Schief gewickelt

Bei zwei Kindern habe ich es bereits durchgemacht. Und dennoch habe ich es schlichtweg vergessen. Wie konnte ich nur? Nach nur neun Monaten sind nun die Zeiten des ruhigen und hygienisch-reinen Wickelns vorbei.

Das ich-lass-mir-nicht-mehr-in-Ruhe-den-Hintern-abputzen-und-frische-Windel-ankleben-Monster ist in unserem Baby erwacht. Es dreht und wendet, es schiebt und drückt, es strampelt und stößt, es kriecht und kniet … es macht mich wahnsinnig.

Meine bisherige Strategie, ihr interessante Spielzeuge in die Hand zu geben, die sie friedlich auf dem Rücken halten, ist von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht. Jetzt müssen es die Nasentropfen sein, die Windelkiste wird auseinander genommen, die Mülleimerbeutel zerpflückt, die Feuchttücherbox ausgeräumt, die Crémedose rumgeworfen. Und sie setzt alle Kraft der Welt ein, um sich durchzusetzen. Und Babies können echt stark sein, wenn sie wollen.

Nach der Wickelschlacht

Da gibt es bei mir keine friedvolle Strategie mehr, sondern ich nehme den Kampf auf. Es bleibt mir ja auch nichts anderes übrig. Und wenn ich es aus eigener Kraft nicht schaffe, sie wenigstens kurzfristig umzudrehen, dann ergebe ich mich. Und wickele sie eben bäuchlings. Am besten geht das, wenn sie sich hinkniet. Dann komme ich an alle notwendigen Körperstellen zum Reinigen und an die kleinen Kleberchen, um die frische Windel zu schließen.

Und wenn sie auch das gerade mal nicht machen will, dann ist sie eben schief gewickelt.

#strategieneinermutter

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Mist, Manno und Scheibenkleister !

Unser ältester Sohn war gerade mal vier Jahre alt, als er sein erstes schlimmes Wort aus dem Kindergarten nach Hause brachte. Damals dachte ich, wir hätten diesbezüglich noch etwas Schonfrist.

Falsch gedacht. Als hätte er das Wort des Jahres gefunden, rief unser Sohn immerzu: „Scheiße! Scheiße! Scheiße!“ Und ich immer nur: „Aber das sagt man doch nicht.“ Und: „Wir sagen so etwas nicht.“ Was ja eigentlich gar nicht stimmt. Wenn man sich selbst im Alltag dahingehend überprüft, kommen einem dauernd solche Worte über die Lippen. Aber aus dem Mund eines 4jährigen klingt es einfach nur eklig.

Hinzu kam auch noch die Sorge darüber, dass der damals 2jährige Bruder – der ja gerade anfing, die Vielfalt der deutschen Sprache zu entdecken – die Frequenz dieses Wortes als Ansporn zum Nachsprechen nehmen könnte.

Darf man einem Kind verbieten, Schimpfwörter zu benutzen? Eigentlich nicht. Ein Kind muss ja schließlich auch die Möglichkeit bekommen, seiner Wut und seinem Frust verbal Luft zu machen. Also haben wir folgende Regel aufgestellt:

Alle Familienmitglieder dürfen Schimpfwörter gebrauchen. Und zwar folgende: Mist, Manno und Scheibenkleister! Das Wort Scheibenkleister vor allem dafür, dass man beim „Sch …“ noch schnell die Kurve kriegen kann.

Heute, nach zwei Jahren, schleichen sich die unerlaubten Wörter nach wie vor in den Alltag. Wenn es den Kindern passiert, dann sage ich nur noch „Piep!“ und die Kinder wissen dann schon, was ich damit meine.

Natürlich sind auch noch weitere schlimme Worte dazu gekommen. Vor allem in den Wortschatz unseres 4jährigen. Auf meine Frage, ob er denn auch weiß, was „geil“ bedeutet, sagte er: „Ja, das ist englisch und heißt cool.“

Und neulich – wir sitzen als Familie im Auto – ruft er unvermittelt: „He, Du Idiot!“ Und ich: „Na, wo hast Du denn das her?“ Er: „Wieso? Ich red‘ nur Papamäßig.“ Na herzlichen Glückwunsch.

#strategieneinermutter

Von Zahnputzhamster bis Vokalgesang

Unser mittlerer Sohn (momentan 4 Jahre alt) ekelt sich vor Schaum. Vor allem vor Zahnpastaschaum. Was ja ziemlich verheerend ist, weil Zähne putzen nunmal zum Leben dazu gehört. Und das mindestens zweimal täglich.

