thema. Die kuschelige Zeit, in der sie mir beim Milchtrinken wegsegelt, genieße ich sogar sehr. Vor allem sind wir dabei meistens nur zu zweit. Qualitätszeit mit meiner Tochter also. Manchmal fallen mir dabei sogar auch die Augen zu und ich nutze die Zeit für einen Powernap (neudeutsch für: superschnelles Nickerchen).

Oftmals ist es aber so, dass sie ihre Milch alleine liegend trinkt, z.B. im Kinderwagen oder im Auto (siehe auch Artikel Das Kinderwagenbett). Und da wird es echt anstrengend. Mein Rücken schmerzt vom in den Kinderwagenbücken oder ich bekomme einen Handgelenkskrampf, weil ich meinen Arm vom Beifahrersitz zur Rückbank regelrecht verdrehen muss. Aber vor allem: ich kann in der Zwischenzeit nichts anderes tun.

Also habe ich mir eine Möglichkeit abgeguckt, wie man Milchflaschen so positionieren kann, dass das Kind sie wegzischt, ohne dass die Flasche wegrutscht oder der Milchfluss unterbrochen wird:
Man lege einfach eine gefaltete Mullwindel oder einen modischen Schal, Halstuch (davon hat ja die Frau von heute ca. 100 im Schrank) oder dergleichen auf die Brust des Kindes, bilde in der Mitte eine Mulde und lege dort die Milchflasche hinein. Vorher muss das Kind natürlich den Sauger in den Mund genommen haben. Man muss allerdings darauf achten, dass die Flasche den richtigen Winkel hat, damit sämtliche Milch getrunken werden kann.
Das Ganze sieht dann ungefähr so aus:

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Und mir bleibt genügend Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern. Einem anderen Kind beim Jacke, Schuhe, Mütze anziehen zu helfen zum Beispiel. Oder die zigste Kinder-CD im Auto einzulegen.

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Die Schnuckebox

Als wir noch keine Kinder hatten, erzählte mein Mann einmal davon, wie er eine Mutter zu ihrem Kind sagen hörte: „Du darfst keinen Keks, von Zucker wirst Du immer so unruhig.“ Damals haben wir über diesen – aus unserer Sicht – Quatsch lauthals gelacht. Die Erfahrung hat uns eines Besseren belehrt.

Immer, wenn unsere Kinder etwas Zuckerhaltiges zu sich nehmen, werden sie komisch. Ja sie werden so richtig wild. Mein Mann sagt dann immer: „Jetzt ist der Zucker im Kopf angekommen.“ Getoppt wird das Ganze, wenn der Blutzuckerspiegel wieder sinkt. Dann werden die Kleinen nämlich übellaunig, knatschig und böse. Und zwar so doll, dass man es fast nicht mehr aushalten kann. Ich bereue dann immer, ihnen überhaupt oder zu viel Nascherei erlaubt zu haben.

Ein Gegenexperiment hat mir den Beweis geliefert, dass dieses Verhalten tatsächlich dem Zuckerkonsum zuzuschreiben ist: Ich habe mal einen ganzen Tag darauf geachtet, dass die Kinder nichts zu sich nehmen, wo nicht schon von Natur aus Zucker drin ist (soll heißen: Obst durften sie, Schokomüsli, Eis, Kekse, Gummibärchen etc. nicht). Die Kinder haben das gar nicht gemerkt, aber ich. Es war friedlich bei uns zu Hause. Die Jungs waren fröhlich, richtig gut drauf. Und sie haben zu jeder regulären Mahlzeit so richtig reingehauen.

Theoretisch gesagt: Für mehr Frieden zu Hause müsste man also „nur“ dem Zuckerkonsum rigoros ein Ende setzen. In der Praxis ist das nicht durchführbar. Selbst wenn ich selbst nichts kaufe, die Kinder bekommen Unmengen an Süßigkeiten geschenkt. Und Kinder neigen verständlicherweise dazu, diese Gaben sofort und in einer Geschwindigkeit in sich einzuverleiben, dass man quasi von Inhalation sprechen könnte.

