Durch Ablenkung ans Ziel

Meine Jungs laufen nicht gerne längere Strecken. Kürzere eigentlich auch nicht. Immer gibt es nach ein paar Metern Gequengel und Gejammer: „Ich kann einfach nicht mehr laufen.“ Oder: „Ich bin zu schwach.“ Oder: „Kannst Du mich tragen?“

Das ist auf dem Weg zur Schule so, auf dem Weg zum Kindergarten, auf dem Weg zur Klavierlehrerin. Eigentlich immer.

Am Anfang hat mich das unheimlich genervt. Und ich habe zu den Kindern so etwas gesagt wie: „Jetzt kommt, es ist nicht mehr weit. Ihr schafft das schon.“ Zur Motivation hat das rein gar nichts beigetragen. Und der Weg war weiterhin nervig und anstrengend. Und vor allem: wir wurden immer langsamer.

Dann ist mir etwas eingefallen, was mein Vater mit uns als Kindern gemacht hat: Er hat uns abgelenkt: Und das mache ich jetzt auch. Indem ich den Kindern Fragen stelle: „Was hast Du heute in der Schule gemacht?“ Oder: „Was willst Du heute nachmittag spielen?“ Oder etwas zum Nachdenken: „Wieviel ist drei plus fünf?“ Oder etwas aus der nächsten Umgebung: „Warum ist die Pfütze weg, die gestern noch hier war?“
Oder ich erzähle ihnen eine Geschichte (auch gut bei langen Autofahrten): „Habe ich Euch schon einmal die Geschichte von den Schlümpfen erzählt, als sie auf große Abenteuerwanderschaft gegangen sind?“
Oder wir spielen ein Spiel: „Wer es schafft, nicht auf die Ritzen zwischen den Pflastersteinen zu treten, hat gewonnen.“
Oder ich texte sie einfach voll: „Wisst Ihr, was mir heute passiert ist? Also, da ist doch dieser Hund auf mich zugerannt gekommen und …“

Wenn die Kinder erst einmal abgelenkt sind – vom eigentlichen Weg und der Strecke, die ihre kleinen Beinen laufen müssen -, dann geht der Weg wie von selbst. Und die Kinder sind guter Dinge. Und: sie laufen normales Tempo.

Wenn wir dann am Ziel sind, sage ich gerne mal: „Guckt mal, Ihr habt es ja doch geschafft. Toll habt Ihr das gemacht. Ihr seid den ganzen Weg ganz allein gelaufen.“ Und dann sind sie immer gaaaanz stolz. Und zwar auf sich selbst.

#strategieneinermutter

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