Zähne putzen mit unserem Mittleren ist also eine Qual. Sobald die Zahnpasta in seinem Mund beginnt, den Aggregatzustand zu ändern, fängt er an zu würgen, dass er einem nur noch leid tun kann. Das muss sich ändern. Mittlerweile haben wir viele verschiedene Sachen getestet. Jede für sich hat einen mehr oder weniger großen Erfolg gebracht, so dass wir heute bei einer einigermaßen zufriedenstellenden Zahnputzsituation angelangt sind:

Phase 1: Gut zureden.
„Aber Schätzchen, Du willst doch Deine schönen weißen Zähne behalten. Dafür müssen sie aber schön sauber geputzt werden.“ Das Kind würgt und verweigert. Ergo: Kein Erfolg.

Phase 2: Kauf von fünf verschiedenen Kinder-Zahnpasten.
Ich: „Schau mal, hier habe ich verschiedene Zahnpasten. Jetzt probierst Du die alle mal nach und nach aus und dann schaust Du, welche Dir am besten schmeckt.“ Sohn: „Aber Mama, der Geschmack stört mich nicht, sondern der Schaum.“ Wie konnte ich das nur vergessen. Fünf Zahnpasten wandern in den Müll. Ergo: Kein Erfolg.

Phase 3: Kauf von schaumfreiem, Öko-Zahnreinigungsgel nach intensiver Verbraucherforen-Recherche.
Ich: „Schau mal hier, ich habe eine Zahnpasta gefunden, die keinen Schaum macht.  Lass die uns gleich mal ausprobieren.“ Sohn probiert: „Bah, die schmeckt eklig.“ Schaumfreies Zahnreinigungsgel wandert in den Müll. Ergo: Kein Erfolg.

Phase 4: Motivation mit dem Zahnputzhamster.
Ich: „Schau mal, was ich Dir gebastelt habe. Das hier ist der Zahnputzhamster. Den hängen wir jetzt ins Bad und nach jedem gründlichen Zähne putzen mit wenigstens ein bisschen Zahnpasta darfst Du dem Hamster einen Stempel aufdrücken. Und nach jeweils 10 Stempeln bekommst Du ein kleines Geschenk.“ Sohn: „Super!“ Und sperrt den Mund auf. Ergo: Nicht schön, aber selten. Großer Erfolg, aber kostenintensiv bei all den Stempeln.

Zahnputzhamster

Phase 5: Karius und Bactus kommen zu Wort.
Ich: „Oh Bactus, Bactus, was kommt denn da? Oh die große Zahnbürste. Oh nein, sie putzt die leckeren Gummibärchen weg. Oh nein, Bactus … Karius, Karius ich hänge in der Bürste, ahhhh, ich komme hier aus dem Schaum nicht mehr raus. Oh nein, ich höre schon das Wasser … blubb, blubb, blubb …“ Sohn lacht und putzt freudig die Zähne. Ergo: Großer Erfolg.

Phase 6: Die Zähne kommen zu Wort.
Sohn: „Mama, kannst Du auch mal die Zähne sprechen?“ Ich: „Na klar: He Ecki Eckzahn, juckts Dich auch so von all der Schokolade heute nachmittag? Oh ja, wird Zeit, dass wir sauber werden. Oh hallo, was kommt denn da. Ach endlich, die Zahnbürste. Ja mach‘ uns schön sauber. Wir hier hinten auch bitte (rufen die Backenzähne mit tieferer Stimme). Toll und jetzt noch schön den Schaum verteilen. Mmmh, ja vielen Dank. Jetzt sind wir richtig toll sauber und können gut schlafen. Danke Dir und bis morgen !“ Ergo: Großer Erfolg.

Phase 7: Das Zahnputzlied (stammt vom älteren Sohn aus der Vorschule). Melodie von „ABC, die Katze lief im Schnee!“ Ich (fünf Mal): Putz, putz putz, runter mit dem Schmutz. Die Zähne müssen sauber sein, dann kommen keine Löcher rein. Putz, putz, putz, runter mit dem Schmutz.“ Sohn lacht und putzt. Ergo: Großer Erfolg für circa drei Tage, dann Abnutzungserscheinung.

Phase 8: Der Vokalgesang (geht auch mit Silben, oder Konsonanten, damit der Mund die richtige Öffnung hat).
Ich: „Sing mal eeeeeeeeee!“ Sohn singt: „Eeeeeeeeeeee!“ Ich: „Sing mal Deeeeeeeee!“ Sohn: „Deeeeeeee!“ Ich: „Sing mal aaaaaaaaaa!“ Sohn: „Aaaaaaaaaa!“ Ich: „Sing mal Kaaaaaaaa!“ Sohn: „Kaaaaaaaa! Sag nochmal!“ Ich: „Sing mal Kaaaaaaa!“ Sohn: „KaaaaaaaaaKaaaaaaaaa! Hi,hi!“ Ergo: Großer Erfolg.