Eigentlich ist dagegen nichts einzuwenden, wenn sich so ein Schokoladen-Gummibärchen-Massaker auf ein paar wenige Tage im Jahr beschränken würde: Geburtstag, Ostern, Nikolaus, Weihnachten, fertig. Aber dabei bleibt es ja nicht: je 20 Geburtstage in Kindergarten und Schule, Tütchen auf Kindergeburtstagen, bei Familienfesten und -besuchen und zwischendurch und als Belohnung und und und …

Letztes Weihnachten hatten wir unseren Süßigkeiten-Rekord: die Jungs haben summa summarum 2kg Süßigkeiten geschenkt bekommen. Ich habe es aus Neugier gewogen. Selbst unser Baby (damals 8 Monate alt) hat von der Ur-Oma einen riesengroßen Schokoladen-Weihnachtsmann bekommen. Als ich ihr sagte, dass ich dem Mädchen diesen bestimmt nicht zu essen geben würde, sagte die Ur-Oma nur: „Ich konnte sie ja nicht ausschließen!“ Ja warum denn nicht? Es ist ein Baby verdammt nochmal.

Lange Rede, kurzer Sinn: diese ewigen Süßigkeitendiskussionen gehen mir tierisch auf den Zeiger. Und deswegen haben unsere Jungs beide eine „Schnuckebox“. Da wo ich ursprünglich herkomme, sagt man zu naschen nämlich „schnucken“. Und in diese Boxen kommt alles, was sie geschenkt bekommen. Ab und zu dürfen sie sich dann etwas daraus aussuchen. Als Nachtisch oder Belohnung oder einfach nur so.

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Was ich an den Schnuckeboxen gut finde: Wir Eltern haben die Kontrolle über die Frequenz und die Menge. Und ich brauche nie Sorge zu haben, dass ein Kind weinend vor einer leeren Dose sitzt, denn der nächste Anlass füllt die Box bestimmt.

#strategieneinermutter

Kleiner Trick gegen große Angst

Im Haus meiner Eltern hängen zwei sehr spezielle Bilder: eine Beethoven-Darstellung …

Beethoven

… und Lucretia mit dem Dolch.

Lucretia mit Dolch

Ich kenne diese Bilder seit meiner Kindheit und ich kann mich erinnern, dass ich vor der „blauen Frau“ immer ein bisschen Angst hatte. Als unser ältester Sohn ungefähr drei Jahre alt war, bekam er auch Angst vor den „bösen“ Augen, die ihn da bei jedem Oma-und-Opa-Besuch anstarrten. Die Folge: Unser Sohn wollte das Haus nicht mehr betreten, so lange die Bilder zu sehen waren.
Um ihren Enkelsohn nicht zu verschrecken, wurde also vor jeder Ankunft die „blaue Frau“ in den Keller verfrachtet und der Beethoven, wegen seines Gewichts und seiner ausladenden Maße, mit einem rosa-weiß-karierten Betttuch zugehängt.

Nach nunmehr drei Jahren des ewigen Wegräumens und Zuhängens waren meine Eltern der Meinung, dass das Kind alt genug sei, um mit den Bildern umzugehen. Zuerst sprachen sie mit ihrem Enkel. Sie erklärten ihm, dass sie bei unserem nächsten Besuch die Bilder so lassen würden, wie sie sind. Unser Sohn: „Wenn Ihr das macht, dann komme ich nicht mehr zu Euch.“ Er ließ nicht mit sich reden. Wir alle waren verzweifelt. Wie konnten wir unserem Sohn die Angst vor diesen Bildern nehmen? Seinen Bruder störten die Bilder kaum. Und der ist zwei Jahre jünger!

Meinem Vater ließ das Thema keine Ruhe. Und dann kam ihm eine gute Idee. Man müsse den Bildern etwas Lustiges verleihen. Also fing er an zu basteln. Und schrieb unserem Sohn vor unserem nächsten Besuch einen Brief. In diesem Brief erklärte er ihm, was für ein großartiger Mann der Herr Beethoven gewesen sei und welche Bedeutung das Bild im Leben meiner Eltern habe. Deswegen wollten sie das Bild auch nicht mehr zuhängen. Sie hätten aber einen lustigen Weg gefunden, den „bösen Blick“ zu verstecken. Unser Sohn war mit der Lösung einverstanden. Und als wir das Haus meiner Eltern betraten, fanden wir Folgendes vor:

