Vom Waschlappentrick

Jedes Kind hat ja so seine Eigenheiten. Unser mittlerer Sohn hat eine ganz spezielle: Er ekelt sich vor Schaum. Und zwar jeglicher Art von Schaum: Milchschaum, Seifenschaum, Zahnpastaschaum, Haarshampooschaum …

Milchschaum lässt sich vermeiden (ist ja auch nur so ein Großstadtkinder-Coffee-Shop-Ding), Seifenschaum an den Händen nicht, aber das kann man schnell, schnell und mit ein paar beruhigenden Worten einigermaßen konfliktfrei über die Bühne kriegen. Beim Zahnpastaschaum wird es schon schwieriger. Unser Sohn ekelt sich nämlich so doll, dass er anfängt zu würgen, sobald die Zahnpasta ihren Aggregatzustand ändert (aber dazu in einem anderen Post).

Und beim Haarshampooschaum? Was soll man bitte machen, wenn das Kind kreischend in der Wanne sitzt oder sich womöglich in Panik hinstellt, droht auszurutschen und mit dem Kopf aufzuschlagen … nur weil ich mit der Shampooflasche in der Hand da stehe.

Nach zig Malen Haarewaschen unter desaströsen Bedingungen, habe ich endlich kapiert, was der Panikauslöser bei unserem Sohn ist: Der böse Schaum soll weder in die Augen, Ohren oder sonst irgendwo ins Gesicht kommen.
„Mäuschen,“ sage ich, „ich habe da eine Idee. Warte mal.“ Ich renne schnell ins Kinderzimmer, hole einen mit Kindermotiv bedruckten Waschlappen, befeuchte ihn mit warmem Badewasser, wringe ihn aus, lege diesen quer in die angstvoll zitternden Kinderhände und verkünde feierlich: „Hier kommt der Waschlappentrick. Jetzt lege mal den Waschlappen über Dein Gesicht und schau in den Himmel. So und jetzt kann der böse Schaum Dein Gesicht gar nicht mehr ärgern.“ Und wie wunderbar, unter zwar angespanntem Schlucken und Schluchzen, lässt das Kind sich die Haare einschäumen und auch wieder auswaschen.

Gut gemacht, Du alter Waschlappen.

#strategieneinermutter

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