Phase 9: Die Zahnputzuhr.
Jeder kennt von früher bestimmt noch diese Drei-Minuten-Sanduhr mit Saugnapf fürs Bad. So eine habe ich unseren Jungs jetzt auch gekauft. Der Große schludert nämlich gerne in der Gründlichkeit. Ab jetzt putzen die beiden morgens und abends jeweils drei Minuten die Zähne. Und weil ihnen das zu lange dauert, darf ich zwischendrin auch noch nachputzen. Das ist perfekt. Dazu variieren und wechseln wir das Spaßprogramm von Phase 5 bis 8 je nach Belieben.

Mal sehen, wann wir uns etwas Neues einfallen lassen müssen. Die Gesundheit der Zähne ist uns den Aufwand jedenfalls wert.

#strategieneinermutter

Vom Waschlappentrick

Jedes Kind hat ja so seine Eigenheiten. Unser mittlerer Sohn hat eine ganz spezielle: Er ekelt sich vor Schaum. Und zwar jeglicher Art von Schaum: Milchschaum, Seifenschaum, Zahnpastaschaum, Haarshampooschaum …

Milchschaum lässt sich vermeiden (ist ja auch nur so ein Großstadtkinder-Coffee-Shop-Ding), Seifenschaum an den Händen nicht, aber das kann man schnell, schnell und mit ein paar beruhigenden Worten einigermaßen konfliktfrei über die Bühne kriegen. Beim Zahnpastaschaum wird es schon schwieriger. Unser Sohn ekelt sich nämlich so doll, dass er anfängt zu würgen, sobald die Zahnpasta ihren Aggregatzustand ändert (aber dazu in einem anderen Post).

Und beim Haarshampooschaum? Was soll man bitte machen, wenn das Kind kreischend in der Wanne sitzt oder sich womöglich in Panik hinstellt, droht auszurutschen und mit dem Kopf aufzuschlagen … nur weil ich mit der Shampooflasche in der Hand da stehe.

Nach zig Malen Haarewaschen unter desaströsen Bedingungen, habe ich endlich kapiert, was der Panikauslöser bei unserem Sohn ist: Der böse Schaum soll weder in die Augen, Ohren oder sonst irgendwo ins Gesicht kommen.
„Mäuschen,“ sage ich, „ich habe da eine Idee. Warte mal.“ Ich renne schnell ins Kinderzimmer, hole einen mit Kindermotiv bedruckten Waschlappen, befeuchte ihn mit warmem Badewasser, wringe ihn aus, lege diesen quer in die angstvoll zitternden Kinderhände und verkünde feierlich: „Hier kommt der Waschlappentrick. Jetzt lege mal den Waschlappen über Dein Gesicht und schau in den Himmel. So und jetzt kann der böse Schaum Dein Gesicht gar nicht mehr ärgern.“ Und wie wunderbar, unter zwar angespanntem Schlucken und Schluchzen, lässt das Kind sich die Haare einschäumen und auch wieder auswaschen.

Gut gemacht, Du alter Waschlappen.

#strategieneinermutter

„Beine zuerst!“

Irgendwann im ersten Lebensjahr wollen Babies Treppen „steigen“ – oder besser krabbeln bzw. klettern – lernen. Dieses Unterfangen bedarf einiger Aufsicht durch die Eltern, da die Anzahl der Stürze prompt ansteigt. Wenn die Kleinen die Treppen endlich hochkommen, wollen sie sie natürlich auch wieder runter.

Unsere jüngste Tochter ist momentan in genau dieser Phase. Sie ist gerade die Treppe hoch gekrabbelt, da dreht sie sich auf dem Bauch herum und will schon wieder runter. Mit dem Kopf voran. Das geht natürlich nicht, da ist der Absturz ja schon vorprogrammiert.

Also bringe ich ihr im Moment das bei, was ich zu gegebener Zeit, all meinen Kindern antrainiert habe. Ja, ich muss ehrlich sagen, es hat etwas von konsequentem Training. Und das funktioniert so:

Will das Kind mit dem Kopf voran die Treppe runterklettern, drehe ich es auf dem Boden 180° um die eigene Achse, so dass die Beine nach unten zeigen. Und sage zu ihr: „Beine zuerst!“ Dann erst darf sie – unter meiner Aufsicht – weiterkrabbeln. Und das mache ich so oft, bis sie es irgendwann verstanden hat und von selbst macht.