Cooler Beethoven

Und:

Lucretia als blinde Köchin

Unsere Kinder brachen bei dem Anblick in einen erleichternden Lachflash aus. So als ob sie die Anspannung und die Angst der letzten Jahre einfach weglachen wollten. Und unser Ältester sagte nur: „Man sieht der cool aus. So darf er bleiben.“

Und so werden mit Hilfe zweier Sonnenbrillen und einem Kochlöffel aus Pappe der alte Beethoven zum coolen Rockstar und die sich selbstmordende Lucretia zur harmlosen Köchin. Ein kleiner Trick mit großer Wirkung.

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Hilfe gegen Pavianhintern

Irgendwann in seinem Leben hat ein Baby mal einen wunden Po. Und das durch die verschiedensten Ursachen: „falsches“ Obst oder Gemüse gegessen, Darm-Infekt, volle Windel zu lange anbehalten …

Als dies bei uns zum ersten Mal der Fall war, war es gleich ziemlich heftig. Sobald ich mit dem Feuchttuch den wunden Po säubern wollte, wurde ich angeschrien. Verständlicherweise.
Als ich dies meiner Schwester erzählte, berichtete sie mir von einer sehr schmerzarmen und heilsamen Reinigungs- und Pflegemethode gegen wunde Kinderpos, die sie von einem versierten Apotheker vermittelt bekam:

Den wunden Po nicht mit Feuchttüchern, nassen Läppchen oder ähnlichem abwischen – das schmerzt. Auch nicht mit Zinksalbe luftdicht abdichten oder andere dermatologische Salben verwenden (es sei denn, der Kinderarzt hat sie verordnet) , sondern

– den Po am Waschbecken unter fließendes, lauwarmes Wasser halten und vorsichtig mit der Hand waschen.
Das geht super, wenn man das Baby in der Pipi-mach-abhalte-Stellung hält. Also den Rücken des Babies vor den eigenen Bauch drücken und die Beine rechts und links vom Wasserhahn abstellen. Mindestens ein Bein natürlich dabei festhalten.
– bei jungen Säuglingen es dabei belassen, bei älteren Babies dann die Haut mit eine kinderfreundlichen Seife reinigen und wieder abwaschen
– den Po mit einem weichen Frotteetuch abtupfen oder gar trocken föhnen;
lauwarm und aus sicherer Entfernung (Pipimach- und damit Kurzschlussgefahr mit verheerenden Folgen, bei Jungs sein bestes Stück leicht runterdrücken; den Föhn niemals still oder auf eine Stelle halten, Verbrennungsgefahr!)
– kinderfreundliche Fettcreme (ohne Zink) drauf, Windel drum, fertig!

Ich habe das Prozedere dann selbst ausprobiert und der wunde Po war schon am nächsten Morgen viel besser und am darauffolgenden Tag sogar ganz verheilt. Kein Geschrei mehr, alles gut!

Seitdem habe ich all meinen Kindern zu Babyzeiten quasi prophylaktisch morgens und abends wie oben beschrieben den Po gewaschen, getrocknet und gecremt. Mit Erfolg.

Bei großen Kindern, die sich in der Übungsphase des sich-selbst-den-Po-säuberns befinden, funktioniert diese Methode übrigens auch.

#strategieneinermutter

Von Macht und Kampf

Bis vor Kurzem teilten sich unsere Jungs (6 und 4 Jahre) ein Zimmer. Ursprünglich hatten wir den beiden ein gemeinsames Zimmer gegeben, weil der Jüngere in Anwesenheit seines großen Bruders leichter einschlafen konnte. Eine Zeit lang hat das auch gut funktioniert. Nämlich solange der Große das Sagen hatte. Und alles bestimmen konnte. Aber auch der Kleine lernte natürlich mehr und mehr sein Ich kennen und wollte auch mal bestimmen. Als er circa dreieinhalb war, eskalierte die Situation. Bei uns zu Hause war nur noch Mord und Totschlag an der Tagesordnung. Es wurde geschrien, gehauen, gebissen, gekloppt, gekniffen … Und zwar von beiden Seiten. Ich kam teilweise gar nicht mehr dazwischen. In meiner Ratlosigkeit schimpfte ich sehr viel mit den Jungs. Was natürlich auch nichts geholfen hat.

