Von Zahnputzhamster bis Vokalgesang

Unser mittlerer Sohn (momentan 4 Jahre alt) ekelt sich vor Schaum. Vor allem vor Zahnpastaschaum. Was ja ziemlich verheerend ist, weil Zähne putzen nunmal zum Leben dazu gehört. Und das mindestens zweimal täglich.

Zähne putzen mit unserem Mittleren ist also eine Qual. Sobald die Zahnpasta in seinem Mund beginnt, den Aggregatzustand zu ändern, fängt er an zu würgen, dass er einem nur noch leid tun kann. Das muss sich ändern. Mittlerweile haben wir viele verschiedene Sachen getestet. Jede für sich hat einen mehr oder weniger großen Erfolg gebracht, so dass wir heute bei einer einigermaßen zufriedenstellenden Zahnputzsituation angelangt sind:

Phase 1: Gut zureden.
„Aber Schätzchen, Du willst doch Deine schönen weißen Zähne behalten. Dafür müssen sie aber schön sauber geputzt werden.“ Das Kind würgt und verweigert. Ergo: Kein Erfolg.

Phase 2: Kauf von fünf verschiedenen Kinder-Zahnpasten.
Ich: „Schau mal, hier habe ich verschiedene Zahnpasten. Jetzt probierst Du die alle mal nach und nach aus und dann schaust Du, welche Dir am besten schmeckt.“ Sohn: „Aber Mama, der Geschmack stört mich nicht, sondern der Schaum.“ Wie konnte ich das nur vergessen. Fünf Zahnpasten wandern in den Müll. Ergo: Kein Erfolg.

Phase 3: Kauf von schaumfreiem, Öko-Zahnreinigungsgel nach intensiver Verbraucherforen-Recherche.
Ich: „Schau mal hier, ich habe eine Zahnpasta gefunden, die keinen Schaum macht.  Lass die uns gleich mal ausprobieren.“ Sohn probiert: „Bah, die schmeckt eklig.“ Schaumfreies Zahnreinigungsgel wandert in den Müll. Ergo: Kein Erfolg.

Phase 4: Motivation mit dem Zahnputzhamster.
Ich: „Schau mal, was ich Dir gebastelt habe. Das hier ist der Zahnputzhamster. Den hängen wir jetzt ins Bad und nach jedem gründlichen Zähne putzen mit wenigstens ein bisschen Zahnpasta darfst Du dem Hamster einen Stempel aufdrücken. Und nach jeweils 10 Stempeln bekommst Du ein kleines Geschenk.“ Sohn: „Super!“ Und sperrt den Mund auf. Ergo: Nicht schön, aber selten. Großer Erfolg, aber kostenintensiv bei all den Stempeln.

Zahnputzhamster

Phase 5: Karius und Bactus kommen zu Wort.
Ich: „Oh Bactus, Bactus, was kommt denn da? Oh die große Zahnbürste. Oh nein, sie putzt die leckeren Gummibärchen weg. Oh nein, Bactus … Karius, Karius ich hänge in der Bürste, ahhhh, ich komme hier aus dem Schaum nicht mehr raus. Oh nein, ich höre schon das Wasser … blubb, blubb, blubb …“ Sohn lacht und putzt freudig die Zähne. Ergo: Großer Erfolg.

Phase 6: Die Zähne kommen zu Wort.
Sohn: „Mama, kannst Du auch mal die Zähne sprechen?“ Ich: „Na klar: He Ecki Eckzahn, juckts Dich auch so von all der Schokolade heute nachmittag? Oh ja, wird Zeit, dass wir sauber werden. Oh hallo, was kommt denn da. Ach endlich, die Zahnbürste. Ja mach‘ uns schön sauber. Wir hier hinten auch bitte (rufen die Backenzähne mit tieferer Stimme). Toll und jetzt noch schön den Schaum verteilen. Mmmh, ja vielen Dank. Jetzt sind wir richtig toll sauber und können gut schlafen. Danke Dir und bis morgen !“ Ergo: Großer Erfolg.

Phase 7: Das Zahnputzlied (stammt vom älteren Sohn aus der Vorschule). Melodie von „ABC, die Katze lief im Schnee!“ Ich (fünf Mal): Putz, putz putz, runter mit dem Schmutz. Die Zähne müssen sauber sein, dann kommen keine Löcher rein. Putz, putz, putz, runter mit dem Schmutz.“ Sohn lacht und putzt. Ergo: Großer Erfolg für circa drei Tage, dann Abnutzungserscheinung.

Phase 8: Der Vokalgesang (geht auch mit Silben, oder Konsonanten, damit der Mund die richtige Öffnung hat).
Ich: „Sing mal eeeeeeeeee!“ Sohn singt: „Eeeeeeeeeeee!“ Ich: „Sing mal Deeeeeeeee!“ Sohn: „Deeeeeeee!“ Ich: „Sing mal aaaaaaaaaa!“ Sohn: „Aaaaaaaaaa!“ Ich: „Sing mal Kaaaaaaaa!“ Sohn: „Kaaaaaaaa! Sag nochmal!“ Ich: „Sing mal Kaaaaaaa!“ Sohn: „KaaaaaaaaaKaaaaaaaaa! Hi,hi!“ Ergo: Großer Erfolg.

Phase 9: Die Zahnputzuhr.
Jeder kennt von früher bestimmt noch diese Drei-Minuten-Sanduhr mit Saugnapf fürs Bad. So eine habe ich unseren Jungs jetzt auch gekauft. Der Große schludert nämlich gerne in der Gründlichkeit. Ab jetzt putzen die beiden morgens und abends jeweils drei Minuten die Zähne. Und weil ihnen das zu lange dauert, darf ich zwischendrin auch noch nachputzen. Das ist perfekt. Dazu variieren und wechseln wir das Spaßprogramm von Phase 5 bis 8 je nach Belieben.

Mal sehen, wann wir uns etwas Neues einfallen lassen müssen. Die Gesundheit der Zähne ist uns den Aufwand jedenfalls wert.

#strategieneinermutter

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