Bei meinen Jungs hat das prima geklappt. Nach ausreichend Übung mussten wir nur noch „Beine zuerst!“ sagen und die Kinder drehten sich von ganz alleine. Und bei meiner Tochter bin ich mir sicher, dass sie das auch bald drauf hat und ich mir keine Sorgen mehr machen muss.

#strategieneinermutter

Durch Ablenkung ans Ziel

Meine Jungs laufen nicht gerne längere Strecken. Kürzere eigentlich auch nicht. Immer gibt es nach ein paar Metern Gequengel und Gejammer: „Ich kann einfach nicht mehr laufen.“ Oder: „Ich bin zu schwach.“ Oder: „Kannst Du mich tragen?“

Das ist auf dem Weg zur Schule so, auf dem Weg zum Kindergarten, auf dem Weg zur Klavierlehrerin. Eigentlich immer.

Am Anfang hat mich das unheimlich genervt. Und ich habe zu den Kindern so etwas gesagt wie: „Jetzt kommt, es ist nicht mehr weit. Ihr schafft das schon.“ Zur Motivation hat das rein gar nichts beigetragen. Und der Weg war weiterhin nervig und anstrengend. Und vor allem: wir wurden immer langsamer.

Dann ist mir etwas eingefallen, was mein Vater mit uns als Kindern gemacht hat: Er hat uns abgelenkt: Und das mache ich jetzt auch. Indem ich den Kindern Fragen stelle: „Was hast Du heute in der Schule gemacht?“ Oder: „Was willst Du heute nachmittag spielen?“ Oder etwas zum Nachdenken: „Wieviel ist drei plus fünf?“ Oder etwas aus der nächsten Umgebung: „Warum ist die Pfütze weg, die gestern noch hier war?“
Oder ich erzähle ihnen eine Geschichte (auch gut bei langen Autofahrten): „Habe ich Euch schon einmal die Geschichte von den Schlümpfen erzählt, als sie auf große Abenteuerwanderschaft gegangen sind?“
Oder wir spielen ein Spiel: „Wer es schafft, nicht auf die Ritzen zwischen den Pflastersteinen zu treten, hat gewonnen.“
Oder ich texte sie einfach voll: „Wisst Ihr, was mir heute passiert ist? Also, da ist doch dieser Hund auf mich zugerannt gekommen und …“

Wenn die Kinder erst einmal abgelenkt sind – vom eigentlichen Weg und der Strecke, die ihre kleinen Beinen laufen müssen -, dann geht der Weg wie von selbst. Und die Kinder sind guter Dinge. Und: sie laufen normales Tempo.

Wenn wir dann am Ziel sind, sage ich gerne mal: „Guckt mal, Ihr habt es ja doch geschafft. Toll habt Ihr das gemacht. Ihr seid den ganzen Weg ganz allein gelaufen.“ Und dann sind sie immer gaaaanz stolz. Und zwar auf sich selbst.

#strategieneinermutter

Tube oder Töpfchen?

Unser 4jähriger Sohn leidet im Winter unter wunden und aufgesprungenen Lippen. Dagegen hilft nur Fettcréme. Allerdings verweigert unser Sohn den Gebrauch der Créme vehement.

Dass er regelmäßig Fettcréme braucht um nicht bald wie ein kleiner, blutender Zombie rumzulaufen, steht außer Frage. Also habe ich ihn neulich abends vor die Wahl gestellt. Zwei Produkte hochhaltend frage ich: „Tube oder Töpfchen?“

Mit Töpfchen meine ich den kleinen Apotheken-Tiegel mit der grünen Majoranbutter, die eigentlich unter schnupfige Nasen gerieben werden soll, aber auch wunderbar wunden Lippen hilft. In der Tube ist dagegen eine spezielle Lippencréme – auch aus der Apotheke. Und was passiert? Kaum hat der kleine Racker das Gefühl, selbst entschieden zu haben, ist die Benutzung einer solchen Créme kein Thema mehr.

Was ich mir als kleinen abendlichen Wortwitz ausgedacht habe, ist mittlerweile zu einem richtig kleinen Spiel zwischen uns geworden.

Heute abend hat er zu seinem Vater gesagt: „Papa, Du musst mich fragen.“ Mein Mann: „Was muss ich Dich fragen?“ Mein Sohn: „Na, Tube oder Töpfchen!“ Und mein Mann fragt verwundert: „Tube oder Töpfchen?“ Mein Sohn: „Töpfchen, wie immer.“ Und lässt sich zufrieden die Lippen mit Majoranbutter einschmieren.

#strategieneinermutter