Eigentlich bin ich jemand, der auf seinen Bauch vertraut. Aber ich wusste mir einfach nicht mehr zu helfen. Also kaufte ich mir ein Buch: Wenn Geschwister streiten von Christine Kaniak-Urban und Andrea Lex-Kachel. Ich gebe zu, ich habe dieses Buch bis heute nicht ganz gelesen. Aber zwei Dinge habe ich daraus gelernt:

1. Es ist die schwierigste Aufgabe männliche Geschwisterkinder groß zu ziehen, weil sie immer eine Machtposition erreichen wollen. Je näher die Geschwister altersmäßig beieinander liegen, desto schwieriger sind diese Konflikte und Kämpfe. Und warum machen sie das? Weil sie das Herz der Mutter erobern wollen.
Ah ja, meine Jungs sind also zwei kleine Ödipusse. Einerseits ging bei mir das Gedankenkarussell los: Zeige ich meinen Kindern zu wenig, wie sehr ich sie liebe? Bevorzuge ich einen der beiden? Ja merken sie denn nicht, dass sie mit der Streiterei bei mir überhaupt nichts erreichen?
Andererseits gab es mir die Absolution dafür, dass das alles ganz normal ist. Nur brauchte ich eine Lösung oder besser Auflösung dieser Situation.

2. Ein Lösungsweg aus dem Buch: Eltern sollen nicht das Verhalten der Kinder verurteilen oder Partei für eines der beiden ergreifen, sondern als Mediator zwischen den Geschwistern vermitteln. Soll heißen, in einer akuten Situation die Kinder auseinander bringen („Kann ich Euch helfen?“) sich von beiden Seiten die Situation und die Ursache für den Streit und die Handgreiflichkeiten schildern lassen und dann einen gemeinsamen Weg aus der Situation finden.

Diplomatie war noch nie meine Stärke. Meine Natur ist es eher, die Dinge direkt zu sagen. Aber ich habe es versucht. Und es hat ganz gut geklappt, zumindest, um die akute Situation zu mildern. Streitereien hatten wir weiterhin massenhaft.

Manchmal liegt die Lösung ganz nah: Eines Tages sagte ich zu unserem 4jährigen als er mich nach dem Verbleib eines Spielzeugs fragte: „Das liegt in Deinem Zimmer.“ Und er antwortete: „Aber das ist gar nicht mein Zimmer, das gehört meinem Bruder.“ Und da fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Das Kind begreift das Zimmer gar nicht als seins. Er fühlt sich dort quasi nur als Gast. Da zwischenzeitlich das Baby in sein altes Zimmer gezogen war, war er nun heimatlos. Der Arme.

Also haben wir die Reißleine gezogen. Vor ein paar Wochen ist das Baby umgezogen und die Jungs haben jetzt wieder getrennte Zimmer. Beide haben jetzt ihren Bereich, wo sie ganz allein bestimmen dürfen. Die beiden spielen zwar immernoch vermehrt im Zimmer des Großen, aber wie durch ein Wunder sind die Machtkämpfe bis auf seltene Vorkommnisse verschwunden. Eine echte Wohltat für meine Seele und uns alle.

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Die 2-Minuten-Anzieh-Hilfe

Was habe ich mir schon den Mund fusselig geredet. Und das allein, wenn es ums Anziehen geht: Könnt Ihr Euch bitte anziehen?“ Nichts passiert. „Ich möchte bitte, dass Ihr Euch jetzt anzieht.“ Nichts passiert. „Ich kann Euch auch beim Anziehen helfen.“ Ich knie mich hin, halte ein Klamottenteil in der Hand. Nichts passiert. Man kann sich vorstellen, dass eine noch so geduldige Mutter sich bei solch einer geballten Ignoranz irgendwie verkaspert vorkommt. Also reichts mir. Mir bleiben zwei Möglichkeiten:

1. Komplett ausflippen und mit Sanktionen drohen: „Wer sich jetzt nicht anzieht, bekommt ein nutella-Verbot am Wochenende!“
(siehe Die Nutella-Regel)
In solchen Momenten liegt mir diese Reaktion sehr nah. Doch Druck erzeugt bei unseren Kindern nur Gegendruck. Es folgt die Antwort – vor allem vom Großen: „Das ist Erpressung!“ Und: es passiert nichts.

Also kommt 2. zum Einsatz:
Tief durchatmen, Ruhe bewahren und die Kinder vor eine Entscheidung stellen: „Okay Jungs, Ihr habt jetzt zwei Minuten, in denen ich Euch beim Anziehen helfe. Wenn die zwei Minuten vorbei sind, müsst Ihr Euch alleine weiter anziehen. Die Zeit läuft jetzt.“ Und dann zähle ich laut von 120 rückwärts. 120, 119, 118 … Manchmal passiert erst nichts, als ob sie es so richtig ausreizen wollten. Wenn ich dann aber bei den 50ern angelangt bin, kommen sie plötzlich angelaufen und sind turboschnell dabei. Das Anziehen geht ratzfatz und ohne Gejaule und Gejammer von statten. Den Wettlauf mit der Zeit wollen sie nämlich unbedingt gewinnen. So wie jedes andere Spiel auch.

#strategieneinermutter

An Gammel-Tagen wie diesen

Am Wochenende war ich allein zu Hause. Mit drei kleinen Kindern. Mein Mann durfte mit seinen Kumpels auf Abenteuertour (Übernachtung im „Lavo“ am Lagerfeuer und auf Rentierfellen). Zum Ausgleich werde ich im September beim Yoga-Wochenende mit meiner Freundin ausspannen. Aber zurück zum Thema: Ich war allein zu Hause. Mit drei kleinen Kindern !

Um mir den Tag möglichst entspannt zu gestalten, ernannte ich den Samstag zum offiziellen Gammel-Tag. Und das ging ungefähr so: Erstmal kamen alle Kinder im Schlafanzug inklusive einer Tasse Kaffee für mich und ausreichend Spielzeug fürs Baby ins elterliche Bett und ich habe Bücher vorgelesen bis ich einen Knoten in der Zunge hatte. Am späten Vormittag gab es Frühstück. Natürlich im Schlafanzug. Dann haben wir eine riesige Lego-Landschaft aufgebaut. Thema dieses Mal: „Mama, lass uns einen Zoo bauen, wo man mit dem Zug durchfahren kann.“ Gesagt, getan. Die Kinder immernoch im Schlafanzug, ich mittlerweile im gemütlichen Hausanzug und nach einer Dusche. Die ist mir heilig ! Fast schon am Nachmittag haben wir zu Mittag gegessen. Und dann, welch Wunder, die Kinder wollten in den Garten. Weil das Wetter so schön mild war, waren wir dann noch fast zwei Stunden draußen. Das Baby machte zufrieden sein Schläfchen in der Karre. Und ich hatte genug Zeit, mit den Jungs zu spielen: sie übten sich im Speer werfen, ich sollte die Zielplanke nach jeder Runde ein Stück weiter nach hinten rücken. Keine sehr anspruchsvolle Aufgabe für mich, aber irgendwie passend zum Gammel-Tag. Abends nochmal essen – wieder im Schlafanzug – und dann haben wir uns ein Räuberlager im elterlichen Bett gebaut. Heißt: die Jungs durften bei mir im Bett schlafen.

Und am Sonntag? Da fing der Tag ähnlich an. Nur, dass ich den ganzen Vormittag gar nicht gebraucht wurde. Die Großen waren ganz toll mit sich beschäftigt. Dieses Mal waren sie Postboten und haben ganz viele Briefe geschrieben und gemalt und verteilt. Und ich habe mit dem Baby wieder rumgegammelt.

Kurz: Am Gammel-Tag ist alles entspannt. Am Gammel-Tag gibt es keine Zeitvorgaben. Am Gammel-Tag dürfen die Kinder entscheiden. Am Gammel-Tag bleibt der Haushalt liegen. Am Gammel-Tag gibt es keine Diskussionen. Am Gammel-Tag ist alles egal.
Und aufgeräumt wird morgen.

#strategieneinermutter